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Stippvisite auf dem „Renftplatz“ am Anker

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    Am 1. Juni setzte sich Sozialbürgermeister Thomas Fabian ins Auto und fuhr nach Möckern. Da hat er den für 750.000 Euro völlig umgestalteten Renftplatz zur öffentlichen Nutzung übergeben. Wie lange hat uns das Thema eigentlich begleitet? Fünf Jahre. 2013 erfand die Leipziger Stadtveraltung die hübsche Perlenschnur entlang der Georg-Schumann-Straße. Und die Renftstraße vorm Anker war natürlich als Perle geplant.

    Oder wie es die Verwaltung am 1. Juni ausdrückte: „Die ‚Perlenschnur‘ entlang der Georg-Schumann-Straße hat eine weitere Perle dazubekommen. Heute (1. Juni) übergaben der Bürgermeister für Jugend, Schule, Soziales und Gesundheit Thomas Fabian und die amtierende Amtsleiterin des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung, Heike Will, den neu gestalteten sogenannten Renftplatz – den Bereich vor dem soziokulturellen Zentrum Anker und dem Werner-Heisenberg-Gymnasium in Möckern.“

    Entstanden ist jetzt ein Ort, der eigentlich kein Platz ist, sondern eine 4.000 Quadratmeter große Freizeitanlage gerade für Jugendliche. Das passt zum Anker. Und wer die Mauerbeschriftung liest, weiß auch, dass es auch zu Klaus Renft passt, nach dem der Platz benannt ist.

    „Die Nutzung des öffentlichen Raums gehört zum städtischen Leben. Dies ist ein schönes Beispiel, wie in einer sich verdichtenden Stadt durch Doppelnutzung eine Fläche vielfältig genutzt werden kann“, ließ sich Thomas Fabian zitieren. „Entstanden ist ein wirkliches Schmuckstück, das als vergrößerter Stadtteil-Treffpunkt allen Altersgruppen offensteht. Dennoch wurde bei der Platzkonzeption mit zahlreichen Sport- und Spielmöglichkeiten vor allem an Kinder und Jugendliche gedacht. Deshalb freue ich mich, dass die Übergabe gerade heute, am Internationalen Kindertag, stattfindet.“

    Kletterfelsen und Fußballfeld auf dem Renftplatz. Foto: Ralf Julke
    Kletterfelsen und Fußballfeld auf dem Renftplatz. Foto: Ralf Julke

    Und Heike Will ergänzte aus Sicht der Leipziger Stadterneuerung, denn hier war das Projekt ja angesiedelt: „Die Magistrale erhält mit dem neuen Platz einen weiteren belebenden Akzent, der dazu beitragen wird, dass die ‚Schumi‘ nicht nur als Verkehrstrasse, sondern als Teil eines lebendigen Stadtorganismus wahrgenommen wird.“

    Das rund 4.000 m² große Areal diente vor der Umgestaltung teilweise dem Werner-Heisenberg-Gymnasium als Pausenfläche. Die Neugestaltung wurde 2017 vom Stadtrat aufgrund eines von der Verwaltung in Abstimmung mit den Akteuren vor Ort erarbeiteten Vorschlags beschlossen. Nach einem Gestaltungskonzept von Bert Hafermalz (KARO* architekten) entstand in knapp einjähriger Bauzeit eine „Bewegungsfläche“ für Kinder und Jugendliche mit Fußballfeld, Streetballanlage, Kletterfelsen, zwei Tischtennisplatten und Sitzgelegenheiten. Eine neue Beleuchtung ist installiert worden, Papierkörbe und Fahrradbügel wurden aufgestellt. Für direkten Zugang über die Böschung sorgen jetzt zwei Treppen. Die Ampelanlage hat ein Blindenleitsystem bekommen.

    Der „Renftplatz“ setze, so betont die Verwaltung, die aus neu gestalteten bzw. aufgewerteten Platzräumen bestehende „Perlenschnur“ fort, die als Kernansatz zur Revitalisierung der Georg-Schumann-Straße konzipiert worden ist. Diese Idee war von der Verwaltung gemeinsam mit lokalen Akteuren, Bürgervereinen und Stadträten entwickelt und aus den Bund-Länder-Programmen Aktive Stadt- und Ortsteilzentren (SOP) sowie Stadtumbau Ost (SUO) gefördert worden. Als erste „Perle“ wurde 2013 der sogenannte Huygensplatz (Kreuzungsbereich von Huygens- und Seelenbinderstraße) übergeben. 2014 folgte der „Möckernsche Markt“. Der „Renftplatz“ ist nun die dritte.

    Halfpipe auf dem Renftplatz. Foto: Ralf Julke
    Halfpipe auf dem Renftplatz. Foto: Ralf Julke

    Eigentlich sollte er schon eher fertig werden. Doch die von November 2014 bis Mai 2017 laufenden Instandhaltungsarbeiten an der Gebäudehülle des Werner-Heisenberg-Gymnasiums und die Arbeiten am benachbarten Anker-Saal verzögerten den Beginn der Umgestaltung. Diese konnte dann am 3. Juli 2017 starten. Die Kosten betragen 750.000 Euro. Der Fördermittelanteil aus dem Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren – Georg-Schumann-Straße“ beläuft sich auf 441.600 Euro. Der Eigenanteil der Stadt Leipzig beträgt 308.400 Euro.

    Der sonntägliche Besuch zeigt: Es ist wirklich schön geworden. Das Volleyballfeld leuchtet knallgelb in der Morgensonne, das abgegitterte Fußballfeld und die Tischtennisplatte müssen schon emsig genutzt werden, auch wenn es nur etliche Abfallhinterlassenschaften sind, die am Morgen noch vom abendlichen Treiben berichten.

    Und an der kleinen Mauer direkt vorm Anker-Saal frappiert ein Spruch: „Irgendwann werd’ ich mal etwas ganz Großes tun.“

    Renft-Liedzeile: Irgendwann werd' ich mal etwas ganz Großes tun. Foto: Ralf Julke
    Renft-Liedzeile: Irgendwann werd’ ich mal etwas ganz Großes tun. Foto: Ralf Julke

    Er stammt direkt aus einem Lied von Klaus Renft (1942-2006), „Irgendwann werd’ ich mal“, das von einem Jungen erzählt, der zu nichts richtig Lust hat und am Nachmittag in die Luft träumt, irgendwann einmal etwas ganz Großes zu tun und damit alle zu beeindrucken: „Und Vater und Mutter bleiben ehrfürchtig stehn, / und alle Mädchen wollen gleich mit ihm gehn“.

    Wovon Jungen nun mal träumen. Nur packen die einen es irgendwann an und bereiten sich auf etwas Großes mit all ihrem Elan vor – eine Reise in den Kosmos, eine Karriere als Stararchitekt oder Fußballer, eine politische Karriere oder das Schreiben spannender Romane. Es liegt ja bei jedem selbst, was er für sich als groß empfindet. Mancher findet, dass die Rettung der Wale etwas Großes ist, andere möchten superschnelle Züge konstruieren oder Bilder malen, die das Publikum faszinieren. Mancher sieht auch nur in der Renovierung eines alten Bauernhofes ein wirklich erreichbares Ziel oder in der Arbeit als guter Herzspezialist.

    Es tut also ganz gut, wenn man seine großen Träume konkretisiert und anfängt, an ihnen zu arbeiten.

    Aber eine Warnung steckt natürlich auch in dem Lied. Denn der Junge geht noch nicht los. Aber genau darum geht es ja bei Klaus Renft: Man muss es sich erst einmal sagen. Und der Junge sagt es zu sich: „Irgendwann wird’ ich mal etwas ganz Großes tun.“ Man muss sich selber Mut machen. Und träumen darf man auch.

    Und Klaus Renft hat es auf seine Art ja auch geschafft: Seine Band wurde zur Legende, auch und gerade, weil sie solche Songs eingespielt hat. Und der Anker hat einige der schönsten Renft-Konzerte erlebt.

    Nur der alte Konzertsaal ist noch nicht wieder zugänglich. Eigentlich sollte er im Februar fertig sein, dann wurden die ersten Konzerte für Juni angekündigt. Zeit wird’s. Auch für die Jungs, die nicht mehr in der Halfpipe toben oder im Kicker-Käfig ihre Künste üben.

    Die Renftstraße soll endlich zum Renftplatz umgebaut werden

     

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