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Bürgerbahnhof Plagwitz: Wegen Zauneidechse beißt Bagger leicht verspätet

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    Leipzigs Unweltbürgermeister Heiko Rosenthal riss einen Zaun ein: ganz planmäßig beim ersten symbolischen Baggerbiss am Bürgerbahnhof Plagwitz. Bevor die Arbeiten am ersten Bauabschnitt eines Gleis-Grünzuges auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs richtig beginnen können, muss jedoch die Zauneidechse nebst Nachwuchs weiter gewandert sein.

    So mancher Politiker soll schon an einem Zaun gerüttelt haben. Weil er unbedingt das Amt wollte, dessen Sessel von dem Zaun geschützt wird.

    Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) rüttelte am Donnerstag, 23. Mai, nicht nur an einem Zaun. Mittels Bagger riss der das Zaunfeld einfach nieder. Und zwar beim symbolischen ersten Baggerbiss auf dem Nordgelände des ehemaligen Güterbahnhofs Plagwitz.
    Dort soll bis zum Herbst diesen Jahres der erste Bauabschnitt eines Gleis-Grünzuges entstehen. Dafür sollen insgesamt 600.000 Euro verbaut werden. Davon steuert die Europäischen Union 428.000 Euro aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung EFRE bei.

    Fürs Erste geht es um das Areal südlich der Naumburger und westlich der Zollschuppenstraße. Noch heißt das Gelände Nordkopf. Doch so richtig behagt Bürgermeister Rosenthal der Name nicht. Schließlich gebe es schon einen Nordkopf: am Lindenauer Hafen: dort, wo die alten Speicherhäuser stehen.
    Auf dem Plagwitzer Nordkopf soll in den nächsten Monaten eine Fläche entstehen, die nach den Worten der Stadtverwaltung „verschieden genutzt werden kann und die sich durch eine hohe Aufenthaltsqualität auszeichnet“. So sollen Bänke aufgestellt und ein Kletterfelsen errichtet werden. Das hiesige Landschaftsplanungsbüro Spiel.Raum.Planung hat das Konzept schon mal virtuell ins Bild gesetzt.

    An die Multifunktionsfläche schließt sich südlich Teil II des Gleis-Grünzuges an. Die gemischte Park- und Waldfläche wird Platz für Bürgergärten und den im Quartier bereits etablierten Bauspielplatz bieten. Südlich der Antonienbrücke vollendet ein „Urbaner Wald“ das Projekt.

    Darüber hinaus soll der Grünzug verschiedene Wegeverbindungen zwischen Plagwitz, Kleinzschocher und Grünau aufnehmen. Wie die Durchwegung einst gestaltet sein wird, ist am Zugang zur Markranstädter Straße schon zu sehen.
    Für Leipzigs Stadtplaner firmiert das Projekt unter Reurbanisierung einer einstigen Verkehrsfläche. Doch der Bahnverkehr auf dem einstigen Güterbahnhof mit Verlade- und Entladebahnsteigen ruht schon so lange, dass sich die Fläche in Teilen renaturiert hat. Mit Folgen für das Bauprojekt. Denn aktuell brütet eine Zauneidechsenpopulation hier ihre Jungen aus. Folglich kann aus dem symbolischen Baggerbiss erst dann ein scharfer Baustart werden, wenn die Zauneidechsen das Weite gesucht haben. Ganz von selbst, wie die Planer betonen.

    Für Leipzigs Umweltdezernent hat das Projekt für Leipzig „Vorbildcharakter“. Gleichwohl zeigte er sich auch traurig gestimmt über den erfolgten Rückbau der Bahnhofsfunktion. Denn kompakte Städte müssten nach Ansicht von Rosenthal auch künftig innerörtlichen Eisenbahnverkehr zulassen, einschließlich der innerstädtischen Warenanlieferung auf dem Gleis.
    Bei Karsten Gerkens, den Leiter des städtischen Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung, überwog am Donnerstag hingegen die Freude, mit dem Projekt „die alte Dreckecke zwischen der alten Stadt und Grünau in eine neue Form zu bringen“.

    Seit gut drei Jahren diskutiert und konzipiert Thorsten Mehnert gemeinsam mit anderen Engagierten in der Initiative Bürgerbahnhof Plagwitz IBBP die Nachnutzung des Bahngeländes als „belebtes Grün“. Abstimmungen mit der Stadtverwaltung gehören mittlerweile zur Routine. Erste Aktionen wie die Sicherung des alten Bahnsteigabgangs setzten sie bereits gemeinsam um.

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    Über so viel kooperativen Bürgersinn ist Karsten Gerkens des Lobes voll. „Das Projekt zeigt, wie fruchtbar die enge Einbeziehung der Anwohnerinnen und Anwohner sein kann. Die Luftschaukel, die Wasserdusche oder der Kletterfelsen, die hier entstehen werden, sind Ideen der Bürgerschaft, die auch selbst mit Hand anlegte“, so der Amtsleiter.

    Der symbolische Baustart steht für Thorsten Mehnert somit auch dafür, dass nunmehr Verwaltung und Initiative „gemeinsam den ersten Umsetzungsschritt gehen“. Damit auf den ersten Umsetzungsschritt weitere folgen können, will Mehnert endlich Klarheit in der Grundstücksfrage. Der „Geländeübergang von der Bahn auf die Stadt“ müsse nun endlich organisiert werden, erneuerte Mehnert seine Forderung. Denn der südliche Bereich des geplanten Grün-Gleiszuges befindet sich noch immer im Besitz der Bahn.

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