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Trailermoon will alles versuchen, die Fläche des Wagenplatzes zu kaufen

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    Dass die Verkaufsverhandlungen für das Grundstück der Deutschen Bahn an der Schulze-Delitzsch-Straße ins Stocken geraten sind, hat viele Gründe. Mitleidende in jedem Fall die Wagenleute von Trailermoon, die auf einem Teil der Fläche wohnen. Im Sommer tat sich für sie eine einmalige Chance auf: Die Bahn bot ihnen an, für die vom Wagenpark besetzte Fläche ein Kaufangebot abzugeben. Aber die Zeit wird knapp.

    Der Wagenplatz Trailermoon belebt seit 2014 die Brachfläche in Leipzig Volkmarsdorf zwischen Mariannenstraße und Schultze-Delitzsch-Straße. Nach jahrelangem Patt zwischen Bahn und Stadt über den Verkauf der Fläche mit oder ohne Wagenplätze, hat die Bahn den Wagenleuten überraschend Ende Juni erklärt, dass sie ihr Teilstück herausgelöst hat und öffentlich ausgeschrieben zum Kauf anbietet, aber auch an die Wagenplatzgruppe verkaufen würde.

    Aber das bedeutet eben auch: Trailermoon braucht Unterstützung für Direktkredite, denn die Kaufverhandlungen werden im Eiltempo durchgezogen und stellen die Gruppe vor einen extremen Zeitdruck.

    „Nachdem wir bereits für die Einreichung eines Kaufinteresses Anfang Juli nur wenige Tage Zeit hatten, kam nun bei einem Bietergespräch mit der DB Immobilien am 5. September heraus, dass wir innerhalb einer Woche ein Kaufangebot absenden müssen, wenn wir noch eine Chance haben wollen“, schildert Trailermoon die jüngste Entwicklung.

    „Da wir bis Donnerstag unmöglich den gebotenen Kaufpreis auf einem Konto nachweisen können, haben wir mit einem Vertreter der Bahn abgesprochen, dass wir stattdessen Absichtserklärungen für Direktkredite nachweisen werden. Ab sofort – und zunächst vor allem bis bis Donnerstag, den 12. September !!! – suchen wir nun Einzelpersonen, Hausprojekte, Genossenschaften, Firmen etc., die uns mit einer Absichtserklärung ein Nachrangdarlehen in Aussicht stellen.“

    Natürlich nimmt Trailermoon auch am Straßenfest vom 13. bis 15. September auf der Elisabethstraße teil. Man trifft die Wagenaktivisten am Samstag, 14. September, ab 15 Uhr an ihrem Stand zum Fest am künftigen Stadtteilpark Volkmarsdorf.

    ***

    Die Stellungnahme Trailermoon zum anstehenden Verkauf unserer Fläche

    Die Fläche des Wagenplatzes Trailermoon in Leipzig Volkmarsdorf wird von der DB Immobilien öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben – das bringt Schwung in die jahrelangen Gespräche um die Brache an der Schultze-Delitzsch-Straße – allerdings aus einer eher unerwarteten Richtung. Mit dieser Stellungnahme möchten wir als Platz darlegen, was unsere Position dazu ist und was das auch für den Leipziger Osten bedeutet.

    Schon seit vielen Jahren…

    Im Mai konnten wir als Wagenplatz auf eine inzwischen fünfjährige Besetzungsgeschichte zurückblicken. Von Anfang an standen wir in Kontakt mit der Deutschen Bahn, haben immer wieder unsere Position verteidigt, sind aber auch Kompromisse eingegangen. So ist Trailermoon – in Absprache mit der DB – bereits zweimal innerhalb der Fläche umgezogen, damit es mit der Entsiegelung und der Renaturierung der Brachfläche vorangehen konnte.

    Zusammen mit anderen Akteuren im Leipziger Osten gründeten wir 2016 „Ein Park im Osten“, ein Bündnis für einen selbstorganisierten Park, den alle Bewohner/-innen des Viertels mitgestalten und -verwalten können. Wir signalisierten von Anfang an Verhandlungsbereitschaft mit der Stadt und versuchten auf verschiedenen Ebenen, auf Gehör zu stoßen. Mitte 2017 wurde ein Stadtratsbeschluss verabschiedet, der die Stadtverwaltung nochmals klar zum Ankauf der Brachfläche durch die Stadt aufforderte – inklusive einer einvernehmlichen Lösung mit den Wagenplätzen (Trailermoon und Rhizomia).

    Im Herbst 2018 wurde uns vonseiten der Bahn dann ein Mediationsprozess angeboten, weshalb seit Beginn des Jahres mehrere sogenannte Mediationsgespräche mit einem Vertreter der DB stattfanden.

    Ganz plötzlich…

    Im Juni wurde uns bei einem Mediationsgespräch angekündigt, die DB würde jetzt mehrere Teilflächen aus der Gesamtfläche herauslösen und einzeln verkaufen – unter anderem die unsrige.

    Das wurde uns als bestmögliche Lösung dargestellt. An sich finden wir die Möglichkeit eines Kaufs auch nicht unbedingt eine schlechte Strategie, wenn Eigentum dann kollektiviert wird und damit Spekulation und Immobilienmarkt entzogen wird. Aber als uns klar wurde, dass dieser Plan schon seit mindestens April bestand und die Ausschreibung schon eine Woche später mit einer einwöchigen Deadline online stand, fühlten wir uns erst mal ziemlich überrumpelt; zumal in der Stadt (bis auf eine Unterabteilung des Liegenschaftsamtes) und bei den anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren niemand in Kenntnis gesetzt worden war.

    Vor dem Grundstücksverkehrsausschuss stellte nach unseren Informationen ein Vertreter des Liegenschaftsamts die Situation so dar, als seien die Mediationsgespräche gescheitert, und als würden – eines der typischen vereinfachenden Totschlag-Argumente – „die Wagenplätze“ jeglichen Flächenankauf durch Behinderung der Altlastensanierung verhindern.

    Die DB hingegen versuchte sich als soziales Unternehmen zu inszenieren und versuchte uns zu beruhigen, es werde ja nicht unbedingt an den Meistbietenden verkauft, sondern an den Bestbietenden. Da fragen wir uns aber schon: Wie weit geht denn diese Kritik der reinen Marktlogik? Aktuell beläuft sich der Bodenrichtwertpreis auf 50 €/qm. Laut der Ausschreibung ist die Gewerbefläche aber – sofern eine Baugenehmigung eingeholt wird – bebaubar.

    Wie wahrscheinlich ist es da, dass wir tatsächlich die Bestbietenden sein können, und nach welchen Kriterien wird das dann entschieden? In den städtischen Beschlüssen war von Herauslösungen und Einzelverkäufen nie eine Rede, wie kann es sein, dass nun Teilstücke aus der Gesamtfläche herausgelöst werden, anscheinend mit Absegnung des Liegenschaftsamtes – und dann so gut wie niemand in der Stadtverwaltung davon weiß? Ob das jetzt kalkulierte Strategie um uns loszuwerden oder Fehler einzelner waren, können wir auch nach Wochen von Nachforschungen nicht zweifelsfrei herausfinden, aber ganz klar ist: da hat jemand gewaltig was verbockt.

    Unsere Befürchtungen sind nicht unbegründet …

    Wo bleiben wir dann, wenn die Preise weit über den Bodenrichtwert hinausschnellen werden und wir als Wagenplatz, der auf kollektive Eigentumsstruktur setzt, da weder mithalten können noch wollen? Sicher ist: Wir bleiben unbequem. Denn wir sehen das nicht als isolierten Fall. Im Leipziger Osten herrscht seit Jahren ein wahrer Spekulationsboom, Grundstückspreise und Mieten schießen durch die Decke. Das hat zur Folge, dass sich viele Menschen nicht mehr leisten können, in Volkmarsdorf so zu wohnen, wie sie das möchten.

    Viele Nachbar/-innen und befreundete Projekte sind von Aufwertung und Verdrängung negativ betroffen, so z. B. das selbstverwaltete Ladenkollektiv in der Eisenbahnstraße 109. Und auch ein Nachbarhaus in der Mariannenstraße, ebenfalls mit kollektiv organisierter Nutzung, wurde in diesem Jahr nicht etwa an die Hausprojektgruppe, sondern an Investoren verkauft, weil eben nur letztere in der Lage waren, das inzwischen Zehnfache des Kaufwerts des Hauses vor gut zehn Jahren zu zahlen. Wir sehen es im Kiez: Die Bestbietenden sind eben schon die Meistbietenden.

    Auf der Fläche zwischen Mariannenstraße und Schultze-Delitzsch-Straße wünschen wir und viele andere uns einen selbst organisierten Park der Vielen, an dem alle Bewohner/-innen des Viertels mitwirken und dabei starke Verbindungen knüpfen können. Gemeinsam mit allen anderen Betroffenen stellen wir uns gegen Immobilienspekulation, Entmietung und Zwangsräumung und arbeiten daran, unsere Lebensgrundlagen lieber in kollektive Strukturen zu überführen, die uns allen dienen – weniger dem Profit. Wir zählen dabei auf Sie und euch! Damit wir nicht bald auf der Straße stehen, sondern dem guten Leben für alle näherkommen!

    Die Parks denen, die sie nutzen und die Plätze denen, die darauf wohnen!

    Mit Straßenfest und #EASTPARKFICTION wirbt Volkmarsdorf für einen Park der Vielen

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