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Stadtbezirksbeirat Südost fragt sich zu Recht: Wer will denn „Auf dem Gemüseacker“ wohnen?

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    Auch so etwas gibt es: Eine geplante Straßenbenennung in Probstheida sorgt für Ärger. Eigentlich ist es eine dieser typischen einfallslosen Benennungen, mit denen Stadtverwaltungen oder Beiräte deutlich machen, dass sie am liebsten Fuchs-und-Hase-Weg vorgeschlagen hätten. Aber Auf dem Gemüseacker? Das war dann wohl kein so guter Einfall aus dem Beirat.

    Mal abgesehen davon, dass diese direkt von der Feldstraße abgehende Anliegerstraße mitten in jenem Gebiet liegt, in dem eigentlich die teilnehmenden Nationen der Völkerschlacht gewürdigt werden. Und wie Steffen Held und Reinhard Münch in ihrem Buch „Auf den Spuren der Völkerschlacht“ berechtigterweise feststellten, sind überhaupt noch nicht alle Nationen gewürdigt, die an der großen Schlacht bei Leipzig beteiligt waren. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen als ein Gemüseacker.Beim Stadtbezirksbeirat Südost jedenfalls schlug der geballte Ärger aus Probstheida auf: Anwohner/-innen meldeten sich zu Wort und auch einige Gärtnereibetriebe, die daran erinnerten, dass Probstheida auch eine Vergangenheit als Heimstatt vieler bedeutender Gärtnereien hat.

    Weshalb der SBB Südost jetzt darum bittet, von seinem vorherigen Vorschlag „Auf dem Gemüseacker“ Abstand zu nehmen.

    „Es ist zu wenig in die Straßenbenennung einbezogen worden, dass es einen großflächigeren Anbau der Gärtnereien von überwiegend verschiedenen Blumensorten gab“, begründet der Stadtbezirksbeirat jetzt seine veränderte Haltung. „Die Gärtnereibetriebe verbinden mit dem Namen eine zu wenige Würdigung und Wertschätzung ihrer Leistungen, wenig Verbindung zu einer Gärtnereienehrung und des Entstehungsortes.“

    Stattdessen schlägt der Stadtbezirksbeirat Südost nun vor, mithilfe des neuen Straßennamens einen stärkeren Bezug zur Geschichte der Gärtnereien, deren Tätigkeiten, Lebensleistungen und Ort herzustellen.

    „Es soll die Wirklichkeit besser abgebildet werden und welche neuen Blumensorten geschaffen wurden“, heißt es in der Begründung. „Der Name soll erfrischend, positiv und selbst inspirierend klingen und das abbilden, was hauptsächlich und im Besonderen gezüchtet wurde. Diesmal wollen wir ein Zeichen setzen, um Handwerksbetriebe über mehrere Jahrhunderte zu ehren. Auch war es nicht nur lapidar ,Acker‘, sondern extra vorbereiteter Grund und Boden mit ausgetüftelten kleinen Gewächshäusern, Maschinerie und z. B. innovativen Beeten in Hüfthöhe, und um beste Bedingungen für die entstehenden Blumen zu ermöglichen. Dies hat auch zu besonderen Zuchtergebnissen/Ehrungen geführt und ist sehr fortschrittlich gewesen.“

    Das klingt schon fast wie eine Entschuldigung.

    Und so lautet der neue Namensvorschlag: „An der Blumenquelle“.

    „Unserem allerersten Vorschlag ,Auf Gärtnersgrund‘ kommt dieser Name am nächsten, da genau an diesem Ort Gärtnerei Scheibe stand und umliegend sich seit 1886 zahlreiche Gärtnereien befanden. ,An der Blumenquelle‘ zeigt auch nochmal den Ursprungscharakter, d. h. auf wessen Grund und Boden die Straße errichtet werden soll.“

    Und dann erzählt der Stadtbezirksbeirat fast die ganze Geschichte der Prostheidaer Gärtnereien.

    „Der neue Straßenname wäre noch wertschätzender, absolut positiv besetzt und würde den noch verbleibenden und ehemaligen Gärtnereien sehr gefallen. Er weckt schöne Assoziationen, hat einen guten Klang und passt besser zu der Gärtnereiengeschichte in Probstheida. Der Name ,Auf dem Gemüseacker‘ hat eher zu Kontroversen, Diskussionen geführt und man bezieht es nicht unbedingt sofort auf Gärtnereibetriebe“, heißt es im Text.

    Aber so richtig mag man sich von der Vorstellung leckeren Gemüses nicht lösen: „Hier wurde ebenfalls nur dieses Gemüse angebaut: Gurken, Rote Beete, Blumenkohl und Rosenkohl, was zu DDR-Zeiten zur Pflicht gehörte durch die GPG Holzhausen (2–10 t Gemüse pro Jahr). Das war fast überall der Fall und ist kein Alleinstellungsmerkmal für Probstheida gewesen.“

    Da standen augenscheinlich eine Menge Gärtner im Stadtbezirksbeirat auf der Matte.

    Ergebnis: „Wir wollen den Leistungen der damaligen und heutigen Gärtnereien ein Andenken setzen. Der SBB Südost hofft auf ihre gesamte Unterstützung. Die gesamten Informationen speisen sich aus Gesprächen mit verschiedenen jetzigen und ehemaligen Gartenbaubetrieben in Probstheida vom 15.10.20 bis 27.05.21 wie mit Gärtnerei Beyer, Strauß, Hellmrich und deren Zeitzeugen.“

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