Worin besteht eigentlich die Macht des Stadtrates? Das wurde am Abend des 19. Januar in der Kongresshalle ein wenig sichtbar, als eine Petition aufgerufen wurde, die Christoph Korth schon vor einem Jahr gestellt hatte, die auch schon im Stadtrat landete – aber dann wurde ihre Rückstellung beantragt. Denn damals gab es noch keine Lösung für die Parkplatzprobleme bei Veranstaltungen im Haus Auensee. Lösungen, die letztlich ohne den Betreiber des Hauses nicht möglich sind.

Die aber in den letzten Jahren einfach nicht angepackt wurden. Der Betreiber von Haus Auensee setzte einfach darauf, dass die Konzertbesucher schon irgendwie hinkommen würden. Und wenn sie mit Auto kämen, würden sie dafür schon irgendwo ein Eckchen finden.

Petition kritisiert „unhaltbaren Zustand“

Das Ergebnis war dann, wie Christoph Korth in seiner Petition beschrieb: „Wegen teilweiser chaotischer Zustände wurde in 2019 durch das Verkehrsamt der Stadt Leipzig die Parkplatzsituation bei größeren Veranstaltungen im Haus Auensee geprüft. Es wird von etwa 20 Abenden im Jahr gesprochen. Der Eigentümer hält mit etwa 500 Stellplätzen augenscheinlich zu wenige Parkplätze vor. Wegen fehlender Vorwegweisung zu den Parkplätzen suchen viele der Konzertbesucher mit Fahrzeugen in den anliegenden Wohnvierteln in Wahren zulasten der Anwohner nach Parkmöglichkeiten, teilweise ordnungswidrig und nach Gutdünken, sodass es zu Rückstaus in der Rittergutstraße und An der Elster sowie in der Stahmelner Str. zu Engstellen bis hin zu Unfällen kommt. Ein Durchfahren für die Feuerwehr und Sanitärfahrzeuge ist dann nur eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich. Ein unhaltbarer Zustand für die betroffenen Anwohner.“

Was dann freilich aus der Verwaltung kam, sorgte selbst im Petitionsausschuss für gelindes Entsetzen. Der formulierte vor einem Jahr dann seinen Beschlussvorschlag so: „Es wird zur Kenntnis genommen, dass dem Anliegen der Petition im Rahmen des Verwaltungshandelns bereits Rechnung getragen wurde. Die Verwaltung prüft dennoch die Möglichkeit des P+R mit entsprechendem Shuttle-Verkehr unter Kostenbeteiligung des Veranstalters aus verschiedenen Richtungen.“

Kleine Fortschritte gab es

Ganz untätig war die Stadt freilich nicht geblieben und hatte seit 2018 mit dem Betreiber mehrere Lösungsmöglichkeiten ausgelotet. Dazu gehört, dass die Konzerttickets mittlerweile Verbundtickets sind – dass die Konzertbesucher also den ÖPNV nutzen können, wenn sie ein Konzertticket erworben haben.

Neu ist, wie SPD-Stadtrat Andreas Geisler am 19. Januar feststellte, dass der Betreiber jetzt auch auf der Website auf das ÖPNV-Angebot hinweist. Die Parkmöglichkeiten vor Ort wurden besser ausgeschildert.

Und die Stadträte machten sich selbst auf den Weg, um mit dem Betreiber und dem Liegenschaftsamt die notwendigen Parkflächen in Nähe von Haus Auensee zu sichern.

Über die Verhandlungsergebnisse informiert das Liegenschaftsamt in seiner Stellungnahme zum nunmehr gemeinsamen Änderungsantrag von Freibeuter- und SPD-Fraktion.

Unter anderem heißt es da zu einer gefundenen weiteren Parkfläche: „Diese Fläche kann nunmehr an Veranstaltungstagen zusätzlich als Parkplatz genutzt werden. Weiterhin verpflichtet sich der Betreiber Hinweise über die begrenzte Verfügbarkeit von Parkplätzen und bevorzugte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auf seiner Internetseite einzustellen. Die Nutzung der Leipziger Verkehrsbetriebe (MDV) 4 Stunden vor und nach der Veranstaltung ist bereits im Besucherticket enthalten.“

Ohne Ordnungsamt geht es nicht

Man bekommt zwar ein paar Parkplätze mehr. Aber das entspannt die Situation noch nicht völlig, wenn es nicht gelingt, die Konzertbesucher umzustimmen, die ja ihre Autos in der Vergangenheit oft genug verkehrsgefährdend an der Gustav-Esche-Straße abgestellt hatten.

Ein Thema, das die Leipziger ja auch aus dem Umfeld der Arena kennen: Gerade auswärtige Gäste fahren am liebsten mit dem Auto bis vor die Konzerthalle, egal, ob es da (genügend) Parkplätze gibt oder nicht. Das System der Park-and-Ride-Plätze nehmen noch viel zu wenige in Anspruch, obwohl sie dort mit den Tickets einfach in die Straßenbahn steigen und zum Veranstaltungsort fahren könnten.

Also braucht es auch vor Ort Aufklärung für die motorisierten Konzertbesucher, stellt das Liegenschaftsamt fest: „Zwischen dem Betreiber des Hauses Auensee und dem Ordnungsamt wurde vereinbart, kommende Veranstaltungen gegenüber der Veranstaltungsbehörde (Ordnungsamt) formlos anzuzeigen. In Folge initiiert das Ordnungsamt zur Sensibilisierung potenzieller Veranstaltungsbesucher eine Pressemitteilung mit konkretem Veranstaltungsbezug.“

Ein Paket an Absprachen – wird es in der Praxis funktionieren?

Am Ende ist unter Mitwirkung der Stadträte ein ganzes Paket von Absprachen entstanden. Von dem natürlich auch Andreas Geisler nur hoffen kann, dass es funktioniert. Weshalb er auch gleich seine Erwartung aussprach, dass das Ganze nach einem Jahr noch einmal evaluiert wird und da, wo es vielleicht doch nicht funktioniert, noch einmal nachgesteuert wird.

Da brauchte dann nicht weiter debattiert zu werden. Die Mehrheit von 49 Stadträt/-innen stimmte dem Änderungsantrag von SPD- und Freibeuter-Fraktion zu. Nur sechs stimmten dagegen, vier enthielten sich.

Die Debatte vom 19.01.2022

Video: Livestream der Stadt Leipzig

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