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Der Sitzungssaal im Neuen Rathaus wird ein bisschen teurer und ein bisschen später fertig als geplant

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    Geplant war der Umbau des Sitzungssaals des Leipziger Stadtrates im Neuen Rathaus für rund 3,9 Millionen Euro, als im Juni die Umbauarbeiten begannen. Aber die Bauplaner stellten dann, als endlich alle Verkleidungen abgenommen waren, doch wieder fest, dass einige Bauteile nicht den alten Unterlagen entsprachen. Es musste also umgeplant werden und oft eine ganz andere, individuell zugeschnittene Lösung gefunden werden. Der neue Sitzungssaal wird also um 485.000 Euro teurer.

    Oder direkt aus der Vorlage des Dezernats Stadtentwicklung und Bau zitiert, die am 19. November in der Ratsversammlung abgestimmt werden soll: „Nach planmäßigem Baustart stellen sich nunmehr Mehrkosten von rund 485.000 Euro ein. Gründe für die Mehrkosten sind einerseits teils erheblichen Abweichungen innerhalb der Vergaben bzw. der allgemein angespannten Marktlage geschuldet. Andererseits wurden und werden im Rahmen der Abbrucharbeiten erhebliche Abweichungen an zahlreichen Bauteilen gegenüber der Planung festgestellt.

    Wesentlicher Grund hierfür ist, dass zahlreiche Bauteile im Vorfeld nicht in genügendem Maße für eine eingehende Bestandsprüfung geöffnet werden konnten, da sich sowohl der Sitzungssaal, wie auch die Lüftungszentrale in ständigem Gebrauch befanden. Entsprechend mussten auf Grundlage aller verfügbaren Bestandsinformationen (u. a. Archivpläne, ehemalige Berichte, Aussagen des technischen Personals usw.) Planungsannahmen für die Gewerkevergaben getroffen werden, welche sich nun, nach Bauteilöffnung nicht vollumfänglich bestätigen lassen. Im weiteren Bauverlauf müssen somit die beauftragten Leistungen stetig mit den tatsächlich notwendigen Leistungen abgeglichen werden.“

    Viele Planunterlagen sind schon Jahrzehnte alt. Oft genug wurde zwischendurch auch mal was repariert, ausgewechselt, umverlegt oder technisch auf neueren Stand gebracht.

    Und eine frühe Überraschung war ja die Verfüllung der Hohlräume über den Kreuzgewölben, wie sie auch unter dem Sitzungsaal verbaut wurden. Hier musste erst einmal komplett aus- und aufgeräumt werden, bis wieder neu verfüllt und ein neuer Estrich aufgetragen werden konnte. Der Estrich liegt jetzt schon zum größten Teil, auch wenn er im östlichen Teil des Saales noch 5 Zentimeter tiefer liegt. Denn hier steht jetzt ein raumfüllendes Gerüst, das seit einigen Wochen auch Arbeiten an der 9,8 Meter über dem Boden liegenden Decke ermöglicht. Dort hinauf durfte die Presse am Montag, 4. November, klettern, um einmal wieder einen Eindruck von den Arbeiten am Sitzungssaal zu bekommen.

    Mit Architekt Marc Thielmann im Sitzungsaal. Foto: Ralf Julke
    Mit Architekt Marc Thielmann im Sitzungsaal. Foto: Ralf Julke

    Derzeit erhält der Saal neue Haustechnik. Hierzu laufen vorbereitende Arbeiten, sowohl im Bereich der Zwischendecke des Saals, als auch in der Lüftungszentrale im Dachgeschoss. Über der Saaldecke gibt es nämlich – schon historisch – genug Platz, um hier die gesamte Lüftungstechnik unterzubringen. Dabei konzentrieren sich die Installationen derzeit auf Lüftungskanäle, Elektrotrassen sowie Rohrleitungen, in der Zwischendecke werden die für Wartungsarbeiten nötigen Laufstege ergänzt.

    „Die Baugerüste im Saal nutzen wir momentan auch, um etwa die Deckenbeschichtung zu erneuern und die denkmalgeschützten Lampen aufzuarbeiten“, so Architekt Marc Thielmann vom zuständigen Amt für Gebäudemanagement.

    Denn selbst die abgehängte Decke in ihrem 1960er-Jahre-Design ist denkmalgeschützt, kann also nur aufgearbeitet und ergänzt werden, aber nicht ersetzt. Und auch die alten Lampenfassungen bleiben erhalten, auch wenn jetzt die komplette Belichtungsanlage durch moderne und dimmbare LED-Leuchten ersetzt wird. Das ergibt schon eine deutliche Energieeinsparung, wenn es insgesamt rund 200 Strahler betrifft.

    Auf dem großen Gerüst direkt unter der Saaldecke. Foto: Ralf Julke
    Auf dem großen Gerüst direkt unter der Saaldecke. Foto: Ralf Julke

    Und erhalten bleibt ebenso die denkmalgeschützte Holzverkleidung der Besucherempore, auch wenn die Empore ein Stück weit umgebaut werden muss. Denn zuvor lagerten ihre Enden auf den stahlgestützten Holzverkleidungen, die den Sitzungssaal auf beiden Seiten einengten und dabei auch drei Fenster verblendeten. Da diese Verkleidungen entfernt wurden, brauchten die Emporen an ihren Enden eine neue Abstützkonstruktion.

    Künftig soll die Empore barrierefrei zugänglich sein. Die Klappstühle der Besuchertribüne, die noch aus dem Bestand stammen, erhalten für den Wiedereinbau neue Polster und Bezüge.

    Planmäßig konnten die Abbrucharbeiten im Saal und auf dem Dachboden abgeschlossen. Die Flügel der denkmalgeschützten, äußeren Holzfenster sind mittlerweile ausgebaut und werden derzeit vor Ort abgeschliffen, damit diese später neu verglast und lasiert wiedereingesetzt werden können. Auch hier greift der Denkmalschutz: Instandsetzen ja, ersetzen nein.

    Der notwendige Lärm- und Wärmeschutz der Fenster muss auf der Innenseite geschaffen werden. Die innenliegenden Fenster werden als Sonderkonstruktion nach dem Vorbild der Bestandsfenster von 1992 nachgebaut, um auch die Schall- und Wärmeschutzanforderungen erfüllen zu können.

    Über den Winter werden die Bauleute noch jede Menge zu tun haben. Bis zum Frühjahr, so hofft Marc Thielmann, sind alle Rohinstallationen für Lüftung, Heizung und Elektrik gelegt, das Gerüst ist zurückgebaut und der restliche Estrich aufgefüllt, sodass ab März auch der Hohlboden im Sitzungssaal verlegt werden kann, unter dem dann die ganze Elektrik für die einzelnen Sitzungsplätze verlegt werden kann.

    Dieser Hohlboden stellt dann im gesamten Saal erst einmal Barrierefreiheit her. Lediglich die Sitzreihen für die Fraktionen werden mit Podesten im hinteren Teil des Saal um bis zu 15 Zentimeter erhöht. Die alten Sessel freilich werden ja nicht wieder aufgemöbelt. Da haben sich die Ratsfraktionen durchgesetzt, die sich ein moderneres Mobiliar für die Sitzungen gewünscht hatten.

    "Abgeschnittene" Empore auf der Nordseite des Saales. Foto: Ralf Julke
    „Abgeschnittene“ Empore auf der Nordseite des Saales. Foto: Ralf Julke

    Mit den drei wieder geöffneten Fenstern wird der Saal deutlich heller. Und auch die Videoleinwand über dem Podest, wo OBM und Bürgermeister sitzen, wird deutlich größer, sodass sich auch die Sichtverhältnisse für die Gäste auf der Empore verbessern.

    Der Saal diente der Stadt vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als reich geschmückter Sitzungssaal. Die gestalterische und technische Ausstattung aus DDR-Zeiten soll laut Ratsbeschluss vom Juni 2018 in einen zeitgemäßen, jedoch dem Denkmal entsprechenden Duktus überführt werden. Dazu gehört neben neuer Technik für Klima und Strom etwa die Vergrößerung des Plenarbereichs auf 148 Plätze und eine barrierefreie Ebene auf der Besucherempore. Die historische Holzvertäfelung bleibt jedoch erhalten.

    Die Arbeiten haben im Juni 2019 begonnen und sollen voraussichtlich im August kommenden Jahres abgeschlossen sein, drei Monate später als zunächst vorgesehen. Mehrere öffentliche Vergaben hatten sich aufgrund der angespannten Marktsituation im Bausektor verzögert. Durch die Nutzung des Saales bis zum Baustart konnten wesentliche Bauteile nur unzureichend für eine Prüfung geöffnet werden, sodass die Planung baubegleitend angepasst werden muss. Die Modernisierung kostet rund 4,4 Millionen Euro.

    Umbau und Modernisierung des Sitzungssaales im Neuen Rathaus

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