Auf der Westseite des Peterssteinweges wird gebaut. Die St. Trinitatis-Kirche war ja nur der Anfang für die Wiederbebauung des Geländes, das bis zu den Bomben des 2. Weltkrieges genauso dicht bebaut war wie das Markthallenviertel auf der Ostseite des Wilhelm-Leuschner-Platzes. Seit August ist dort die nächste Großbaustelle zu sehen und der Stadtbezirksbeirat Leipzig-Mitte beantragt jetzt ein architektonisches Leitbild auch für dieses Quartier.

Am 23. August haben das St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig und der Leipziger Caritasverband den Grundstein für ihren Neubau an der Nonnenmühlgasse gelegt: In unmittelbarer Nachbarschaft der Leipziger Propstei gaben sie den Startschuss für einen Gebäudekomplex, der neben Wohnungen und Büros auch eine Kindertagesstätte beherbergen soll.

„Hinter uns liegt ein kompliziertes Genehmigungsverfahren, umso mehr freue ich mich, dass wir heute hier stehen und unser Projekt um diesen entscheidenden Schritt voranbringen“, sagte Bauherr Graf Adelmann, als er die Zeitkapsel im Fundament versenkte.

„Seit 2004 bemühen wir uns gemeinsam mit der Propstei, im Stadtzentrum einen Kitastandort zu entwickeln. Mithilfe des St. Elisabeth-Krankenhauses ist es uns nun gelungen, diese Pläne zu verwirklichen“, sagte Tobias Strieder, Geschäftsführer des Caritasverbandes Leipzig e. V..

Mittlerweile sieht man, wie auf dem Gelände zwischen Nonnenmühlgasse und der künftigen Ruth-Pfau-Straße ein sechsgeschossiges Mehrzweckgebäude errichtet wird. Es bietet Platz für Wohnungen, ein neues Beratungszentrum des Leipziger Caritasverbandes und eine Kita, die ebenfalls von der Caritas betrieben werden soll.

Seit November 2011 betreibt die Caritas die Kita „Elifant“ auf dem Gelände des St. Elisabeth-Krankenhauses in Leipzig-Connewitz. Die Kita an der Nonnenmühlgasse, die den Namen „St. Franziskus“ tragen wird, bietet auf zwei Etagen Platz für insgesamt 129 Kinder, davon sechs für Kinder mit Integrationsbedarf. Die Eröffnung der Kita ist für Frühjahr 2020 geplant. Anmeldungen hierfür werden bereits jetzt entgegengenommen.

Aber im Stadtbezirksbeirat geht nun die Sorge um, dass an der Kirche St. Trinitatis nun lauter hässliche Gebäude entstehen könnten.

„In der Diagonale zwischen der Propsteikirche St. Trinitatis und dem künftigen Neubau für das Leibnizinstitut für Länderkunde wird in absehbarer Zeit ein neues Innenstadtquartier entstehen. Insbesondere für die Ostseite, zwischen Ring, Windmühlen- und Markthallenstraße, wurde in einem langen Prozess zur Vorbereitung des Bebauungsplans Nr. 392 eine städtebauliche Masterplanung vom Stadtrat mit erarbeitet und beschlossen. Damit sind die Weichen gestellt zur Neubebauung und Entwicklung einer der größten Brachen im Innenstadtnahen Bereich und dies mit planerischen Vorgaben und Zielen wie im Masterplan formuliert“, schreibt der Stadtbezirksbeirat in seinem Antrag und zitiert aus dem Leitbild:

„Ziel der architektonischen Planung ist es, langlebige und nutzungsvariable Gebäude zu schaffen. (…) Ausbildung einer repräsentativen Platzkante, ablesbaren Sockelgeschoss mit einer Geschosshöhe von 4,50 m, die Gestaltung der EG-Nutzung abhängig von der Nutzung (Einzelhandel, Dienstleistung oder Gastronomie), hochwertige Fassadengestaltung – die Materialität und Farbigkeit der Gebäude soll sich am Kontext der Umgebung orientieren, um sich bestmöglich in das repräsentative Umfeld des Leipziger Innenstadtringes einzufügen. (…) Großzügige Eingangssituationen zu den öffentlichen Straßen, die Dachentwässerung und die Entwässerung von möglichen Loggien erfolgt innenliegend oder ist unauffällig in die Fassadengestaltung zu integrieren, erforderliche Technikaufbauten sind in die Gestaltung zu integrieren, etc.“

Das sollte, so stellt der Stadtbezirksbeirat fest, so eigentlich auch für die Ostseite gelten, also für das entstehende Quartier an der Nonnenmühlgasse: „Um für den Wilhelm-Leuschnerplatz im Zuge seiner baulichen Vervollkommnung wertige Architektur und nachhaltige städtebauliche Lösungen zu gewährleisten, sollen die im Masterplan beschlossenen Prämissen für die Ostseite auch für Westseite des Platzes gelten.“

Beschließen müsste das der Stadtrat, indem er den Vorschlag des Stadtbezirksbeirats Mitte übernimmt.

Der lautet: „Der Stadtrat beschließt die Übertragung der städtebaulichen und architektonischen Vorgaben für den Wilhelm-Leuschner-Platz Ostseite, wie formuliert im Masterplan VI-DS-03653, auf die Westseite des Wilhelm-Leuschnerplatzes, zwischen Propsteikirche und Polizeipräsidium, Geltungsbereich B-Plan Nr. 16.1 ‚City Süd, Nonnenmühlgasse‘. – Die Verwaltung soll diese Leitlinien mit geeigneten Mitteln bei der künftigen Bebauung vorgeben können, um eine gleichmäßig anspruchsvolle Architektur an der Ost- wie auch Westseite des Wilhelm-Leuschner-Platzes zu gewährleisten.“

Die neue Leipziger Zeitung Nr. 63: Protest, Vertrauen und eine gute Frage

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