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Comeback fürs Hotel „Astoria“?

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    Der Architekt Roland Wolff kommt ins Schwärmen, wenn er vom „Astoria“ in Leipzig erzählt. Der Berliner Architekt begleitet die Achterbahnfahrt des berühmten Leipziger Hotels seit über 20 Jahren. Eigentlich seit 1996, als im einstigen Vorzeigehotel von Leipzig die Lichter ausgingen. Für volle 22 Jahre. Das hätte auch 1996 niemand gedacht.

    Da hatte das Hotel nicht nur seinen Platz im Herzen der Leipziger besetzt, da galt es auch als erstes Haus am Platz. Die Top-Adresse, die sich die DDR-Oberen hatten herrichten lassen als neues Messehotel in Leipzig. Eigentlich war es auch schon 1915 eins. Denn Leipzig war eine boomende Messestadt. Die Messehäuser in der Innenstadt waren nagelneu und hochfrequentiert. Weiter draußen, in Thonberg, hatte man gerade ein modernes technisches Messegelände aus dem Boden gestampft.

    Eine Messestadt aber braucht Platz für seine Messegäste. Logisch, dass die neuen Hotels alle rund um den Hauptbahnhof entstanden. Das „Astoria“ auf dessen Westseite – einfach über die Straße, einloggen, Zimmerchen beziehen.

    Über die kleinen Zimmer staunt Roland Wolff von wolff architekten Berlin noch immer.

    Aber mehr verlangten Geschäftsreisende 1915 nicht, als das Hotel quasi parallel mit dem neuen Hauptbahnhof eröffnet wurde.

    Das Hotel „Astoria“ wurde 1913 bis 1915 gebaut. William Lossow und Max Hans Kühne, in deren Büro die Entwürfe entstanden, gehörten vor dem Ersten Weltkrieg zu den renommiertesten Dresdner Architekten. Sie entwarfen unter anderem das Kunstgewerbemuseum und das Schauspielhaus in Dresden sowie den Leipziger Hauptbahnhof.

    Das Hotel „Astoria“ zählt zu einer Gruppe von Hotelbauten um den Hauptbahnhof (Stadt Rom, Continental u. a.), die nach dem Übergang von der Warenmesse zur Mustermesse ab 1896 zur Unterbringung der zahlreichen Vertreter und Handlungsreisenden entstanden. Ursprünglich hatte es etwa 200 kleine Zimmer und nur wenige große Appartements. Der Haupteingang lag an der heutigen Kurt-Schumacher-Straße, damals hieß diese noch Blücherstraße. Aber hier hatte das Hotel nicht seine Adresse. Die lautete: Blücherplatz 2. Das war um die Ecke.

    Das unregelmäßige Grundstück erstreckte sich bis zur Gerberstraße, später jedenfalls. Nach dem Krieg. Denn da, wo 1954 bis 1957 der neue Hotelflügel entstand, befand sich 1915 noch ein Geschäftshaus: Blücherplatz 1. Im Erdgeschoss gab es eine Kolonialwarenhandlung und einen Fahrradladen.

    Zwischen den beiden Hotelflügeln an den Straßen befanden sich weitere Zimmer in einem schmalen Verbindungsbau über dem Hotelrestaurant. Die Sandsteinfassade war unter dem Einfluss der Reformbewegung sparsam dekoriert, der hauptsächliche Schmuck bestand aus 25 überlebensgroßen Reliefs mit allegorischen Figuren zwischen den Fenstern im ersten Stock.

    So sah das "Astoria" nach seiner Erbauung 1915 aus. Foto: Ralf Julke
    So sah das „Astoria“ nach seiner Erbauung 1915 aus. Foto: Ralf Julke

    In der Blücherstraße grenzte das „Astoria“ übrigens direkt an das von W. Vogel betriebene Hotel „Sedan“ (Blücherstraße 1). Wenige Schritte weiter folgten das Hotel „Monopol“ in der Nr. 5 und das Hotel „Terminus“ in der Nr. 7. Bahnhofsnähe brachte Gäste. Bis zu den Bombenzerstörungen im 2. Weltkrieg, die vor allem die Nachbargebäude des „Astoria“ trafen.

    Wobei sich die Nachrichten widersprechen. Andere sprechen von Kriegszerstörungen auch am „Astoria“ und einem provisorischen Betrieb bis 1949. Da sah es noch so aus wie zur Erbauungszeit. Das änderte sich ab 1954, als an Stelle des zerstörten Nachbargebäudes Richtung Gerberstraße der neue Flügel im Stil der damaligen Moderne erbaut wurde.

    Mit deutlich größeren Zimmern, einem eindrucksvollen Foyer und einem beeindruckenden Treppenhaus. Dabei wurde der Altbau ebenfalls angepasst und nüchterner gestaltet. So nüchtern, dass heute kaum noch jemand die beiden Bauteile auseinanderhalten kann. Der Fachmann schon. Wolff staunte immer wieder, wie viel noch vom Altbau von 1913 erhalten war. Die Skulpturen freilich waren 1954/1957 demontiert worden.

    „Wir haben lange überlegt, ob wir sie als Replik wieder hinstellen“, sagte er am Freitag, 4. Mai, als die Pläne für die Wiederherstellung des Hotels bekanntgegeben wurden. Man entschied sich dagegen. Dafür werden die Dachgauben wieder hergestellt, die Balustrade im vierten Stock und die einst dort angebrachten Sandsteinvasen, sodass die Anmutung des alten Hotel „Astoria“ von 1913 wieder zu sehen ist.

    Als das Haus in den Jahren 1954 bis 1957 mit dem stilistisch angepassten Erweiterungsbau ergänzt wurde, wurde auch der Haupteingang verlegt. Diesmal zum Platz der Republik, wie der einstige Blücherplatz nun hieß. Heute heißt er Willy-Brandt-Platz. An ihren Platznamen sollt ihr sie erkennen.

    Die Fassaden des Altbaus wurden überarbeitet, die Schmuckreliefs beseitigt. Nach der Erweiterung zählte das Hotel 444 Betten und genoss in der DDR einen besonderen Ruf als Messe-Interhotel. Wichtige Banketts fanden hier statt. Aber die Stasi hörte auch eifrig mit: Die dicken Leitungsbündel der Abhöranlagen findet man heute noch im Haus. Der Ministerrat der DDR brachte hier seine Gäste unter. Zuletzt wurde das Haus sogar noch einmal saniert, bevor es 1992 an die Maritim-Gruppe verkauft wurde, die es noch bis zum 31. Dezember 1996 betrieb.

    Und seither wanderte der Bau durch die Portfolios diverser Investment-Gruppen, von denen einige auch zwischendurch Ideen hegten, das Hotel wieder in Betrieb zu nehmen, davon aber immer wieder Abstand nahmen. Bis die Ideen von Roland Wolff beim letzten Käufer, der „Intown“ Property Management GmbH auf offene Ohren stießen.

    Bis 2020 soll das Hotel „Astoria“ wieder fit gemacht werden für die Zukunft

     

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