Manchmal kann Leipzigs Stadtverwaltung richtig schnell sein. Im August kündigte das Dezernat Stadtentwicklung und Bau ein Konzept für das Projekt "Parkbogen Ost" an. Im September stellte sie in den Gremien des Stadtrates schon mal den Weg vor, wie man dahin kommen möchte. Allein die Projektentwicklung schlägt mit 880.000 Euro zu Buche.

Denn bevor auch nur eine Rampe gebaut wird, braucht es detaillierte Planungen. “Für das Vorhaben ist zunächst ein integriertes Entwicklungskonzept im Sinne eines Masterplanes zur erstellen. Innerhalb des Konzeptes werden das Leitbild des Projektes, Handlungsfelder, Einzelmaßnahmen, Zeit- und Finanzierungspläne identifiziert. Für die spätere Akquise von Fördermitteln (z.B. EFRE) wird eine klare Gebietsdefinition für das Entwicklungsvorhaben ‘Parkbogen Ost’ verlangt. Diese ist zu erstellen. Eine Anpassung bestehender Fördergebiete ist zu prüfen”, erklärt das Dezernat nun in der Vorlage, die in Fachausschüssen und Stadtbezirksbeiräten diskutiert wird.

Vorsichtig wie eine Katze tastet sich die Stadtverwaltung an das Thema heran, in dessen Zentrum die aufgegebene Bahntrasse zwischen Sellerhausen und dem Hauptbahnhof-Vorgelände liegt. Früher verkehrte hier die S-Bahn nach Stötteritz, die seit Dezember 2013 durch den City-Tunnel geleitet wird. Die Trasse wird nicht mehr gebraucht und tauchte 2012 im Bürgerwettbewerb “Ideen für den Stadtverkehr” als Vorschlag für eine eigene Radtrasse, die im Leipziger Osten schnelle Verbindungen schafft, auf. Die Bahn hat dieser Tage schon mit der Demontage von Gleisen und Schwellen begonnen.Aber der Weg von der Idee zum Projekt ist schon einmal ein mit Geldscheinen gepflasterter Weg: “Im Rahmen der Projektentwicklung entstehen Mehrbedarfe von insgesamt 880.000 Euro”, heißt es in der Vorlage. “Diese Mittel werden als Eigenmittel für die zu beantragenden Fördermittel (z.B. EFRE, Soziale Stadt) eingesetzt. Entsprechend der anhängenden Erläuterung werden Auszahlungen-Einzahlungen mit Mehrbedarfen in Höhe von 231.100 Euro (2016), 338.300 Euro (2017), 280.000 Euro (2018) und 30.600 Euro (2019) in den Investitionshaushalt 2015/16 sowie die mittelfristige Finanzplanung eingestellt. Die Bereitstellung erfolgt in Abhängigkeit der Fördermittel.”

So recht weiß die Stadt auch noch nicht, wie man das Ganze dann wirtschaftlich darstellt. Denn Sanierung und Umbau der Trasse werden eher einen siebenstelligen Euro-Bedarf ergeben. “Für die spätere Umsetzung des Konzeptes ‘Parkbogen Ost’ sind Vorschläge die aus Sicht, der Stadt Leipzig am wirtschaftlichsten sind zur Trägerstruktur, während des Umsetzungsprozesses (z. B. Sanierungsträger) zu identifizieren und Vorschläge zur Betreiberstruktur zu erarbeiten. Hierfür kann auf erste Ergebnisse aus einem Strategieworkshop zurückgegriffen werden.”

Unter der Steuerung des Planungsdezernats soll es eine regelmäßig tagende Projektgruppe, die aus Vertretern betreffender Fachämter besteht, geben. “In dieser Gruppe erfolgt die verbindliche Abstimmung zu den Projektdetails”, heißt es jetzt in der Vorlage.”Im Turnus von ca. drei Monaten nehmen an dieser Projektgruppe die entsprechenden Amtsleiterinnen teil. Der Oberbürgermeister wird regelmäßig in der Dienstberatung informiert.”

Das ganze Projekt könnte sich also zu einer Art Mega-Thema für den Leipziger Osten entwickeln, in dem viele kleine Entwicklungsprojekte rechts und links der ehemaligen Bahntrasse andocken. Und da Städte wie New York vormachen, wie man ehemalige Hochtrassen vielfältig neu nutzen kann, könnte das Ganze sogar ein richtiges Zukunftsprojekt für Leipzigs Osten werden. Die Frage ist wahrscheinlich wirklich nur: Was wird es kosten? Und welche Teile können durch private Investitionen dazu kommen?

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