Der Leipziger Brühl könnte mit einigem Aufwand auch ein paar Bäume bekommen

Für alle LeserDie Neugestaltung des Brühl zwischen Richard-Wagner-Platz und Reichsstraße ist noch gar nicht so alt, keine sieben Jahre. Aber dass die Straße mit ihrer Sperrung für den Kfz-Verkehr eigentlich auch ein bisschen Aufenthaltsqualität hätte bekommen müssen, war den Leipziger Straßenplanern augenscheinlich nicht präsent. Im Mai thematisierte die CDU-Fraktion die Sache mit einem Antrag im Stadtrat.

„Für eine lebendige Innenstadt ist zu prüfen, wie die Qualität des öffentlichen Raumes des Brühls, insbesondere zwischen Katharinenstraße und Hainstraße, zu verbessern ist. Dabei sind vor allem die Einordnung von Sitzgelegenheiten, Brunnen sowie Baumgruppen für eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität und des Mikroklimas in Betracht zu ziehen“, schreibt die CDU-Fraktion darin und konnte es augenscheinlich auch gut begründen:

„Der Brühl hat an dieser Stelle immer noch nicht den Charakter einer Baustraße verloren. Dementsprechend sind die Angebote der anliegenden Geschäfte, sowohl südlich als auch nördlich des Brühls, nur selten auf den Brühl ausgerichtet. Außerdem braucht es in der Innenstadt noch mehr Grün und Brunnen, um in der Sommerzeit das Aufheizen zu minimieren und die Aufenthaltsqualität auch für die zu verbessern, die nicht nur zum Konsumieren in der Stadt sind.

Auch gibt es immer wieder neue Diskussionen um die Wechselwirkung der Höfe am Brühl mit der Innenstadt selbst. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Öffnung von Erdgeschossgeschäften zum Brühl oder zur Richard-Wagner-Straße hin gelegt. Gemäß B-Plan ist dies ein wünschenswerter aber nur bedingt umsetzbarer Zustand.

Die im Ergebnis der Prüfung der Qualität des öffentlichen Raumes, mit Blick auf die obige Zielstellung, erarbeiteten zusätzlichen Gestaltungsmöglichkeiten wären dann ggf. auch unter finanzieller Beteiligung der Höfe am Brühl, oder auch der Unternehmen südlich des Brühls, umzusetzen, da durch die Verbesserung der Aufenthaltsqualität die Verweildauer im Brühl und damit die Chance, das Interesse an einem der Angebote zu wecken, erhöht wird. Und es ist dann zu erwarten, dass dadurch die Höfe am Brühl mehr zur Innenstadt hin geöffnet werden.“

Das Dezernat Stadtentwicklung und Bau hat dazu jetzt eine Stellungnahme geschrieben, betont freilich, dass es ein Alternativvorschlag ist. Aber im Grunde stimmt man dem Anliegen der CDU-Fraktion zu: „Langfristig wird angestrebt, die Aufenthaltsqualität im Brühl zwischen Am Hallischen Tor und Hainstraße, z. B. durch Straßenbäume etc., zu verbessern. Der Entwurfsverfasser aus dem Wettbewerbsverfahren Umfeld Höfe am Brühl ist entsprechend einzubeziehen.“

Bis zum 2. Quartal 2020, so schlägt man vor, könne man ein Konzept für die Verbesserung der Aufenthaltsqualität erstellen.

Dabei wird im Einzelnen auch betont, dass man die Vorschläge durchaus befürwortet – zum Beispiel das Pflanzen von Bäumen: „Es ist grundsätzlich möglich auf der nördlichen Fahrbahnseite des Brühls zwischen Am Hallischen Tor und Hainstraße Straßenbäume zu integrieren. Dafür müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

– im unmittelbaren Umfeld stehen Ersatzstandorte für zu versetzende Radbügel zur Verfügung,
– es wird eine geeignete Bauweise für den Eingriff in die Betonkonstruktion der Fahrbahn gefunden.“

Ein erstaunliches Problem tut sich ausgerechnet bei der Straßenbauweise auf. Denn irgendwann in vergangenen Jahren muss für Leipzigs Innenstadtstraßen beschlossen worden sein, dass sie mit einer besonders robusten Betonscheibe unterbaut werden müssen. Da wachsen logischerweise keine Bäume: „Sollte keine geeignete Bauweise für die Ausbildung von Baumscheiben gefunden werden, die in die vorhandene Konstruktion eingespannt werden können, wäre pro Baumstandort das gesamte 10 m lange Betonsegment auszubauen und neu herzustellen. Angesichts des enormen Aufwandes stellt sich die Frage der Verhältnismäßigkeit. Für das Erreichen der Klimaziele bzw. für den Erhalt einer lebenswerten Stadt ist es daher auch erforderlich, die bisher geltenden Anforderungen an die Belastbarkeit von Verkehrsflächen in der Innenstadt zu diskutieren, die zu derartig starren Bauweisen führen. Es ist zu erwarten, dass dafür ein längerer Prozess erforderlich ist. Da Baumpflanzungen eine nachhaltige Maßnahme zur Klimaverbesserung mit hoher Priorität sind, wird empfohlen, diesen Diskussionsprozess zur Belastbarkeit von Verkehrsflächen in der Innenstadt anzuschieben und die Betroffenen einzubinden. Als Interimslösung und Platzhalter wäre die Aufstellung von Baumkübeln in Kombination mit Sitzmöglichkeiten möglich. Für Investition und Unterhaltung stehen der Verwaltung keine finanziellen Ressourcen zur Verfügung. Hier ist das Gespräch mit den Höfen am Brühl geboten.“

Für Sitzbänke sei man ja sowieso, betont das Baudezernat: „Gemäß Sitzbankkonzept Innenstadt, das sich als Vorlage VI-DS-06722 aktuell im Verfahren befindet, wurden unter der Annahme, dass der Bestand unverändert bleibt, zwei zusätzliche Sitzbankstandorte ermittelt. Würde sich die Zielstellung für den Brühl ändern und die Einordnung von Bäumen erfolgen, müsste das Sitzbankkonzept in diesem Bereich folgendermaßen angepasst werden: Durch punktuelle Umorganisation von Radbügeln würden Flächen für Baumscheiben gewonnen. Um Platz zu sparen und nicht weitere Radbügel versetzen zu müssen, bietet sich die Kombination von Baumscheiben mit Sitzgelegenheiten an.“

Und wie ist es mit den von der CDU angeregten Brunnen?

„Die Aufwertung durch Brunnen im öffentlichen Raum wird nicht empfohlen, da im unmittelbaren Umfeld auf dem Richard-Wagner-Platz mehrere Brunnen vorhanden sind. Außerdem würde der Flächenbedarf zur Verschärfung der Konflikte zwischen den einzelnen Verkehrsarten führen. Alternativ wird die Prüfung von Trinkbrunnenstandorten empfohlen, sofern dies nicht zu großflächigen Eingriffen in die Fahrbahn führt.“

Man ahnt zumindest, warum die Bauplaner das nur als Alternativvorschlag bezeichnen. Augenscheinlich hat beim Neubau dieses Straßenabschnitts kein Mensch daran gedacht, hier auch ein bisschen ans Stadtklima zu denken.

Aber im Grunde ist die Stellungnahme eine Zustimmung zum Anliegen: „Der Bedarf nach mehr Aufenthaltsqualität ist vorhanden. Die Umsetzung baulicher Maßnahmen bedarf einer komplexeren Vorbereitung. Als Übergangslösung ist die Aufstellung von Baumkübeln durch die/den interessierte/n Anlieger vorstellbar.“

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