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Die Brückenunterführung am Heuweg liegt künftig schon bei Normalwasser unterm Flussniveau

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    2018 hätte Leipzig noch reagieren können. Doch es waren Leipzigs Denkmalschützer, die sich querstellten und die Pläne der Deutschen Bahn, in der Elsteraue Stabbogenbrücken zu bauen und die Brücken deutlich höher zu legen, verhinderten. Sie wollten unbedingt die alten flachen Brücken „behalten“. Was nicht nur Folgen für künftige Hochwasser hat, sondern auch für die Rad-/ Fußwege, die unter den Brücken hindurchführen.

    Der nördliche Teil der Brücke wurde ja inzwischen schon neu gebaut. Und ein Vororttermin macht deutlich, welche schon jetzt sichtbaren Folgen das Agieren der Leipziger Stadtverwaltung direkt an der Unterführung vom Heuweg an der Weißen Elster hat.

    BUND und ADFC hatten schon über einen längeren Zeitraum darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Stadt mit den neuen Brücken im Heuweg die Entwicklung der Aue und die Verkehrswende für die nächsten 100 Jahre verbaut, wenn sie stur an ihrem Mantra festhält, dass es Balkenbrücken sein müssen und man die Gradiente nicht entsprechend anhebt bzw. deutlich längere Brücken baut. Die Anhebung der Gradiente ist allerdings nur bedingt möglich, da sie in Leutzsch und Möckern ins Bestandnetz passen muss.

    Aber der Einbau von Balkenbrücken hat Folgen. Denn diese verengen den Raum unter der Brücke um weitere 50 Zentimeter.

    So niedrig ist der Durchlass jetzt unter der Eisenbahnbrücke über die Weiße Elster. Foto: privat
    So niedrig ist der Durchlass jetzt unter der Eisenbahnbrücke über die Weiße Elster. Foto: privat

    Das Ergebnis: Der Weg unter der Elsterbrücke wird deutlich abgesenkt werden müssen, damit man dort noch drunter durchlaufen kann. Die Person auf dem Foto oben ist etwa 1,80 Meter groß. Bereits das aktuelle „Hochwasser“ der Weißen Elster würde den tiefergelegten Weg fluten – und zwar für Wochen.

    Die Deutsche Bahn hätte in der Elsteraue gern Stabbogenbrücken gebaut. Das wäre kostengünstiger gewesen und hätte zu einer wesentlich schnelleren Umsetzung geführt. Darüber hinaus hätten keine Pfeiler in der Aue gestanden und bei Hochwasser als Hindernis gewirkt. Auch die Anhebung der Gradiente wäre nicht in dem Maße notwendig geworden, wie das nun passiert.

    Denn auch die Bahn hat ja die möglichen Ausmaße künftiger Hochwasser mit berücksichtigt. Bei Balkenbrücken ist aber durch die zusätzliche Betonverstärkung deutlich weniger Spielraum unter der Brücke. Bei Stabbogenbrücken hätten die Brückenbögen diese Stabilisierungsfunktion übernommen.

    Und die Forderungen der Leipziger Denkmalschutzbehörde, dass man die Balkenbrücken wegen des „offenen Landschaftsbildes“ wieder errichtet und Stabbogenbrücken ungleichmäßig groß wären, führen nicht einmal zu einem auch nur ähnlichen Erscheinungsbild der Brücken in der Landschaft.

    Denn die neuen Brücken haben deutlich dickere Balken, ein Fledermausschutzzaun auf den Brücken wird die Sicht einengen und die neuen Brücken sind alle unterschiedlich groß und haben ungleichmäßige Pfeilerabstände. Sie werden wie Provisorien in der Landschaft stehen, aber ganz bestimmt keinen harmonischen Eindruck machen.

    Die Variante der Bahn hätte ein deutlich besseres Bild ergeben. Dann hätte man nämlich zwei kleine Varianten (über die Weiße Elster und die Nahle) und eine große Variante (über die Neue Luppe) bauen können. Die Neue Luppe ist zwar schmaler, aber im Hochwasserfall muss hier das meiste Wasser durch, um durch die Nordwestaue direkt abfließen zu können. Da werden auch die Pfeiler stören, die die Bahn jetzt notgedrungen unter die Brücken setzen musste.

    Die Chance, hier wirklich groß und langfristig und auch noch klug zu überlegen, hat die Stadt Leipzig vertan.

    Werden in der Elsteraue die richtigen Brücken gebaut?

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      5 KOMMENTARE

      1. @AusmWesten
        Was möchtest du der Welt denn mitteilen?
        Das Hauptproblem ist doch die Elsterbrücke und nicht die Luppebrücke. Unter der Elsterbrücke wird der Weg um fast einen Meter abgesenkt und steht dann knapp über dem Flussniveau, sodass man bereits nach einem Starkregenereignis nasse Füße bekommt. Obwohl man an der Elster dann keine 2,50m Durchfahrtshöhe hat, sondern nur noch einen Gehweg mit 2m Durchfahrtshöhe.
        2,50m entspricht im Übrigen nicht der regulären Höhe – die liegt bei 3m – man wird also auch zukünftig das Gefühl haben, dass man den Kopf einziehen muss (auch wenn man es nicht muss).

      2. Es ist ärgerlich und ein wenig Aufregung manchmal nur zwei Klicks entfernt.
        Hier reicht ein Blick auf die Bauseite der DB AG:
        https://bauprojekte.deutschebahn.com/p/leipzig-bruecken

        Unter dem Link „Anwohnerinfo“ unter dem eingebetteten Film findet der geübte Leser dann dies:

        „Eisenbahnbrücke „Luppe“
        Die Stahlbrücke über die Luppe ist ein siebenfeldriges Bauwerk ohne Gleisbettung mit einer Weite von 99,3 Metern. Die neue Überführung ist als siebenfeldrige Stahlbetonkonstruktion mit einer Weite von 107,10 Metern geplant. Der unterführende Radweg wird zukünftig breiter (3,50 Meter) und auf eine Höhe von 2,50 Meter vergrößert.“
        (vgl. https://www.deutschebahn.com/pr-leipzig-de/aktuell/presseinformationen/Deutsche-Bahn-erneuert-drei-Bruecken-in-Leipzig-Moeckern-4162390).

        Stöbert man dann noch ein wenig weiter auf dieser Seite umher findet man Pläne der Brücken und stellt dann ganz schnell fest, dass der Radweg nicht direkt am Luppeufer, sondern in der derzeitigen Lage geplant ist – mit oben genannter Durchfahrtshöhe.
        (vgl. https://bauprojekte.deutschebahn.com/media/projects/7003/gallery/leipzig-eisenbahnueberfuehrungen-neubau-luppe-visualisierung-2_n.jpg; etwas verwirrend ist nur die falsche Angabe von Möckern (westlich) und Leutzsch (östlich) was bekanntermaßen genau umgekehrt ist…)

        Bleibt gesund und munter!

      3. Die Bemessung der Brückenöffnungen erfolgte ausschließlich nach dem Hochwasserabfluss im Ist-Zustand für die kanalisierten Abflussrinnen (v. a. Neue Luppe und Nahle). Eine vorausschauende Gewässer-, Auen- und Klimaentwicklung (v. a. Nahle) sowie Wegebeziehungen (Elster und Nahle) fanden keine Berücksichtigung. Die Daten waren bekannt und Aufweitungen auch als Balkenbrücken bautechnisch vergleichsweise einfach realisierbar.

        Wie das Foto zeigt, ist die Unterkante der Elsterbrücke nun ca. 45 cm tiefer als im Bestand. Hier war eine Gradientenerhöhung problemlos möglich. Denn dieser Streckenpunkt stellt im Gradientenverlauf eine Senke dar und ist von den Haltepunkten Möckern und Leutzsch unabhängig gestaltbar.

        Anders bei der Nahlebrücke. Wegen der Nähe zum Bf. Leutzsch kann sie nur begrenzt angehoben werden. Hier braucht es eine größere Länge für einen breiteren Fluss. Eine Spannweite wie bei der Elsterbrücke (61 m statt 47 m) würde Raum für Gewässerentwicklung, uferbegleitende Wege und im Hochwasserfall Abflussquerschnitt bieten. Statt dessen wird nun der Nahlesteg (Radweg Heuweg) um 20 cm höher gebaut als die benachbarte Bahnbrücke…
        Übrigens 1:
        Ein Aufweitungsverlangen ist gängige Praxis und förderfähig. So beträgt bspw. bei der Aufweitung der EÜ Dieskaustraße der städtische Eigenanteil 0 €.
        Übrigens 2:
        Stabbogenbrücken mit gleichen Stützweiten bieten ein ruhiges Erscheinungsbild und verstellen den „Auenblick“ nicht mehr als eine Balkenbrücke mit Schutzzäunen (gesamt 5.50 m hoch). Bei allen drei Flüssen waren stützenfreie Bögen (61 m) mit schlankem Überbau ausgewogen und technisch günstig realisierbar, zzgl. zweier Vorlandfelder (23 m) an der Neuen Luppe.

      4. Sehr geehrte Redaktion,
        Ihr Artikel zu den Brücken am Heuweg zeigt es mal wieder auf, dass der ADFC schon 2018/19 auf diese Unzulänglichkeiten für die Fußgänger und Radfahrer hingewiesen hat. Da fragt man sich als Bürger dann doch wieder, was für Ignoranten manchmal an entscheidenten Positionen in dieser Stadtverwaltung tätig sind. Der Denkmalschutz ist in jedem Fall wichtig und erforderlich. Die Mitarbeiter sind sicherlich auch fachlich versiert, aber manche Festschreibungen sind wie wieder am Heuweg sichtbar, reichlich praxisfern. Auf genau dieses Dilema mit der nicht ausreichenden Durchfahrtshöhe wurde mehrfach und detailiert hingewiesen. Damit wird ein stets zu geringes und bei Hochwasser problematisches Durchfahrtsniveau auf 50-80 Jahre, solange die Brücken bestehen, fest geschrieben. Das Nachsehen haben die Nutzer, die Bürger dieser Stadt auch dann noch, wenn die Entscheider schon lange nicht mehr im Amt sind. Und die ach so schöne Brückenansicht fällt dann wahrscheinlich kaum noch Jemanden auf. Und vielleicht muss die Brücke über die Luppe vorzeitig abgerissen werden, da die Pfeiler im Ernstfall ein Abflusshindernis darstellen. Da hat ein Amtsschimmel also was gekonnt.
        Christoph

      5. Könnte man nicht auch von Fahrlässigkeit sprechen?
        Immerhin geht es um Hochwasserschutz.
        Was sagt denn die LTV dazu?

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