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NABU-Insektensommer diesmal mit MDR-Begleitung: Was flattert da überhaupt noch im sächsischen Sommer?

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    Vom 29. Mai bis zum 7. Juni waren die Sachsen aufgerufen zur ersten Insekten-Zählrunde des NABU. Seit das Insektensterben in seiner Dramatik auch die Öffentlichkeit beschäftigt, hat der Nabu diese Mitmach-Aktion ins Leben gerufen. Dabei wird auch sichtbar, welche Insekten verschwinden und welche zuwandern. Im Juni war übrigens die Steinhummel das am häufigsten beobachtete Insekt. Am Freitag, 31. Juli, beginnt die zweite Zählrunde in diesem Jahr.

    Die Zählung findet mittlerweile im dritten Jahr statt. Und damit werden auch Entwicklungen sichtbar.

    „Die Blaue Holzbiene, die ursprünglich nur in Südeuropa und manchen Regionen Süddeutschlands zu finden war, wandert nach und nach gen Norden“, erläutert NABU-Insektenexpertin Laura Breitkreuz. „Das können wir anhand unserer Daten gut nachvollziehen. Inzwischen ist die Blaue Holzbiene schon auf der Insel Rügen und in Schleswig-Holstein gesichtet worden.“

    Die große Wildbiene steht in Deutschland auf der Vorwarnliste der Roten Arten, breitet sich aber derzeit weiter aus, da sie warme, trockene Bedingungen wie in den beiden vergangenen Jahren braucht. 2018 lag die Blaue Holzbiene in Sachsen auf Platz 81, belegte 2019 Platz 11 und kommt bei der jüngsten Zählung auf Platz 13, deutschlandweit auf Platz 22 (von 46 im Jahr 2018). Die Blaue Holzbiene ist die größte heimische Wildbienenart.

    Breitkreuz: „Sie wird oft für eine Hummel gehalten, ist aber nur eine entfernte Cousine.“ Im Gegensatz zu Hummeln und Honigbienen leben Holzbienen und viele andere Wildbienenarten nicht in Staaten. Für ihre Nester nagen sie lange Gänge in abgestorbenem Holz und hinterlegen Pollen als Nahrung für ihre Larven.

    Am häufigsten wurde die Steinhummel beobachtet, die Top Fünf komplettieren Hainschwebfliege, Siebenpunktmarienkäfer, Asiatischer Marienkäfer und Gemeine Feuerwanze. Aber es geht ja nicht nur um Bienen und Hummeln, auch wenn sie unersetzbar sind für die Bestäubung in Sachsen. Es geht auch um Käfer, Schmetterlinge, Fliegen.

    Ab Freitag, 31. Juli, bis zum 9. August werden also wieder viele aufmerksame Beobachter der Insektenwelt gebraucht.

    Schmetterlinge sind nach den Käfern die artenreichste Insektenordnung überhaupt. Insgesamt umfasst die Schmetterlingsfauna in Deutschland mehr als 3.700 Arten. Schwalbenschwanz, Tagpfauenauge, Bläulinge sowie viele weitere gehören zu den farbenprächtigsten und schönsten Tagfaltern unserer Natur. Vor allem jetzt im Sommer flattern die anmutigen Insekten in den Wildblumenwiesen. Zur Gruppe der Tagfalter gehören in Deutschland fast 190 Arten.

    Das große Insektensterben macht sich jedoch auch bei den Schmetterlingen bemerkbar. Rund die Hälfte aller Arten ist vom Aussterben bedroht, bereits ausgestorben oder verschollen. Das Bundesamt für Naturschutz in Bonn meldet, dass bereits mindestens 60 Schmetterlingsarten in Deutschland vollständig ausgestorben sind. 494 weitere Arten seien vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet.

    Die Steinhummel liegt nach der ersten Zählung des Insektensommers 2020 erneut vorn. Sie wurde in den meisten Gärten und Parks gesichtet. Foto: Helge May/ NABU
    Die Steinhummel liegt nach der ersten Zählung des Insektensommers 2020 erneut vorn. Sie wurde in den meisten Gärten und Parks gesichtet. Foto: Helge May/NABU

    „Angesichts des voranschreitenden Artensterbens verdienen alle Insekten unsere volle Aufmerksamkeit“, sagt Bernd Heinitz, Landesvorsitzender des NABU Sachsen. „Bei der Insektenzählung können alle mitmachen und Schmetterlinge und weitere Insekten einmal für eine Stunde lang genau unter die Lupe nehmen. Gerade in den Sommerferien ist es eine schöne Unternehmung für die ganze Familie, die Natur auf diese Weise zu entdecken.“

    Mit dem Insektensommer will der NABU den Menschen die Augen für die Wunder direkt vor unserer Haustür öffnen. Gleichzeitig helfen die gesammelten Daten uns dabei, die Insektenentwicklung in Deutschland besser zu verstehen.

    Materialien und NABU-Insektentrainer helfen beim Erkennen

    Am besten zählt es sich an einem warmen, sonnigen Tag draußen. Es braucht nur eine Stunde Zeit, einen Stift und Zettel oder die praktische Zählhilfe mit den häufigsten Arten, die online unter www.insektensommer.de runtergeladen und ausgedruckt werden kann.

    Kernarten, auf die besonders geachtet werden soll, sind diesmal Ackerhummel, Blaue Holzbiene, Blaugrüne Mosaikjungfer, Grünes Heupferd, die Schmetterlinge Kleiner Fuchs und Schwalbenschwanz, Siebenpunktmarienkäfer sowie Streifenwanze. Der NABU bietet viele Materialien an, um die Sechsbeiner besser kennenzulernen. Wer die Tiere nicht kennt, kann sie ganz einfach mit dem NABU-Insektentrainer unterscheiden lernen.

    Der NABU engagiert sich seit Jahren für den Schutz der Insekten. Sie sind unverzichtbar für uns Menschen und die gesamte Natur. In unseren Ökosystemen tragen sie zur Vermehrung von Pflanzen sowie zur Fruchtbarkeit des Bodens bei. Studien zeigen, dass die Insekten in Deutschland deutlich zurückgehen. Intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden und die Ausräumung der Landschaft sind nur einige Gründe für den Insektenschwund.

    Die Daten der Zählaktion Insektensommer werden in Zusammenarbeit mit der Plattform www.naturgucker.de erfasst. Die Ergebnisse werden vom NABU ausgewertet und zeitnah veröffentlicht. Der Insektensommer findet dieses Jahr zum dritten Mal statt. Im vergangenen Jahr beteiligten sich 16.300 Menschen mit über 6.300 Beobachtungen.

    Entdeckungsfrage 2020 dreht sich um den Marienkäfer

    Wie viele Siebenpunktmarienkäfer und wie viele Asiatische Marienkäfer werden gezählt? In Deutschland gibt es ungefähr 70 verschiedene Marienkäferarten. Am häufigsten entdecken wir in Deutschland den einheimischen Siebenpunktmarienkäfer und den Asiatischen Marienkäfer, der erst vor wenigen Jahren vom Menschen eingeführt wurde.

    Vielerorts verdrängt der Asiatische Marienkäfer den Siebenpunkt und andere einheimische Marienkäferarten. Durch die Entdeckungsfrage will der NABU herausfinden, wie weit sich die invasive Art verbreitet hat und welcher Marienkäfer häufiger zu finden ist. In Sachsen hatte der Siebenpunkt bei der Frühsommerzählung im Juni – im Gegensatz zum bundesweiten Ergebnis – die Nase vorn.

    Insekten schaffen es ins Fernsehen

    Der MDR begleitet den Insektensommer übrigens diesmal mit einem Aktionstag zum Auftakt der Zählwoche.

    Am Freitag, 31. Juli, ist der MDR beim „Aktionstag Artenschutz“ im Panometer in Leipzig dabei, wenn der Naturschutzbund Deutschland (NABU) den Startschuss zur bundesweiten Meldeaktion für Insekten gibt und wird über diese Aktion und ihre Ergebnisse auch im weiteren Verlauf berichten. Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung können sich vor Ort über das MDR-Programm zum „Insektensommer“ informieren und Ausschnitte aus MDR- Dokus anschauen. Erstmals gibt es auch die Möglichkeit, sich live vor Ort an einer Umfrage des MDR-Meinungsbarometers „mdrFRAGT“ zu beteiligen. Passend zum Aktionstag geht es um das Thema Insektenschutz.

    Ab 17:30 Uhr gibt es im Panometer-AUDITORIUM populärwissenschaftliche Vorträge vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), außerdem können Gäste eine exklusive Preview der neuen MDR-WISSEN-Doku „Wie geht es unseren Insekten?“ erleben. Im Radio stimmt MDR KULTUR ab 18 Uhr in seiner einstündigen „Spezial“-Sendung auf den Insektensommer und die bundesweite Zählaktion des NABU ein.

    In Großpösna gibt es schon sechs gepflegte Schmetterlingswiesen

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