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Die Trockenlegung der Fundamente wird der komplizierteste Teil an der Wiederherstellung des Hotels „Astoria“

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    Im Inneren haben die Entrümpelungsarbeiten begonnen. Die Bauanträge sind eingereicht und werden wohl – wie Kathrin Rödiger, die amtierende Leiterin des Amtes für Bauordnung und Denkmalpflege, am Freitag, 4. Mai, bestätigte, recht bald genehmigt. Dann kann das alte „Astoria“ am Hauptbahnhof umgebaut und wieder zu einem Hotel gemacht werden.

    Die Pläne dazu stellte am Freitag, 4. Mai, vor allem Architekt Roland Wolff von wolff architekten vor. Stefan Zander, der Entsandte des neuen „Astoria“-Eigentümers „Intown“ Property Management GmbH, hielt sich deutlich zurück. Sowohl, was den Kaufpreis für das Gebäude am Willy-Brandt-Platz betrifft, als auch was die möglichen Kosten für Sanierung und Umbau des alten Gebäudes betrifft.

    Ein sehr stiller Investor, der sich aber schon sicher ist, dass er das Hotel behalten will und nicht – wie andere Investoren – nach Fertigstellung an den neuen Betreiber oder eine Besitzgesellschaft verkaufen möchte.

    Daran denke man gar nicht, betonte Zander. „Intown“ sei dafür bekannt, Prestige-Obkjekte nicht nur zu kaufen und zu sanieren, sondern hinterher auch im Bestand zu behalten. Möglicherweise könne er in drei oder vier Monaten eine belastbare Schätzung für die Baukosten vorlegen.

    Hauptgrund für die noch nicht kalkulierbaren Kosten ist der Untergrund.

    Woran Roland Wolff erinnerte, der das 1996 geschlossene Hotel von vielen Begehungen bestens kennt. Denn erbaut wurde das Gebäude auf nassem Grund. Übrigens genauso wie der Hauptbahnhof, der mit einigen hundert Pfählen im Untergrund erst stabilisiert werden musste, damit er überhaupt im ehemaligen Auengebiet der Parthe errichtet werden konnte, ohne abzusaufen.

    Und ganz ähnlich war es auch beim „Astoria“, dessen erster Teil ja 1913/1915 parallel zum Hauptbahnhof gebaut wurde, ergänzt 1954 bis 1957 um den Erweiterungsbau Richtung Gerberstraße. Und der Name sagt es schon: Die Gerberstraße liegt ja auf dem Gebiet des ehemaligen Gerberviertels, das – von der Parthe abzweigend – von lauter kleinen Kanälen durchzogen war, in denen die Gerber die zu färbenden Felle wuschen. Ein solcher Kanal lag auch genau auf dem Grundstück. In alten Karten ist er genau hier eingemalt: „Wasser aus der Parthe“.

    Und dass der Grundwasserstand heute noch immer hoch ist, merkten die Hausbegutachter, als sie die alten Pumpen im zweiten Untergeschoss wieder in Betrieb nahmen. Denn auch als 1954/1957 gebaut wurde, hat man das Haus in seinem Unterbau nicht abgedichtet, sondern stattdessen Sümpfungslöcher eingebaut, in die das hereinsickernde Wasser fließen konnte – und Pumpen im Dauerbetrieb sorgten dafür, dass der Keller trocken blieb.

    Die sanierte und in Teilen rekonstruierte Fassade des Hotel "Astoria". Visualisierung:wolff architekten
    Die sanierte und in Teilen rekonstruierte Fassade des Hotel „Astoria“. Visualisierung: wolff architekten

    „Als wir ins Souterrain wollten, stand das erste Untergeschoss etwa anderthalb Meter unter Wasser, das zweite Untergeschoss war komplett geflutet“, erzählt Wolff.

    Die Bausubstanz da unten begutachten konnte man also erst, als man die noch funktionsfähigen Pumpen wieder anwarf. Als man sie wieder ausstellte, „schoss das Wasser regelrecht von allen Wänden“, erinnert sich Wolff. „Wir taten gut daran, das zweite Untergeschoss schleunigst zu verlassen.“

    Deswegen wird die Trockenlegung des Unterbaus wohl deutlich in den Baukosten zu Buche schlagen.

    „So was macht heute kein Mensch mehr“, sagt Wolff in Bezug auf die Pumpen. Stattdessen werde man das Gebäude mit einer Wanne aus weißem Beton komplett nach unten hin abdichten. Erfahrungen dazu habe man schon aus Berlin, so Wolff. Das zweite Untergeschoss bleibe zwar erhalten, aber man werde es komplett verfüllen. Nur das erste Untergeschoss werde man künftig nutzen – zum Beispiel für einen 174 Quadratmeter großen Wellness-Bereich.

    Die Abdichtung des Unterbaus werde zwar mit 20 bis 25 Prozent in den Baukosten ihren Niederschlag finden. Aber viel sichtbarer für die Leipziger werde ja, wie sich das Gebäude äußerlich verändert. Denn verändern wird es sich, auch wenn sich Wolff bemüht, die beiden Bauepochen sichtbar bleiben zu lassen. So werden am Ursprungsbau von 1913 an der Kurt-Schumacher-Straße die alten Schaufensterbögen wieder freigelegt, die in den 1950er Jahren  mit Blenden versehen wurden und heute wie langweilige kleine Kästen wirken.

    Das hat für zwei künftige Einrichtungen viel Bedeutung: Für das neue Hotel-Restaurant auf der Ostseite mit Blick auf den Hauptbahnhof und mit Eingang zur Kurt-Schumacher-Straße (dem ursprünglichen Eingang des Hotels im Jahr 1915). Dort werden 200 Gäste Platz finden und das Hotel bekommt endlich auch wieder eine richtige Schauseite zur Stadt. Und das betrifft auch die geplante Bar, die in der Rundung zum Willy-Brandt-Platz unterkommen soll, ebenfalls mit großem Schaufensterblick nach draußen und 30 Plätzen.

    Hotel "Astoria": Front zum Willy-Brandt-Platz. Visualisierung: wolff architekten
    Hotel „Astoria“: Front zum Willy-Brandt-Platz. Visualisierung: wolff architekten

    Und wo man schon einmal den Blick nach draußen schafft, muss sich auch der kahle Raum draußen ändern. Es wird nicht die jetzige Parkplatz-Wüste bleiben, kündigt Wolff an. Da sei man auch mit der Stadt im Gespräch. Auch vor dem Restaurant werden 60 Freisitzplätze entstehen.

    Das eigentliche Foyer wird wieder dort entstehen, wo es 1954/1957 geschaffen wurde. Es wird auch das Flair der damaligen Moderne und noch verfügbare Ausstattungselemente wieder aufnehmen.

    Es wird keine originalgetreue Rekonstruktion, betont Wolff, weder für die Bauzeit 1913, noch für die 1950er Jahre, auch wenn man alle Bauepochen sichtbar machen möchte. Aber von den Ausstattungselementen ist längst viel zu viel herausgerissen und zerstört worden. Selbst am Meißner Porzellan-Wandbild von 1913 haben sich Vandalen zu schaffen gemacht. Man werde also eine Art Mix versuchen, der – so Wolff – hoffentlich nicht kitschig wird.

    Die Zahl der Zimmer wird sich von 444 auf 250 deutlich verringern. Was auch daran liegt, dass im ursprünglichen „Astoria“ von 1913 sehr kleine Zimmerschnitte gewählt wurden, die heute niemandem mehr zuzumuten sind. Aber trotzdem lassen sich nicht alle Zimmer auf eine Größe vereinheitlichen, da ja die Haussubstanz nicht verändert wird. 35 verschiedene Zimmertypen gelte es also, innenarchitektonisch zu entwerfen.

    Der große Kongresssaal soll künftig im Innenhof seinen Platz finden. Dass dort auch noch – mittlerweile wirklich desolate – Gebäudeteile stehen, sieht man fast nur aus der Luft. Die werden komplett abgerissen, um Platz für den Konferenzraum zu schaffen, der im Haus noch durch fünf Ballrooms und sechs Kleinere Konferenzräume ergänzt wird.

    Das Ziel ist klar: Das „Astoria“ soll sich zu einem Tagungs- und Kongress-Hotel modernen Zuschnitts entwickeln. Mit einigen wiederhergestellten Gestaltungselementen am alten, 1913 erbauten Flügel, sodass das Haus an dieser Seite wieder die Anmutung seiner Frühzeit bekommt.

    Einige Zimmer werden auch für zwei notwendige neue Treppenhäuser geopfert, die für den Brandfall zwingend vorgeschrieben sind. Das Haupttreppenhaus wird natürlich das anspruchsvolle Treppenhaus aus den 1950er Jahren sein.

    Und Wolff scheint auch etwas zu gelingen, was in Leipzig – aus Denkmalschutzgründen – selten möglich ist: Die alte Schrift „Hotel Astoria“ soll wieder ganz nach oben auf den Dachfirst. 62 Stellplätze für Autos sollen im Innenhof entstehen. Dort gibt es – Richtung Gerberstraße – auch noch einen Flügel mit Wohnungen, die ebenfalls schon seit Jahren leerstehen. Auch die hat die „Intwon“ mit erworben. „Aber dafür werden wir einen gesonderten Bauantrag stellen“, sagt Zander. „Das hat mit dem Hotelbau nichts zu tun.“

    Ende 2020, so hofft jedenfalls Roland Wolff, könnte das trockengelegte und sorgsam sanierte und umgebaute Hotel „Astoria“ dann wieder eröffnen.

    Comeback fürs Hotel „Astoria“?

     

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