17.6 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Der Stadtrat tagt: Die Bauruine Astoria + Video

Anzeige

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Anzeige

    Es war die AfD, die mit einem – so die Stadtverwaltung vor der heutigen Ratssitzung – untauglichen Antrag versuchte, die herumliegenden Steine auf der „Astoria“-Baustelle an der Gerberstraße und Willy Brandt Platz ins Rollen zu bringen. Hier ruht der Bau, welcher nach der ersten Planung des Investors Ende 2020 fertig sein sollte und das Wasser nagt am Gemäuer. Dreimal wurden die Bauarbeiten gestoppt, seit Juni 2020 könnte VIVION Investment zwar laut neuer Baugenehmigung der Stadt Leipzig weitermachen, doch es geschieht nichts. Die AfD versuchte dies nun mit einem Prüf-Antrag zu ändern, der letztlich den Erlass eines Modernisierungs- und Instandsetzungsgebots nach § 177 BauGB durch die Stadt Leipzig an den Eigentümer des „Astoria“ bedeuten würde.

    Der Zustand ist bedauerlich bis desaströs, das 1915 eröffnete Astoria strebt in quasi weit geöffnetem Zustand einem weiteren Winter entgegen. Auf dem Gelände liegen und stehen Baumaterialien und -geräte herum, fast so, als ob man alles stehen- und liegengelassen hat.Der direkte Nachbar am östlichen Flügel des Ensembles, das „Best Western“-Hotel, hatte mit einer Klage zur zukünftigen Lärm- und Belieferungsentwicklung des „Astoria“ und die anfangs wohl zu kleine Nutzungsplanung des zukünftigen Hotels durch den Bauherren angegriffen. Und am OVG Bautzen Recht behalten, was zu neuen Planungen und Baugenehmigungen führte.

    1.000 Gäste, fünf Ballsäle und 60 Außenplätze

    Doch – und das verwundert nunmehr zunehmend alle Beobachter – aktuell ist es still um den Investor geworden. Er könnte weiterbauen, tut es aber nicht. Auf Medienanfragen lässt die „VIVION Investment“ bislang nur mitteilen, man plane zum mittlerweile komplett entkernten Bau unter Erhalt der historischen Fassade neu – die letzte Wortmeldung dazu gegenüber dem MDR datiert auf den März 2021.

    Die neue Baugenehmigung seitens der Stadt liegt mittlerweile seit Juni 2020 vor.

    Da, wo mittlerweile nur noch die Fassade steht und sich der große Innenhof erstreckt, sollen immerhin eine großzügige Lobby und ein Restaurant mit verbauten historischen Elementen und 60 Außenplätzen ebenso entstehen, wie eine Bar im Erdgeschoss sowie eine Rooftop-Bar im fünften Obergeschoss, ein Bankettbereich mit rund 800 Quadratmetern Fläche und vor allem: Platz für 1.000 Gäste, fünf Ballsäle und sechs Konferenzräume sowie ein Spa-Bereich.

    Der Hoffnung auf die „kurzfristige Wiederaufnahme der Bauarbeiten“, welche die AfD-Fraktion mit ihrem Prüfantrag auf ein städtisches „Modernisierungs- und Instandsetzungsgebot nach § 177 BauGB“ hatte, begegnete die Verwaltung bereits im Vorfeld der Sitzung mit einer Darlegung, welche im Kern bedeutet: das haben wir bereits geprüft, geht nicht, es ist keine „Modernisierung“ oder „Instandsetzung“, sondern ein „Ersatzneubau“, im „rechtlichen Sinne“ ginge es „um eine Neuerrichtung“ des ehemaligen ersten Hauses am Platz.

    Wörtlich heißt es „Der Umfang der zu verfügenden Maßnahme kommt einem Ersatzneubau gleich. § 177 BauGB bietet keine Rechtsgrundlage zur Anordnung von Maßnahmen zur Errichtung eines – auch maßstabsgetreuen – Neubaus an gleicher Stelle (vgl. Ernst/Zinkahn/Bielenberg/Krautzberger, Kommentar zum BauGB, Rn. 16 zu § 177).“

    Video: Hotelier TV zur Historie des Grandhotel Astoria auf Vimeo 

    Die Debatte im Rat

    Roland Ulbrich (AfD) behauptete in der heutigen Ratssitzung nun, dass ein teilweiser Abriss des Astoria geplant sei. Sven Morlock (FDP) betonte daraufhin, dass es sich um interne Informationen aus dem Ausschuss handele und diese auch noch grob falsch sind.

    In Wirklichkeit läge auch gegen den zweiten, genehmigten Bauplan eine Klage vor. Deshalb stocke der Bau, der Astoria-Investor wolle bauen. Was den heute die Sitzung leitenden Bürgermeister Torsten Bonew (Finanzen, CDU) dazu brachte, auf die Geheimhaltung bei internen Bauausschusssitzungen hinzuweisen.

    Da war die Information über die weitere Klage des Nachbarn „Best Western“ gegen die Sanierung natürlich schon in der Welt. Das Urteil muss man nun wohl abwarten, während das ehemalige Leipziger Schmuckstück weiter verfällt und der Winter näherrückt.

    Der Antrag der AfD wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.

    Debatte am 13. Oktober 2021 im Stadtrat

    Video: LZ

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

    Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

    Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

    Vielen Dank dafür.

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      2 KOMMENTARE

      1. Und verstehen kann man „Best Western“ wirklich nicht. Dort gab es immer schon Hotels. und das ASTORIA ist ja nun mal nachweislich länger dort am Platz. Leider fehlt hier im Text die Meinung des klagenden Hotels.

      2. Es ist doch egal, wer den Antrag stellt. Tatsache ist doch hier, das ein wichtiges Baudenkmal in Leipzig verfällt. Unabsichtlich oder absichtlich. Warum nun immer wieder den Klagen der Konkurrenz stattgegeben wird: fragwürdig. Ich vermute, es ging nie um das ASTORIA, sondern einfach nur um den Baugrund. Dieser liegt ja bekanntlich in bester Lage. Vielleicht stecken ja beide Betreiber unter einer Decke? Nur eine Spekulation. Aber so scheint Aufklärung seitens der Stadt nicht gewünscht.
        Vielleicht sollte mal die SPD oder die Grünen das Thema auf die Agenda heben….

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige