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Noch bis zum 18. März können sich alle an der Entscheidungsfindung zum Pleißemühlgraben beteiligen

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    Es war ein Kräftemessen auf gleichem Niveau, etwas, was Leipzigs Verwaltung eher selten erlebt, wenn sie sich denn einmal einer richtigen Bürgerbeteiligung öffnet. Aber wenn es um die Öffnung der alten Leipziger Mühlgräben geht, dann ist kein Verein so kompetent wie der Neue Ufer e.V.. Und Vereinsvorsitzender Heinz-Jürgen Böhme bot am Mittwoch, 7. März, überzeugend Paroli bei der 2. Bürgerinformationsveranstaltung zur Öffnung des Pleißemühlgrabens an der Hauptfeuerwache.

    Der Verein Neue Ufer kämpft seit 1990 um die Öffnung der alten Leipziger Mühlgräben. Fast 30 Jahre waren sie aus dem Stadtbild verschwunden, verrohrt und zugedeckelt in den 1950er Jahren, weil damals die Industrieabwässer aus dem Leipziger Südraum auch diese innerstädtischen Flussläufe stinken ließen. Tot waren sie schon lang vorher. Doch jetzt war die Umweltkatastrophe der ungeklärt in die Flüsse gespülten Industrieabwässer nicht mehr zu ignorieren. Da wurden die Mühlgräben in einer Hauruckaktion in unterirdische Gewölbe verbannt. Und seitdem fehlten sie im Stadtbild.

    Und es war der Verein Neue Ufer, der in den frühen 1990er Jahren auch die Verwaltung dazu brachte, die Öffnung der Mühlgräben planmäßig in Angriff zu nehmen. Denn mit dem Ende der gigantischen Wasserverschmutzung konnten diese alten Leipziger Wasseradern problemlos wieder zum Stadterlebnis werden. Wo sie schon geöffnet wurden, haben sie die Entwicklung der Wohnquartiere befeuert und die Umfeldqualität deutlich erhöht.

    Und bislang war der Dialog zwischen Verein und Stadtverwaltung zwar oft spannend und angespannt – aber selten zuvor hatte die Verwaltung so unverblümt versucht, ihre Sicht auf ein neues Kanalstück durchzudrücken.

    Und wer sich erinnert: eigentlich erst einmal völlig ohne Bürgerbeteiligung. Die Absicht, den Pleißemühlgraben vor die Hauptfeuerwache direkt an den Goerdelerring zu legen, sickerte über allerlei Stadtratsvorlagen an die Öffentlichkeit, in denen es eher um die Finanzierung der Sanierung der Hauptfeuerwache ging. Irgendjemand in den hohen Ämtern hatte sich schon ein eigenes Bild davon gemalt, wie die Parkplatzsituation vor dem Gebäude künftig aussehen sollte und dass man den betonierten Hof unbedingt behalten wollte. Es gibt erstaunlich viele Amtsträger, die hängen mit ihrem Herzen an fürchterlichen Platzsituationen.

    Und auch die erste Phase der Bürgerbeteiligung, die dann doch gewährt wurde, fiel unglücklich aus. Sie wurde gehandhabt, als wollten die teilnehmenden Bürger bei der Stadt ein geheimes Nummernkonto einrichten. Motto: Wir machen es euch ganz schwer, hier mitzumachen.

    Barrierefrei oder gar niederschwellig war da nichts. Ein exzellentes Beispiel dafür, wie Bürgerbeteiligung nicht sein darf.

    Der Verein Neue Ufer zog logischerweise alle Register, um für sein Anliegen zu kämpfen. Denn die Öffnung der Mühlgräben war für diesen Verein nie Selbstzweck. Es ging nicht nur um schöne Straßenansichten und nette Ufer. Von Anfang an stand etwas völlig anders im Mittelpunkt: Die Rückgewinnung verlorener Stadträume. Und hinter der Hauptfeuerwache geht es um einen der markantesten Leipziger Stadträume: das alte Naundörfchen, das im 2.Weltkrieg zerstört wurde. Heute findet man dort einen Nicht-Raum mit lauter Zäunen, Stellplätzen und dem wirklich hässlichen Hinterhof der Hauptfeuerwache. Wer so ein Gelände erhalten will, hat wirklich keine ästhetischen Ansprüche. Und schon gar keine Vorstellung, wie tot so ein Raum in einer Stadt wie Leipzig wirkt.

    Wer hier wieder ein bisschen urbanes Flair schaffen will, plädiert für die Öffnung des alten Pleißemühlgrabens, der von der Käthe-Kollwitz-Straße hinter der Hauptfeuerwache vorbei Richtung Ranstädter Steinweg fließt. Selbst die Visualisierungen zeigen, dass sich die Aussicht für die Feuerwehrmänner hier genauso um Dimensionen verbessert wie für die MitarbeiterInnen der IHK und die Bewohner der 1950er-Jahre-Wohnblocks am Ranstädter Steinweg.

    Und kosten würde es nicht mehr. Beide Varianten sind technologisch ähnlich aufwendig. Wer den Graben an den Goerdelerring legen will, muss ganze Bündel von Hauptleitungen der Wasserwerke und der Stadtwerke verlegen. Und ein ganz seltsamer Gedanke tauchte am Mittwoch ebenfalls auf. Augenscheinlich hat sich kein Mensch Gedanken darüber gemacht, wo die 230 Stellplätze hinsollen, die jetzt vor allem für Besucher der IHK wichtig sind.

    Die besseren Argumente lagen augenscheinlich beim Verein Neue Ufer.

    Die Bürgerinformation war natürlich auch noch einmal eine Basis für die jetzt laufende zweite Bürgerbeteiligung. Die ist auch technisch etwas besser gelöst.

    Und alle Leipziger können sich bei der Suche nach der richtigen Variante noch beteiligen. Denn diese Bürgerbeteiligung läuft noch bis zum 18. März.

    Auf der Seite www.leipzig.de/pleissemuehlgraben finden sich die grundsätzlichen Informationen zu beiden Varianten – entlang des Goerdelerrings oder im historischen Flussbett hinter der Hauptfeuerwache. Bis zum 18. März 2018 ist dort die Meinung der Leipzigerinnen und Leipziger gefragt. Die direkte Bürgerbeteiligung findet man auf der Seite www.pleissemuehlgraben.de.

    Am 7. März gibt es die nächste Bürgerveranstaltung zum Pleißemühlgraben

     

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