Seit dem 6. Februar gibt es eine sachsenweite Kampagne, um Stimmen für eine Petition zu sammeln, die Sachsen wieder eine richtige Baumschutzgesetzgebung verschaffen soll. Und der Leipziger NABU findet das logischerweise gut. Denn gerade Städte wie Leipzig leiden unter dem drastischen Lebensraumverlust für die in der Stadt heimischen Arten.

„Am 27. Dezember 2016 haben wir auf den fortschreitenden Lebensraumverlust in der wachsenden Stadt Leipzig aufmerksam gemacht, den Naturschützer mit Sorge betrachten“, betont René Sievert vom NABU-Regionalverband Leipzig. „Dazu gehört auch der Verlust von Stadtbäumen und anderen Gehölzen, insbesondere seitdem der Landtag durch eine Gesetzesänderung den kommunalen Baumschutz aufgeweicht hat, was als ‚Baumab-Gesetz‘ bereits vielfach kritisiert wurde.“ Die Zahl der Bäume, die allein deshalb, weil ihre Fällung nun nicht mehr behördlich beantragt werden musste, gefällt wurden, ist nur zu schätzen, beträgt aber selbst nach vorsichtigen Schätzungen des NABU einige Zehntausend allein in Leipzig.

Das Ergebnis dieser Beseitigung schattenspendender Großgehölze bekommen die Leipziger zu spüren, spätestens dann, wenn die Stadt wieder von Staub und Hitze geplagt ist. Die Ersteller der Petition kommen aus Radeberg. Aber auch in Sachsens kleineren Städten macht sich das „Baum-ab-Gesetz“ negativ bemerkbar im Mikroklima.

„Bäume, Sträucher und Hecken sind Staubfilter, Wasserspeicher und Sauerstofferzeuger, dienen dem Erosions- und Hochwasserschutz und wirken temperaturausgleichend. Sie haben eine günstige lufthygienische und klimatische Wirkung. Sie sind Lebensstätte verschiedenster Tier- und Pflanzenarten und prägen unsere Ortsbilder und Landschaft ästhetisch“, betonen die Ersteller der Petition. „Mit einer Gesetzesänderung im Jahr 2010, dem sogenannten Baum-ab-Gesetz, wurden Kommunen erheblich in ihrer Selbstverwaltungshoheit einschränkt. Die Möglichkeiten, mit einer Satzung die Gehölze auf ihrem Gemeindegebiet zu schützen, weitgehend abgeschafft. Seitdem steht eine Fällung bei einer Vielzahl von Gehölzen und einer Reihe von Baumarten wie Pappeln oder Weiden sowie allen Bäumen mit einem Stammumfang unter einem Meter auf bebauten Grundstücken im alleinigen Belieben des Eigentümers.“

Dabei wollen sie gar kein neues Papier in den Landtag bringen, sondern nur einem Gesetzesantrag der Grünen von 2015 Nachdruck verschaffen. Die haben ein neues Baumschutzgesetz für Sachsen formuliert, das die Städte und Gemeinden wieder in die Lage versetzt, den Baumbestand vor Ort zu schützen, wenn er für Klima und Artenschutz wichtig ist. Das könne man nicht einfach an einzelnen Baumarten festmachen, die man für schützenswert erklärt, während andere einfach abrasiert werden, ohne dass es dafür den geringsten Ersatz gibt, betonen auch die Autoren der Petition.

„Der NABU Leipzig begrüßt deshalb den Start einer Petition, die zum Ziel hat, den kommunalen Baum- und Gehölzschutz in Sachsen wieder zu ermöglichen“, betont Sievert. Zu den Erstunterzeichnern gehört Bernd Heinitz, der Vorsitzende des NABU Sachsen. Gegenwärtig kommt ein Großteil der Unterzeichner aus Leipzig. Sievert: „Das zeigt die Größe des Problems gerade in unserer Stadt.“

Der Gesetzentwurf der Grünen. Drs. 2804

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