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Am 7. März gibt es die nächste Bürgerveranstaltung zum Pleißemühlgraben

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    Das war dann wieder eine der dramatischen Vollbremsungen, die Leipzigs Verwaltung im Herbst 2017 hinlegen musste, nachdem die L-IZ sehr deutlich und wahrnehmbar darüber berichet hatte, dass man die versprochene Bürgerbeteiligung zum künftigen Verlauf des Pleißemühlgrabens an der Hauptfeuerwache einfach mal unterschlagen hatte. Der Verein Neue Ufer hatte Alarm geschlagen, nachdem die Verwaltung mit ihrer Lieblingsvariante vorgeprescht war.

    „Nichtöffentliche Informationsvorlage an die Fraktionen des Leipziger Stadtrates präferiert neues Flussbett am Goerdelerring“, heißt es noch heute auf der Beteiligungs-Homepage zum Pleißemühlgraben, die dann im Herbst doch noch aus dem Boden gestampft wurde. Obwohl alles entschieden war. Irgendwie.

    2012 hatte die Stadtverwaltung schon drei Öfffnungsvarianten vorgeschlagen, über die nun – so dachten zumindest die engagierten Bürger der Stadt – irgendwann diskutiert und abgestimmt werden würde. Doch das ist nicht passiert. Bis 2017 nicht, als auf einmal ein anderes Bauprojekt zur Umsetzung drängte: Die Stadt hatte die Sanierung der Hauptfeuerwache für das Projekt „Brücken in die Zukunft“ angemeldet, nachdem sich eine Finanzierung dieses Projekts über Jahre nicht darstellen ließ. Und das Land signalisierte Wohlwollen. Auf einmal war alles ganz eilig.

    Und ist es immer noch, stellt das Amt für Stadtgrün und Gewässer jetzt in seiner jüngsten Pressemitteilung zum Thema fest. Denn eigentlich sollte vor den Planungen zum Umbau der Hauptfeuerwache geklärt sein, wo der Pleißemühlgraben künftig fließt. Man hatte fünf wertvolle Jahre einfach vertrödelt. Und jetzt ist die Sanierung längst im Gang – und noch immer nicht klar, wo der Graben künftig verläuft.

    „Die Leipziger Hauptfeuerwache am Goerdelerring befindet sich in der Sanierung“, so das Amt. „Im Zuge der Gesamtmaßnahme soll der dort unterirdisch verlaufende Pleißemühlgraben geöffnet und wieder öffentlich zugänglich gemacht werden. Für den künftigen Verlauf existieren zwei verschiedene Varianten. Die Festlegung des Verlaufs ist für die weiteren Sanierungsplanungen der Hauptfeuerwache dringend notwendig.“

    Dabei hatte man den Verlauf am Goerdelerring schon vor über einem Jahr in die Pläne zum Umbau der Hauptfeuerwache geschrieben.

    Als hätte es schon die versprochene Bürgerbeteiligung gegeben.

    Die wurde dann eiligst im Herbst 2017 eingetaktet. Mit eigener Homepage, erster Bürgerversammlung und Online-Beteiligung. Diese Phase lief bis zum 31. Dezember.

    „Soll der Pleißemühlgraben vor oder hinter der Hauptfeuerwache fließen? Zu dieser Frage gibt es seit November 2017 ein Bürgerbeteiligungsverfahren der Stadt Leipzig. Bis zum Jahreswechsel konnten Leipzigerinnen und Leipziger bewerten, welche Kriterien ihnen bei der Entscheidung über den zukünftigen Verlauf des Pleißemühlgrabens wichtig sind“, meldet dazu das Amt für Stadtgrün und Gewässer. „Seit der Bürgerveranstaltung vom 30. November 2017 sind offline sowie online zahlreiche Bewertungen, Ergänzungen und Kommentare eingegangen, die nun die Grundlage des Vergleiches der beiden Verlaufsvarianten sind. Das rege Interesse an der Offenlegung des Pleißemühlgrabens verdeutlichen neben der ersten Bürgerveranstaltung mit über 100 Besuchern auch die über 1.000 Besuche der Onlinebeteiligungsplattform.“

    „Das Ergebnis der ersten Beteiligungsphase zeigt, dass den Teilnehmenden die Aufenthaltsqualität und Erlebbarkeit des Wasserlaufs, der ökologische Wert vor allem mit Blick auf das Stadtgrün sowie die möglichen Wegeverbindungen im Zuge der Bürgerbeteiligung besonders wichtig sind“, erklärt Rüdiger Dittmar, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer. Womit er bestätigt, wie der Verein Neue Ufer e.V. die Sache sieht, der für eine Öffnung des historischen Grabenverlaufs hinter der Hauptfeuerwache plädiert. Dort würde wieder ein Stückchen erlebbarer Stadt entstehen, nachdem das alte Naundörfchen Opfer der Weltkriegsbomben geworden war und die Bebauung am Ranstädter Steinweg die alten Stadtstrukturen völlig verschwinden ließ.

    Vielleicht bringen die Argumente der Bürger die Stadtplaner ja zum Umdenken.

    Eine zweite Bürgerveranstaltung soll nun am 7. März 2018 im Hörsaalgebäude am Augustusplatz stattfinden. Das ist ein Mittwoch.

    In der zweiten Beteiligungsphase werden die Verlaufsvarianten vor und hinter der Hauptfeuerwache anhand der Kriterien miteinander verglichen und bewertet. Neben der Onlinebeteiligung lädt die Stadt Leipzig dafür zu einer zweiten Bürgerveranstaltung ein, die am 7. März ab 18 Uhr im Hörsaalgebäude der Universität Leipzig am Augustusplatz stattfindet. Begehungen des Geländes an der Hauptfeuerwache werden am gleichen Tag im Vorfeld der Veranstaltung angeboten. Das genaue Programm soll zeitnah veröffentlicht werden, so das Amt für Stadtgrün und Gewässer. Das in der zweiten Beteiligungsphase gewonnene Meinungsbild soll dann in den Beschluss des Stadtrates einfließen, der für das erste Halbjahr 2018 geplant ist.

    Ein wesentliches Argument sind die schon jetzt geöffneten Mühlgräben. Die meisten – und so auch der Pleißemühlgraben – wurden in den 1950er Jahren überwölbt, weil die Industrieabwässer zum Himmel stanken. Damit waren sie bis in die 1990er Jahre nicht mehr sichtbar und erlebbar. Dort aber, wo die Gräben wieder geöffnet wurden, haben sie die angrenzenden Stadtviertel deutlich aufgewertet und das Wohnen „am Wasser“ wieder attraktiv gemacht.

    Teilabschnitte des Pleißemühlgrabens wie am Mendelssohnufer, vor dem Bundesverwaltungsgericht oder hinter der Ringbebauung zwischen Rudolph- und Gottschedstraße konnten bereits offengelegt werden. In Planung ist die Öffnung an der Lampestraße. Und Zukunfsmusik sind alle noch verschlossenen Abschnitte am Dittrichring und am Martin-Luther-Ring.

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