Im Oktober 2023 konnten wir an dieser Stelle noch melden: „Leipzig übernimmt die Waldbahnbrücke von der DB“. Da schien es noch ganz einfach zu sein, dass Leipzig nicht nur die denkmalgeschützte Brücke über die Weiße Elster von 1959 von der Deutschen Bahn übernehmen kann, die sowieso eine neue Bahnbrücke bauen muss. Auch eine neue Radwegverbindung kam in greifbare Nähe. Doch mit den Verhandlungen mit der DB kamen dann die Komplikationen.

Machbar wären die Visionen: Die denkmalgeschützte Brücke wird einfach verschoben, sodass die Bahn an der Stelle eine neue Brücke für die Waldbahn von Kleinzschocher nach Markkleeberg bauen kann. Gleichzeitig baut die Bahn dann für die Stadt auch Radweganschlüsse, die dann über die denkmalgeschützte Stahlbrücke eine neue Radverbindung über die Weiße Elster ermöglichen.

„Zusätzlich zur Umsetzung des Überbaus wird von der DB Netz eine Radwegführung entlang der Gleistrasse als Anbindung an das vorhandene Radwegenetz in die Planung aufgenommen“, hieß es in der Vorlage der Stadt dazu. Und 2024 sollte es eigentlich losgehen, sollten die Planungen vorgestellt werden.

Die Vorlage von 2023 zur Übernahme der denkmalgeschützten Stahlträgerbrücke

Lieber doch nicht …

Doch in den Verhandlungen kam es dann doch anders, wie uns das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) auf Nachfrage mitteilt: „Die Bahn hat in Abstimmung mit der Stadt eine Entwurfsplanung erstellt, die aus Sicht der Stadt technisch umsetzbar wäre.

Jedoch hat die Bahn der Stadt auf Basis des Ausschreibungsergebnisses für die Bauleistungen des Gesamtvorhabens einen Finanzierungsvorschlag unterbreitet, der zum einen konkrete Kosten benennt, zum anderen aber insbesondere in der Kostenteilung erheblich von der Planfeststellung und den darauf beruhenden städtischen Erwartungen abweicht.

Insbesondere soll die Stadt Kosten für die Instandsetzung der Waldbahnbrücke übernehmen, die laut Planfeststellungsbeschluss von der Bahn zu tragen sind.“

Da wird es auf einmal deutlich teurer für die Stadt. Bisher konnte sie davon ausgehen, dass sie die Übernahme und Herrichtung der Brücke nur 48.000 Euro kosten würde.

„Entsprechend dieses Kostenteilungsvorschlags wäre ein Brückenneubau für die Rad-/Gehwegverbindung für die Stadt wirtschaftlicher als die Übernahme der alten Eisenbahnbrücke“, so das VTA, das natürlich davon ausging, dass der Planfeststellungsbeschluss gilt.

Doch diese Rahmenbedingungen haben sich sichtlich geändert.

Nun doch teurer selber bauen?

„Die Übernahme ist deshalb stadtseitig zu den aktuellen, dem Planfeststellungsbeschluss widersprechenden Konditionen nicht vorgesehen“, erklärt das VTA. „Da die Bahn angekündigt hat, beim Eisenbahnbundesamt Dresden kurzfristig einen Antrag auf Änderung der Planfeststellung einzureichen, mit dem nunmehrigen Ziel des Versetzens der denkmalgeschützten Eisenbahnbrücke auf bahneigene Flächen, kann zum weiteren Fortgang seitens der Stadt aktuell nicht mehr gesagt werden.“

Bahneigene Flächen heißt in diesem Fall: Die denkmalgeschützte Brücke bleibt nicht vor Ort und steht damit auch nicht mehr als zentraler Teil einer Radwegüberführung zur Verfügung.

Was aus Leipziger Sicht doppelt schade ist. Denn damit verschwindet hier nicht nur ein markantes Baudenkmal. Auch eine andere Brückenvariante für eine Rad-/Gehwegbrücke würde deutlich teurer werden. Eine Berechnung für eine Brücke mit Aluminium-Überbau ergab schon einmal Baukosten von 2.450.000 Euro.

Logisch, dass die Stadt gern an der Übernahme-Variante festhalten möchte.

„Die Stadt setzt sich jedoch weiterhin für die vereinbarte und im Planfeststellungsbeschluss festgesetzte sinnvolle Weiternutzung der Brücke im städtischen Wegenetz ein und wird dies gegenüber der Planfeststellungsbehörde deutlich machen“, so das VTA.

Der Ball liegt jetzt also beim Eisenbahnbundesamt Dresden, das entscheiden muss, ob die Variante aus dem ursprünglichen Planfeststellungsbeschluss weiter gilt oder eine Änderung im Sinne der DB genehmigt wird. Womit sich dann der Traum von einer neuen Radverbindung über die Weiße Elster erst einmal für Jahre erledigt hätte.

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Es gibt 4 Kommentare

@christian
Du musst die Brücke auch nicht jedes Jahr komplett streichen. Es reicht aus, wenn man das alle 10 Jahre macht. Ansonsten wird dort, wo Farbe fehlt und Rost sichtbar ist, etwas Kosmetik betrieben und da sind 1.700 Euro wahrscheinlich ausreichend.
Die DB muss die Brücke verschieben, weil sie sonst ihre neue Brücke nicht einbauen kann. Ursprünglicher Plan war, dass die Stadt die alte Brücke für 48.000 Euro übernimmt und sie ein Stück nach Norden verschoben wird. Die Kosten für die neue Brücke sind allerdings erheblich höher als geplant und die Bahn muss sparen. Daher die Überlegung der DB, dass die Stadt doch etwas mehr Geld geben solle. Das legt die Stadt dann so aus, als müsste sie für den Neubau zahlen. Das geht natürlich nicht, weil Leipzig keine Eisenbahnbrücke mitfinanzieren kann. Es ist ein Spiel, wo jeder versucht möglichst gut bei weg zu kommen.

Hallo Rudi,
Ihre Aussagen sind aber leider auch nicht schlüssiger.
Weshalb sollte die DB die alte Brücke auf eigenes Gelände verschieben? Sinn für Leipzig? Sinn für DB?
Es heißt auch: “die Brücke bleibt nicht vor Ort.”
Warum soll Leipzig etwas für eine Instandsetzung der alten Brücke auf DB-Gelände bezahlen?
Leipzig muss sich bestimmt nicht an einer reinen Eisenbahnbrücke finanziell beteiligen.

Vielleicht kann der Autor etwas Licht ins Dunkel bringen.

Für 1700 Euro bekommen Sie sicher nicht mal die komplette Farbe für einen Brückenanstrich…

@christian
Die DB will nun deutlich mehr Geld von der Stadt Leipzig. Die Stadt Leipzig will aber nicht für einen Brückenneubau der DB Geld ausgeben. Die DB hat daraufhin die Änderung der Planfeststellung beantragt um die alte Brücke auf eigenes Gelände zu verschieben.
Ob 1.700 Euro/Jahr für Unterhalt der Stahlbrücke zu wenig sind, kann ich nicht sagen. Die Brücke wird allerdings vor allem ersetzt, weil sie für die größeren Züge zu schmal ist und die geplante höhere Achslast nicht trägt. Die Brücke selbst ist nicht baufällig und wird bei entsprechender Behandlung mit Corrosionsschutz noch sehr lange den viel leichteren Fuß- und Radverkehr tragen.

Also inhaltlich zu verstehen ist der Artikel noch nicht.

Einerseits:
“Insbesondere soll die Stadt Kosten für die Instandsetzung der Waldbahnbrücke übernehmen, die laut Planfeststellungsbeschluss von der Bahn zu tragen sind.“

Andererseits:
“Bahneigene Flächen heißt in diesem Fall: Die denkmalgeschützte Brücke bleibt nicht vor Ort und steht damit auch nicht mehr als zentraler Teil einer Radwegüberführung zur Verfügung.”

Na was denn nun?
Soll die Stadt die Instandsetzung für eine Brücke bezahlen, welche woanders hin versetzt werden soll?
Recht unplausibel.

* Etwas blauäugig ist auch die Annahme der Stadt, eine in die Jahre gekommene denkmalgeschützte Brücke würde in gebrauchtem Zustand nur 1700Euro / Jahr Unterhaltskosten benötigen! Das ist ja wohl eher ein Witz oder Buchungstrick.

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