Die Trickserei geht weiter. Anders kann man auch die neueste Vorlage der Verwaltung zu den immerfort steigenden Kosten der Hauptfeuerwache nicht bewerten. 2018 war es ein regelrechtes Totschlagargument, als man die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung zur Öffnung des Pleißemühlgrabens damit vom Tisch wischte, dass die Öffnung des alten Verlaufs hinter der Hauptfeuerwache 30,5 Millionen Euro kosten würde. So viel kostet nun schon die nächste Stufe der Sanierung der Hauptfeuerwache. Vorläufig.

Ursprünglich sollte die Sanierung des über 100 Jahre alten Gebäudes für 19 Millionen Euro gestemmt werden – mitsamt den Nebengebäuden, die in der DDR-Zeit hinter der Hauptfeuerwache auf dem Gelände des alten Pleißemühlgrabens entstanden sind.

Eine Entscheidung, die praktisch schon gefallen war, bevor die Leipziger/-innen 2018 „mitentscheiden“ durften, ob der Pleißemühlgraben in seinem alten Verlauf wieder geöffnet werden sollte oder einen neuen Verlauf direkt am Goerdelerring erhalten sollte.

Dass die Kostenkalkulation zur Hauptfeuerwache nicht stimmte, wurde noch im Jahr der Entscheidung zum Pleißemühlgraben klar, als die ersten 2 Millionen Euro obendrauf kamen. 2020 folgten die nächsten Millionen und nun stand die Sanierung der Hauptfeuerwache schon mit 26 Millionen Euro in den Büchern.

In einer neuen Vorlage der Verwaltung wird jetzt die nächste Kostensteigerung angekündigt – mitsamt der darin versteckten Nachricht, dass es nicht die letzte sein wird.

Auch geplante Fördermittel waren nicht einzuwerben

Darin heißt es: „Im Rahmen der Baumaßnahme ‚Komplettsanierung Hauptfeuerwache‘ Budget SACHSEN ist es zu einer Erhöhung der Baukosten gekommen. Zum einen sind aufgrund des Baufortschritts und der Planungsfortschreibung zusätzliche Bauleistung erforderlich geworden, die bisher nicht in den Kosten der Maßnahme erfasst worden waren.

Weitere Mehrkosten sind aufgrund der Insolvenz der Lüftungsfirma und der damit erforderlich gewordenen Neuvergabe der Leistung entstanden. Auch hat sich das in der Vorplanung erstellte Bodengutachten auf dem Vorplatz als unzureichend herausgestellt, sodass die Maßnahmen auf dem Vorplatz einen Mehraufwand darstellen. Weitere Mehrkosten sind aufgrund von Vergabedefiziten entstanden. Diese Mehraufwendungen belaufen sich auf 4.247.204 €.“

Der Vorplatz mit der sanierten Hauptfeuerwache. Foto: Michael Freitag
Der Vorplatz mit der sanierten Hauptfeuerwache. Foto: Michael Freitag

Damit beläuft sich der vorläufige Kostenpegel auf 30,6 Millionen Euro.

Womit Leipzig nicht nur zusätzliche Kosten von 4,3 Millionen Euro stemmen muss, sondern noch weitere 2,5 Millionen Euro. Denn die Hoffnung, auch die erhöhten Kosten vom Freistaat Sachsen gefördert zu bekommen, haben sich 2020 und 2021 zerschlagen, weil die Fördertöpfe leer waren. Also muss Leipzig auch diese 2,5 Millionen Euro selbst aufbringen.

Wie teuer wird das Hofgebäude?

Und dabei ist noch völlig offen, was die Sanierung des rückwärtigen Hofes und des (Teil-)Neubaus des Nebengebäudes kosten wird, denn dafür liegen bis jetzt nicht einmal belastbare Kostenabschätzungen vor, obwohl man diesen Teil hinter der Hauptfeuerwache für 2,3 Millionen Euro gleich mitsanieren wollte.

Wie hoch die möglichen Mehrkosten für das Nebengebäude werden, wird in der Vorlage geradezu versteckt und nur in gemeinsamen Posten für das Hauptgebäude angegeben. Zwar wird immer wieder von der Sanierung des alten Nebengebäudes gesprochen. Aber tatsächlich soll das Gebäude noch deutlich vergrößert werden, also eine neue Tektur bekommen, wie es in der Vorlage heißt.

Was dadurch möglich ist, dass man durch Grundstückstausch im März 2021 auch zusätzliche Flächen von der benachbarten LWB bekommen hat

„Erst nach Abbruch des Nebengebäudes kann eine Neuvermessung des Grundstückes erfolgen, welche Grundlage für die bauordnungsrechtliche Genehmigung der Tekturplanung für die Nebengebäude darstellt. Die Tektur wurde aufgrund des Grundstückstauschvertrages mit der LWB (notariell beglaubigter Tauschvertrag – Urkunden Nr. 1415/2021 vom 30.03.2021) notwendig“, heißt es in der Vorlage.

Das heißt: Das Gebäude wird sich deutlich verändern. Und: Die Ausschreibungen sind dafür natürlich noch nicht erfolgt, sodass niemand die Summe für diesen Umbau nennen kann.

Kontaminiertes Erdreich und ein noch verrohrter Pleißemühlgraben

Und wie ein Staunen über eine völlig unerwartete Begegnung liest sich die Feststellung, dass man auch für den Hof hinter der Hauptfeuerwache nun Kontaminationen des Erdreichs erwartet, nachdem man auf dem Vorplatz schon auf welche gestoßen war.

Das hat auf dem Vorplatz zu einer deutlichen Kostensteigerung um 350.000 Euro beigetragen. Was da im Hof so alles in den Boden gesickert ist, weiß man noch nicht.

Und an den überwölbten Pleißemühlgraben kommt man auch noch nicht heran, solange der neue Graben am Goerdelerring nicht gebaut ist.

Jetzt muss der Stadtrat erst einmal über die zusätzlich aufzubringenden 6,8 Millionen Euro entscheiden. Mit leiser Vorfreude auf die nächste Vorlage mit den weiteren Zusatzkosten. Und mindestens im Fachausschuss Stadtentwicklung und Bau dürfte die Frage im Raum stehen, warum die Planung für die Komplettsanierung so lückenhaft war – und eigentlich immer noch ist.

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Schade das man mal nicht mit aufzeigt, wie sich die Fahrzeugstellfläche im Vergleich zur vorhanden und vor allem mit Einsatzkräften hintersetzten einsatzbereiter Technik in den letzten 15 Jahren der Feuerwehr Leipzig entwickelt hat und in den nächsten Jahren noch realistisch entwickeln wird. Die Zentralwerkstatt ist im Südwesten und bleib bestimmt dort. Am Goerdelerring ist dort jetzt aus dem Nebengebäuden die Zentraldesinfektion mit RD geplant. Spezialfahrzeuge und das zweite Löschfahrzeug sind ausgelagert auf anderen Standorten, was kommt dann wieder dort rein? Mit der Westwache in Plagwitz hat man doch auch einen zentralen Standort für die Spezialtechnik mit ausreichend Platz. Und vielleicht kann man sich auch mal von alten Sachen trennen anstatt immer mehr anzubauen.
Benötigt man also tatsächlich noch die Nebengebäude an der Hauptfeuerwache oder kann man auf diese zugunsten des offenen Pleißemühlgrabens hinter dem Gebäude verzichten. Ich glaube sowieso nicht an eine großzügige Freilegung vorne wie versprochen, wo soll denn dann der Hubschrauber landen und die Verwaltungsmitarbeiter parken? Irgendwie werden wir immer wieder häppchenweise verarscht und damit Tatsachen geschaffen. Verzichtet doch bitte auf diese Nebengebäude und nutzt das Geld zur großzügigen Freilegung des Grabens, das wird schon teuer genug, wo auch immer das geschieht!

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