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Fridays-Bewegung sammelt Müll in Leipzig: Kaufen, Fressen, Fallenlassen und Vergraben + Videos

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    Haha rufts aus der Checkerecke: jetzt gehen die wohl ihren eigenen Müll auflesen. Starke Aktion rufts zurück. Fridays for Future waren auch in Leipzig am heutigen Freitag, 29. März, mal wieder auf der Straße. Oder besser seit 12.30 Uhr aus vier Richtungen kommend, Richtung Zentrum im Wald und auf den Wegen unterwegs. Mit Greifzangen, Lastenrädern, Bollerwagen und Tüten den traurigen Wohlstandsrest aufsammeln, den die Leipziger so nach Gebrauch fallen- und liegenlassen, in ihre Flüsse schmeißen, verbuddeln und kreativ um Maschendratzäune hängen. Die schiere Menge Müll wuchs binnen dreier Stunden auf zwei städtische Transporter an, dubiose Funde inklusive.

    Am Ende sammelten sich die 80 bis 100 Jugendlichen um ihre aufgetürmte Müllsammlung wie um ein Lagerfeuer auf dem Augustusplatz. Ein ziemlicher Haufen aus den Parks und von den Spielplätzen der Stadt, bei dem sogar noch eine verspätet eintreffende Fuhre fehlte und letztlich die Stadtreinigung zu zwei statt einer gedachten Fuhre zwang. Gestartet waren die streikenden Schüler in vier Gruppen aus dem Leipziger Norden vom Rosental (Zooschaufenster), aus dem Osten vom Lene-Voigt-Park (Beach-Volleyball-Platz), aus dem Süden an der Herderstraße und vom Elsterflutbecken (Festwiese) im Westen.

    Aus dem Süden und Norden begleitete die L-IZ.de die auffallend weiblich angetretenen Mülltrupps. Immer wieder gab es (vor allem auf der Südtour) Schilder für Autofahrer in Connewitz, hier bewegte man sich maßgeblich durch die Straßenzüge und fand eher Überbleibsel nächtlicher Touren, Verpackungsmaterialien und weggeworfene Feuerlöscher bis hin zu einem „entsorgten“ Fernseher.

    Die Südtour in Bildern (Fotos Marco Arenas)

    Dagegen geriet die im Rosental startende Aktion eher zur Waldexkursion mit skurrilen bis nicht mehr leistbaren Funden. Waren auf der ausgedehnten Liegewiese am Zooschaufenster Unmengen von achtlos in die Gegend geschnippten Kronkorken ein Dauerärgernis, wurde es entlang der Parthe abenteuerlich.

    Ok, ein zugewachsener Schuh mochte noch als Skurrilität durchgehen, Hunde-Kotbeutel aus Plastik, die besonders überlegte Zeitgenossen um Maschendrahtzäune wickeln, ecklig sein, doch wer stellt eine Plastikbox mit einem Tierkadaver in das kleine Rosental und macht sich vom Acker? Er wurde am Ende der Stadtreinigung übergeben, die das Hauskaninchen nun wenigstens sachgerecht einäschert.

    Halb vergrabene Linoleumreste in Rollenform wurden aus dem Boden geholt, Plastik schwamm unerreichbar entfernt in der Parthe vorüber und kurz darauf, am „Wackelturm“, war angesichts einer privaten Mülldeponie am Sportplatz an der Herloßstraße dann nur noch die Möglichkeit, der Stadtreinigung Bescheid zu geben. Dafür reichten die Transportkapazitäten der Umweltschützer nicht mehr aus, da hatten besonders schlaue Sportsfreunde ganze (Haus)Arbeit geleistet und dann einfach alles in den Wald geschmissen. Angesichts des oberhalb liegenden Sportplatzes eine naheliegende Vermutung.

    Im Weitergang dann Gedanken über straffere Strafen für die ganzen kleinen und großen Waldentsorger (beim Journalisten), aber in der Hauptsache stoische Suche nach Dreck und Müll im Auwaldstück Rosental. Anders als mit Denkfaulheit und Gewissenlosigkeit waren auch hier weitere Funde rings um den Grillplatz nicht mehr zu erklären.

    Die Nordtour in Bildern (Fotos Michael Freitag)

    Auf dem Augustusplatz folgten noch gute Nachrichten für die, die nach der Müllaktion nicht gleich nach Hause mussten. „Fridays for Future“ hatte als außerparlamentarische Initiative beim Jugendparlament Leipzig beantragt, dieses möge im Stadtrat Leipzig den Antrag auf Erklärung zur „Stadt im Klimanotstand“ stellen. Bislang haben dies bereits neben 25 weiteren Städten weltweit u.a. London, Vancouver, Basel und Erlangen getan.

    Auch Jens Spahn bekam so eine Antwort auf seinen Hinweis via „Zeit“, die Bewegung möge konkreter werden. Der Antrag, nun auch in der Stadt Leipzig symbolisch den Klimanotstand auszurufen, wird nun vom Jugendparlament in den Leipziger Stadtrat eingebracht.

    Darüber hinaus forderte eine Sprecherin den Stadtschülerrat Leipzig (SSR Leipzig) erneut dazu auf, sich mit den streikenden Schülern solidarisch zu erklären. Der fehlende Rückenhalt in diesem Gremium sei kontraproduktiv und führe zu mehr Problemen und Repressalien für die streikenden Schüler, welche auch durch den SSR Leipzig vertreten werden müssten.

    Auf dem Augustusplatz (Fotos: Marco Arenas und Michael Freitag)

    Doch eines blieb am Ende auch der heutigen Aktion zu attestieren. Verunsichern lassen sich die jungen Menschen durch verbale Angriffe aus der Politik nicht mehr. In Berlin gingen erneut 10.000 junge Menschen gemeinsam mit Greta Thunberg auf die Straße, bereits in der vergangenen Woche hatte in Leipzig eine Ampeldemo stattgefunden (siehe Video 2), in welcher sich die Fridays-Bewegung an die Autofahrer in Leipzig gewandt hatte. Und auch diese Müllaktion war nicht ihre erste.

    Umso mehr verwunderte es heute, dass sich so wenige Vertreter der Leipziger Umweltverbände und Parteien blicken ließen. Vielleicht kommen sie ja wieder zur nächsten Großdemo. Die Leipziger „Parents for Future“ und die Vertreter des Leipziger Umweltzentrums jedenfalls bückten sich heute ebenfalls nach dem Müll auf den Wegen, um die Jugendlichen bei ihren Forderungen zu unterstützen.

    Video 1 – Die Ansprachen am 29. März 2019 auf dem Augustusplatz

    Video: L-IZ.de

    Video 2 – Die Leipziger Ampeldemonstration am 22. März 2019

    Video: L-IZ.de, Marco Arenas

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