Welchen historischen Waldzustand in der Aue hätten wir denn gern?

Für alle LeserSeit zwei Wochen tobt – per E-Mail ausgetragen oder auch gleich per Kommentar unter den entsprechenden Beiträgen der L-IZ – ein heftiger Streit zwischen den Befürwortern des aktuellen Umgangs mit dem Leipziger Auenwald und dem NuKLA e.V. Ausgelöst durch den Brief des NuKLA an die Ratsfraktionen, dem Forstwirtschaftsplan bitte nicht zuzustimmen, verstärkt durch den Offenen Brief der elf Wissenschaftler, die zum Großteil in das Projekt „Lebendige Luppe“ eingebunden sind.

Den Streit in dieser Form auch mit allen E-Mails zu veröffentlichen – wie es teilweise einige der Streitparteien wollen – halte ich nicht für sinnvoll. Man stellt damit keine sinnvolle öffentliche Debatte her, wenn man es nicht einmal in den E-Mails schafft, die persönliche Ebene zu verlassen. Andererseits bestätigt die streitbare Auseinandersetzung auch wieder, dass es gar nicht um das eigentliche Thema geht. Nicht um den Auenwald und die Frage, wie man richtig damit umgehen soll.

Eine Diskussion, die eben nicht abgeschlossen ist, auch wenn sich die Verantwortlichen in der Stadt genau so benehmen. Und auch die Stadträte so diskutiert haben, als sie am 24. Oktober den zum ersten Mal zum Beschluss vorgelegten Forstwirtschaftsplan einhellig beschlossen. Der Tenor dabei: Die Strategie haben wir in den 1990er Jahren so beschlossen – also bleiben wir dabei.

Worauf sich auch die elf Wissenschaftler in ihrem Offenen Brief beziehen.

Und gerade weil sie es tun, wird auch deutlicher, wo der eigentliche Diskussionsbedarf liegt.

These und Gegenthese

Im Grunde steckt es schon in der vom NuKLA vorgebrachten These aus dem Brief an die Fraktionen, die auch der Offene Brief der Wissenschaftler aufgreift:

„Aus diesen Gründen macht es für uns keinen Sinn, eine Baumartenzusammensetzung aus einer Zeit zu wählen, die bereits derart menschlich beeinflusst war, dass sie nicht als natürlicher Zustand des Auwaldes bezeichnet werden kann.“

Im Offenen Brief der Wissenschaftler wird darauf so argumentiert:

„Hier wird implizit kritisiert, dass im Auwald der Anteil der Eichen zuungunsten der Esche gefördert werden soll. Die besondere Habitatfunktion der Eiche als Charakterbaumart der Hartholzaue wird infrage gestellt.

Es existieren für den Leipziger Auwald etliche Studien, die belegen, dass die Eiche eine sehr hohe und spezifische Artenvielfalt für ein weites Spektrum von Artengruppen besitzt (Pilze: Unterseher et al. 2008, Spinnen: Stenchly 2007, Wanzen: Arndt et al. 2007, holzfressende Käfer: Schmidt et al. 2007).

Dies ist generell für Mitteleuropa bekannt, konnte aber für den Leipziger Auwald in besonderer Weise bestätigt werden – vor allem dank der Verfügbarkeit des Auwaldkrans, aber auch basierend auf Untersuchungen mit der sogenannten Fogging-Methode, mit der die Insektenfauna von Baumkronen quantitativ erfasst werden kann (Floren & Sprick 2007).

Auch die für den Auwald spezifische Vielfalt von Rote-Liste-Arten ist auf der Eiche sehr hoch. Die Förderung der Eiche erscheint demnach naturschutzfachlich sinnvoll. Natürlich besitzen auch andere Baumarten (Esche, Linde, Hainbuche, Wildapfel, Ulmen, Schwarzpappeln etc.) eine an sie angepasste eigene Gemeinschaft an Organismen. Bei manchen Artengruppen ist die Vielfalt auf diesen Baumarten auch höher als auf der Eiche.

Jüngste Untersuchungen am Auwaldkran zeigen, dass auf Eschen z. B. mehr Moos- und Flechtenarten vorkommen als auf der Eiche (Ludwig 2018, Patzak 2017, Weis 2017). Deshalb ist es sinnvoll, in der Waldmatrix eine Vielfalt von Baumarten zu bewahren. Dies wird im Forstwirtschaftsplan so auch angestrebt und es gibt aktuell etliche Projekte zur Förderung von wertvollen Begleitarten (Erhöhung des Ulmenanteils durch Einbringen gegen das Ulmensterben resistenter Flatterulmen; Wildapfelpflanzungen in Sturmlöchern etc.).

Aktuelle Forschungen im Rahmen des Projekts Lebendige Luppe, die gestützt sind auf Inventuren in den Dauerbeobachtungsflächen und auf Fernerkundung, zeigen, dass das Eschentriebsterben stark fortgeschritten ist (Frahm 2017, Burghard 2018). 2017 wiesen bereits 71 % der untersuchten Eschen starke bis mittlere Schadsymptome auf. Der Anteil der Individuen mit sehr geringen Schadsymptomen beträgt nur 5 %.

Die aktuelle Trockenheit hat unter den Eschen die Schadsymptome verstärkt und vielerorts zum Absterben von Individuen geführt. Es wird angesichts dieser dramatischen Entwicklungen ohnehin nicht möglich sein, den derzeitigen Eschenanteil von 39 % im Auwald zu bewahren. Nachpflanzungen sind nicht möglich, weil besonders Jungeschen vom Eschentriebsterben befallen werden. Resistente lokale Linien sind noch nicht bekannt. Die Fernerkundung könnte aber dabei helfen, solche sowohl zu identifizieren, als auch den Schadverlauf räumlich explizit zu quantifizieren.

Die Frage der historischen Referenz und ihrer Natürlichkeit („natürlicher Ausgangszustand“) ist ungeklärt (Lechner 2011), da der Mensch seit der letzten Eiszeit die Entwicklung des Leipziger Auwalds durch seine Besiedlung im Gebiet von Anfang beeinflusst und geprägt hat (Müller und Zäumer 1992, Böhme und Becker 1995). Die Eiche wurde historisch gefördert. Gleiches gilt aber auch für die Esche, die im 19. und 20. Jahrhundert vielerorts angepflanzt wurde.

Selbst wenn ein ‚natürlicher Zustand‘ bekannt wäre, könnte man ihn aufgrund von Eschen- und Ulmensterben nicht wiederherstellen. Die Wiederbelebung der historischen Mittelwaldbewirtschaftung in der Burgaue hat dagegen großes Potenzial, die über Jahrhunderte entstandene spezifische Artendiversität des Leipziger Auwalds zu erhalten und zu fördern.

Die komplexen Strukturen, die durch die Mittelwaldwirtschaft entstehen, wirken nicht nur positiv auf die Artenvielfalt der krautigen Pflanzen (Strubelt et al. 2019, Vild et al. 2013), spannen weite ökologische Gradienten auf und schaffen dafür die Möglichkeit der Koexistenz vieler Arten auf engem Raum. Es entstehen vor allem warme belichtete Kronenbereiche mit einem hohen Anteil an Totholz, das besonders für seltene holzbewohnende Käferarten wichtig ist (Vodka et al. 2009). Es müssten aber in den nächsten Jahren erneut Erfassungen durchgeführt werden, um die längerfristigen Besiedlungseffekte zu quantifizieren.

Die Forderung der Autoren, die auenuntypischen Ahornarten über Durchforstungsmaßnahmen zurückzudrängen, ist bereits geübte Praxis und vor allem in der Mittelwaldfläche durch die regelmäßige (alle 24 Jahre) Umtriebsphase sehr gut möglich.“

(Die Fettmachungen stammen alle von mir).

***

Das ist eine sehr ausführliche Argumentation.

Der Kern steckt in diesen Sätzen: „Selbst wenn ein ‚natürlicher Zustand‘ bekannt wäre, könnte man ihn aufgrund von Eschen- und Ulmensterben nicht wiederherstellen. Die Wiederbelebung der historischen Mittelwaldbewirtschaftung in der Burgaue hat dagegen großes Potenzial, die über Jahrhunderte entstandene spezifische Artendiversität des Leipziger Auwalds zu erhalten und zu fördern.“

Die menschliche Vorgeschichte des Auenwaldes

Dazu muss man wissen: Der Auenwald ist historisch tatsächlich Ergebnis menschlichen Einflusses. Die dicken, fruchtbaren Lehmböden entstanden im Wesentlichen im Hochmittelalter, als große Teile des heutigen Sachsens entwaldet wurden und fruchtbare Erde in die Flüsse gespült wurde, die sich dann in den breiten Auen der Weißen Elster ablagerte. Dort bildete sie die Basis für eine besondere, unverwechselbare Artenvielfalt der typischen Auenwälder.

Selbst noch Überlieferungen der Neuzeit erzählen von diesem Artenreichtum, der sich auch auf alle Flusslebewesen von den Fischen bis zu den Krebsen und Muscheln erstreckte. Das berühmte Leipziger Allerlei ist ohne das nicht denkbar.

Überschwemmung an der Neuen Luppe. Foto: Ralf Julke

Überschwemmung an der Neuen Luppe. Foto: Ralf Julke

Nur führte die massive Verschmutzung der Flüsse ab dem späten 19. Jahrhundert dazu, dass sich die Flüsse in Kloaken verwandelten und der Artenreichtum im und an den Flüssen verschwand. Noch heute kommen die Leipziger Gewässer über die Güteklasse 4 nicht hinaus. Und das liegt auch daran, dass die Flüsse ihre einstige Selbstreinigungskraft verloren haben. Das wieder hat mit der rigiden Kanalisierung und Verdeichung ab dem frühen 20. Jahrhundert zu tun, was auch dem Auenwald die einst regelmäßigen Überschwemmungen genommen hat.

Womit wir beim zweiten Punkt sind: Nicht nur die deftigen Böden gaben dem Auenwald seine spezifische Artenvielfalt, sondern auch der Wasserreichtum mit verästelten Flusssystemen und regelmäßigen Überschwemmungen – nicht nur den sensationellen Hochwassern, wie wir sie 2011 und 2013 zuletzt erlebten, sondern bei jedem kleinen Hochwasser. Die Artenzusammensetzung im Auenwald bestand vorwiegend aus Gewächsen, die diese regelmäßigen Hochwasser brauchen und tolerierten.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts aber veränderte sich der Auenwald. Mit der wachsenden Stadt verlor das Brennholz, das die Leipziger einst aus dem Wald holten, genauso an Bedeutung wie die einstige Tierhaltung im Auenwald.

Und da sind wir beim Thema Mittelwaldbewirtschaftung. Denn der Auenwald war bis ins 19. Jahrhundert auf mehrfache Weise ein Wirtschaftswald. Er lieferte Bauholz, Brennholz und Futter für die Tiere. Und Eichen wurden auch deshalb bevorzugt, weil sie Futter für die Schweine abwarfen. Die Nutzung war streng geregelt. Und wenn nicht gerade Kriege dazu führten, dass großflächig abgeholzt wurde, dann war das ein System, das sich einfach durch die regelmäßige Nutzung durch die Leipziger stabilisierte.

Das ist also die Form des Auenwaldes, die sich historisch nachweisen lässt.

Wo bleibt denn nun die Wiedervernässung des Auenwaldes?

Die Krux daran sind mehrere Punkte. Einer ist der fehlende Wasserreichtum, der sich nur dann wieder herstellen lässt, wenn große Teile der Aue wieder geöffnet werden. Wo sich scheinbar alle Beteiligten einig sind. Und das erstaunlicherweise seit den 1990er Jahren.

Das ist der Punkt, der den NuKLA e.V. regelrecht auf die Palme bringt: Warum kämpft dann die Stadt Leipzig nicht darum, dass genau das passiert? Warum zögert die Verwaltung, genehmigt gar hektargroße Abholzungen, damit die alten Deiche – wie 2011 – wieder verstärkt werden? Das machte damals keinen Sinn.

Und es macht das Projekt „Lebendige Luppe“ zu einem Hoffnungsprojekt. Obwohl alle Beteiligten wissen, dass es nur ein kleiner Anfang ist. Denn die Probleme gehen ja bei der Kanalisierung von Nahle und Neuer Luppe weiter. Beide Flüsse haben sich so tief ins Land gefräßt, dass sie dem angrenzenden Auenwald auch noch großflächig Grundwasser entziehen.

In beiden Flüssen müssten die Sohlschwellen eigentlich deutlich angehoben werden. Unter anderem.

Aber auch die Mittelwaldbewirtschaftung sieht der NuKLA kritisch. Denn die einstige Bewirtschaftung durch die Leipziger gibt es ja nicht mehr. Sie treiben weder mehr ihre Ziegen und Schweine in den Wald, noch holen sie dort ihr Brennholz. Man kann die Formen der alten Mittelwaldbewirtschaftung also nur künstlich nachahmen und mit hohem technischem Aufwand wieder herstellen.

Was eben in dem Satz steckt: „Die Wiederbelebung der historischen Mittelwaldbewirtschaftung in der Burgaue hat dagegen großes Potenzial, die über Jahrhunderte entstandene spezifische Artendiversität des Leipziger Auwalds zu erhalten und zu fördern.“

Man möchte also mit hohem Aufwand eine Artenvielfalt künstlich erhalten, die nur durch permanente menschliche Eingriffe in dieser Form zu erhalten ist. Wobei ja das Eschentriebsterben zeigt, dass das schon jetzt nicht mehr geht. Soweit die aktuellen Untersuchungen zeigen, sind sämtliche Eschen im Auenwald vom Absterben bedroht. Noch hat man keine wirklich resistenten Eschen im Leipziger Auenwald entdeckt. Die Ulme hat es ja schon vor Jahren erwischt.

Egal, wie man es betrachtet: Die Mittelwaldbewirtschaftung bleibt ein Versuch, die mittelalterliche Artenzusammensetzung künstlich zu bewahren oder wiederherzustellen.

Was aber passiert, wenn man immer größere Teile des Auenwaldes sich selbst überlässt? Wenn man dem Wald also zutraut, sein eigenes natürliches Gleichgewicht zu finden? Vorausgesetzt, die natürlichen Überschwemmungen kommen wieder in größere Bereiche?

Ich lasse die Frage einfach stehen. Denn bislang wurden nur sehr kleine Flächen im Auenwald dieser natürlichen Entwicklung überlassen. Der größere Teil soll als Mittelwald bewirtschaftet werden. Das ist die Grundlage des beschlossenen Forstwirtschaftsplans – und wohl auch aller folgenden. Das ist der Zug, der fährt.

Was aber würde aus dem Auenwald, wenn man ihn wirklich wieder ans Wassernetz anschließt und dann ungestört ließe? Es würde ein etwas anderer Wald werden. Einer, mit einer anderen Organismenvielfalt als im bewirtschafteten Mittelwald. Durchaus ein Streitpunkt ist, welche Zusammensetzung der Arten man möchte – die, die sich bei einer ungestörten Entwicklung als natürliches Gleichgewicht einstellt, oder die, die nur mit beständiger Bewirtschaftung da ist.

Darum geht es eigentlich.

Und was aus der Diskussion eben herauszuhören ist, ist auch ein großes Misstrauen in eine mögliche ungestörte Entwicklung des Auenwaldes. Und damit eine veränderte Artenvielfalt. Aber eben auch ein Wald, der sich eigenständig auch auf veränderte Klimabedingungen einstellt. Dem wir also zutrauen, dass er sich als Organismus selbst organisiert und reguliert, ohne fortwährende menschliche Nachhilfe.

Ich lasse das als offene Frage genau so stehen, weil genau das die offene Frage ist. Sogar dann, wenn man irgendwann einmal darüber diskutiert, welche Teile des Auenwaldes wieder fürs Wasser geöffnet werden und welche Teile man dauerhaft aus der Bewirtschaftung entlässt. Das steht nämlich alles noch auf dem ungeklärten Stand der 1990er Jahre, als die Beschlüsse zu all dem gefallen sind.

Der Offene Brief an den OBM.

Der Stadtrat tagt: Forstwirtschaftsplan fast einstimmig beschlossen + Video

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