Eine Petition, die nicht aufs Naturkundemuseum warten wollte

Im Bowlingtreff wird es kein Wissenschaftsmuseum geben

Für alle LeserLeipzig braucht unbedingt auch noch ein Wissenschaftsmuseum, meinte ein eifriger Leipziger, den möglicherweise das Leibniz-Jahr 2015 angeregt hat, mal etwas hartnäckiger über die Wissenschaftsstadt Leipzig nachzudenken. Die Universität steht zwar hübsch mit neuem Campus mittendrin. Aber einen Ort, wo man als Besucher etwas über die große Wissenschaftsgeschichte der Stadt findet, gibt es eigentlich nicht. Wäre der Bowling-Treff nicht ein Ort dafür?

Das war quasi eine doppelte Petition. Denn irgendwie scheint das Interesse nicht zu erlahmen, im leerstehenden Bowling-Treff am Wilhelm-Leuschner-Platz unbedingt ein Museum unterbringen zu wollen. Aber die Unterbringung des Naturkundemuseums hat ja schon deshalb keine Chance auf Umsetzung gehabt, weil die Klimatisierung des halbunterirdischen Bauwerks für ein Museum höchst problematisch ist. Das dürfte für ein Wissenschaftsmuseum nicht anders sein.

Ganz abgesehen davon, dass die Stadt diese schwer nutzbare Immobilie eigentlich verkaufen möchte. Es dauert nur eben seine Zeit, bis die nötigen Beschlüsse dazu gefasst sind.

Das Kulturdezernat in seiner Stellungnahme zur Petition: „Zurzeit steht das Objekt Bowlingtreff nicht zur Verfügung. Am 19.09.2016 entschied der Grundstücksverkehrsausschuss, dass das Vorhaben der Ausschreibung zum Verkauf der Liegenschaft Bowlingtreff auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz solange ruht, bis die Arbeitsgruppe Wilhelm-Leuschner-Platz darüber befindet, ob dieses Objekt separat vom Ensemble Wilhelm-Leuschner-Platz veräußert werden kann. Diese Arbeitsgruppe traf am 25.09.2017 in einer ersten Sitzung zusammen. Das Thema soll in einem der folgenden Termine besprochen werden.“

Dass so ein Museum vielleicht auch ein bisschen Geld kosten würde, hatte der Einreicher durchaus bedacht.

„Der Einreicher der Petition regt die Errichtung eines Wissenschaftsmuseums in Leipzig an, um das Interesse von Schülern an naturwissenschaftlichen und technischen Fächern zu wecken. Ihm zufolge sollte vorab eine Arbeitsgruppe der Hochschule für Wirtschaft und Technik im Auftrag der Stadt Leipzig eine Übersicht über Profit, Besucherzahlen, jährlichen Etat sowie Baukosten solcher Wissenschaftsmuseen zusammenstellen. Mögliches Gebäude könnte das leerstehende Bowling-Center auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz sein“, bilanziert das Kulturdezernat.

Aber genau das soll ja ein anderes Museum schon erreichen, das längst auf dem Weg ist: „Die Stadt Leipzig verfügt über vier dem Dezernat Kultur zugeordnete Museen. Dabei kommt dem neuen Naturkundemuseum, das zurzeit für den Standort Baumwollspinnerei geplant wird, mit seiner naturwissenschaftlichen Ausrichtung u. a. die Funktion eines Wissenschaftsmuseums zu. Der Kulturentwicklungsplan der Stadt Leipzig sieht gegenwärtig keine Etablierung eines weiteren kommunalen Museums vor. Freie Träger im Bereich der kulturellen Bildung haben gemäß der Fachförderrichtlinie Kultur die Möglichkeit, Anträge zur Kulturförderung zu stellen.“

Aber gerade das neue Naturkundemuseum, das bis 2020 für 10 Millionen Euro entstehen soll, wird ja erstmals in Leipzig zeigen, wie ein modernes naturwissenschaftliches Museum aussehen kann. Es geht ja auch erst einmal darum, dieses Museum auch regional zu platzieren und sich nicht gleich wieder in einem Konkurrenzprojekt zu verzetteln. Die Themen, die Museumsdirektor Ronny Maik Leder dann am neuen Standort an der Spinnereistraße verwirklichen will, werden für viele junge und ältere Besucher erstmals auch sichtbar machen, welche naturwissenschaftlichen Schätze die Region preisgegeben hat.

Das wird schon eine Menge Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Aber auch jede Menge Geld und Kraft binden. Allein für diese Lösung haben engagierte Leipziger ja nun zehn Jahre lang gekämpft.

Was dann für ein Museum im Bowlingtreff erst einmal bedeutet – aus Verwaltungssicht: „Die Petition wird abgelehnt.“

Wilhelm-Leuschner-Platz
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