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Wo bleiben jetzt die Entscheidungen zum Leipziger Luther-Melanchthon-Denkmal?

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    Das Jahr 2017 naht - das eigentliche Feierjahr der Reformation. Und ein kleiner kämpferischer Verein hatte sich eigentlich gewünscht, dass bis dahin auch das neu geschaffene Luther-Melanchthon-Denkmal aufgestellt und feierlich enthüllt wird. Doch seit dem Stadtratsbeschluss 2014 ist dazu nicht viel passiert. Grund genug für Prof. Dr. med. Rolf Haupt, mal nachzufragen, was nun werden soll.

    Er ist Vorsitzender des Vereins Luther-Melanchton-Denkmal e.V., der nun schon seit 2005 darum kämpft, dass das Denkmal wieder an seinem ursprünglichen Standort auf dem Johannisplatz aufgestellt wird. Aufgestellt wurde das von Bildhauer Johannes Schilling geschaffene Werk dort 1883, zum 400. Geburtstag von Martin Luther. Nur ehrt es nicht allein den berühmten Reformator, sondern zeigt ihn im Gespräch mit seinem wichtigsten Kampfgefährten – Philipp Melanchthon. Das ist wichtig, denn damit nahm die Plastik auch Bezug auf die Leipziger Disputation 1519, als Melanchthon an der Seite Luthers stand und große Teile der Disputation auch selbst bestritt.

    1943 wurde das Denkmal abgebaut und der NS-Kriegswirtschaft zugeführt. 1944/1945 wurde der Platz weiter geschädigt, als die Johanniskirche Opfer von Bombentreffern wurde. Nach dem Krieg stand noch der Johanniskirchturm, der dann aber später von den neuen Machthabern gesprengt wurde. Heute erinnert auf dem Platz nur noch das Holzkreuz an die verschwundene Johanniskirche. Eigentlich würde nichts dagegen sprechen, ein neu gegossenes Luther-Melanchthon-Denkmal an alter Stelle wieder aufzustellen.

    Doch 2014 wandte sich die Leipziger Stadtverwaltung dagegen. Der Stadtrat folgte dem nicht ganz. Am 19. März 2014 wurde in der Ratsversammlung dann einstimmig beschlossen, das 1943 für Kriegszwecke zerstörte Luther-Melanchthon-Denkmal wieder zu errichten.

    Der Beschlusstext: „Die Stadt Leipzig begrüßt die Initiative des Vereins Luther-Melanchthon-Denkmal e.V., das 1943 vom NS-Regime zerstörte Luther-Melanchthon-Denkmal wiederzuerrichten, als Zeichen bürgerschaftlichen Engagements und als Chance, die Geschichte der Reformation in Leipzig sichtbarer zu machen. – In diesem Sinne errichtet die Stadt ein Denkmal, finanziert durch den Verein, in geeigneter Form an einem geeigneten innerstädtischen Standort. – Die Stadtverwaltung legt bis 31.12.2014 einen Umsetzungsvorschlag vor und leitet danach in Zusammenarbeit mit dem Verein Luther-Melanchthon-Denkmal e.V. einvernehmlich die erforderlichen städtebaulichen Planungen und Verfahren ein. Im Falle der Realisierung auf dem Johannisplatz ist auch der Verein Johanniskirchturm e.V. einzubeziehen. Die Realisierung erfolgt bis zum Juni 2019, dem 500. Jahrestag von Luthers Disputation auf der Pleißenburg.“

    Damit hatte man schon einmal wieder Luft geschaffen. Zwei Jahre mehr bis 2019.

    Aber passiert ist trotzdem nichts – oder vielmehr: doch. Denn für das Leibniz-Jubiläum 2016 plant die Leipziger Verwaltung auf dem Johannisplatz den Aufbau einer Leibniz-Installation. Der in Leipzig geborene Philosoph und Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz ist am 14. November 1716 in Hannover gestorben. Das jährt sich dann zum 300. Mal. Aber das Luther-Melanchthon-Denkmal am Platz hat augenscheinlich das zuständige Kulturdezernat schon aus den Augen verloren.

    Zumindest hat Rolf Haupt so ein Gefühl, dass nun die Zeit durch die Finger rinnt.

    „Unter dem 30.01.2015 mahnte der Verein in einem Schreiben an Kulturbürgermeister Faber den im Stadtratsbeschluss vorgegebenen Termin 31.12.2014 an, da bis dahin die geforderten Umsetzungsvorschläge nicht vorlagen. Das sei bedingt, antwortete Kulturbürgermeister Faber, durch die verzögerte Neukonstituierung des Sachverständigenforums ‚Kunst im öffentlichen Raum'“, erläutert Haupt die Sachlage. Ebenjenes Sachverständigenforum „Kunst im öffentlichen Raum“ hatte entschieden, dass eine Replik des von Schilling geschaffenen Denkmals im heutigen Leipzig fehl am Platze sei.

    Die Standpunkte gehen bis heute auseinander, stellt Haupt fest: „Ein Gesprächstermin nach Neukonstituierung stellte er in Aussicht. In einem Gespräch bei Herrn Faber am 02.04.2015 wurden die unterschiedlichen Standpunkte des Vereins und der Stadt (im Kern : das Sachverständigenforum will keine Replik des Denkmals) zur Sprache gebracht. Der Verein machte klar, dass es bezüglich des Aufstellungsortes (Johannisplatz) und des alten Denkmalsockels Kompromissbereitschaft gibt. Das Gespräch diente der Vorbereitung einer Anhörung des Vereins im Sachverständigenforum, die schließlich am 29.06.2015 stattgefunden hat.“

    Da konnte der Verein seine Positionen darstellen. Und in einem Punkt blieb man fest. Rolf Haupt: „Es wurde ausgeführt, warum sich der Verein für die Figurengruppe von Schilling entschieden hat. Die Figurengruppe Luther-Melanchthon zeigt die Reformatoren im Gespräch und plädiert zugleich für die Bedeutung des Dialoges seit Beginn der Reformation und in gesellschaftlichen Prozessen, von denen letztlich die Demokratie lebt. Das Denkmal erinnert zugleich an einen bedeutenden Bildhauer, der mit der Gestaltung des Denkmals ein Zeichen setzen wollte, das weit über seine Zeit hinaus verstanden werden kann. Letztendlich will der Verein auch ein Zeichen setzen gegen die brutale Zerstörung von Kunstwerken für Kriegszwecke durch die Nazis. Die in der Anhörung folgende Diskussion hat allerdings den Verein darin bestärkt, von der ursprünglichen Variante ‚Replik‘ nicht ohne Not abzuweichen. Ein in Aussicht gestelltes, auswertendes Gespräch mit Herrn Faber über die Anhörung hat bisher nicht stattgefunden.“

    Was auch daran liegen kann, dass die Stadt die Position des Sachverständigenforums für geltend erachtet – keine Replik, sondern ein neu entworfenes Denkmal. Und dann vielleicht gar wieder von einer Jury bewertet, die so überfordert ist wie beim Freiheits-und-Einheits-Denkmal.

    Aber auch ein kleiner Verein braucht so etwas wie Planungssicherheit. Deswegen drängt Haupt jetzt auf schnelle Entscheidungen.

    „Der Verein hat versprochen, das geplante Denkmal gänzlich aus eigenen Mitteln zu finanzieren (ca. 300.000 Euro). Dazu ist Planungssicherheit bei der Sponsorenwerbung unbedingt erforderlich. Im Blick auf das Fertigstellungsdatum 2019 gerät der Verein zeitlich unter Druck. So fragt der Verein, wann er mit einer vom Geist des Dialoges geprägten Entscheidung rechnen kann, die auf das bürgerschaftliche Engagement des Vereins zugeht und dem Stadtratsbeschluss von 2014 gerecht wird. Der Verein verbindet die Anfrage mit der dringenden Bitte, nun zeitnah Planungssicherheit zu schaffen. Es wäre keinem gedient, wenn die Arbeit des Vereins ins Leere laufen würde.“

    Der Beschluss von 2014.

    Die Nachfrage von Rolf Haupt.

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