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BUND Leipzig veröffentlicht Positionspapier: Leipzig muss endlich pestizidfrei werden

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    Der Arbeitskreis Chemie & Umwelt der BUND Regionalgruppe Leipzig veröffentlichte am Montag, 22. November, die BUNDposition „Leipzig endlich pestizidfrei“. Das Positionspapier deckt Schwachstellen der Stadt Leipzig beim Umgang mit chemisch-synthetischen Pestiziden auf. Ziel ist es, auf die verschiedenen Gefahren der Pestizidanwendung einzugehen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

    „Immer noch werden Pestizide großflächig auf Nutz- und Ackerflächen, aber auch im Kleingartenbereich eingesetzt, um vermeintliche Schadinsekten und Unkräuter zu vernichten“, erklärt Adrian Hochkeppel, einer der Autor/-innen der BUNDposition.

    Pestizide, wo man sie nicht vermutet

    Ein weniger bekanntes Problem, auf das der Arbeitskreis Chemie & Umwelt des BUND Leipzig in seinem Positionspapier aufmerksam macht, ist die Verwendung von Pestiziden in Baustoffen wie z.B. Fassadenanstrichen.

    „Die enthaltenen Wirkstoffe wurden teilweise in der Landwirtschaft verboten, sind schwer abbaubar und stellen einen zusätzlichen Stressfaktor für unsere ohnehin schon belasteten Bäche und Flüsse dar“, führt Adrian Hochkeppel fort.

    Dort landen die Stoffe durch eine kontinuierliche Auswaschung und stellen durch ihre wassergefährdenden Eigenschaften und resultierende Mischungseffekte eine ernstzunehmende Gefahr für einzelne Organismen und Lebensgemeinschaften dar. Hier sollte auf bewährte pestizidfreie Alternativen wie Dachüberstände und mikrostrukturierte Fassadensysteme umgestellt werden.

    Auch auf Gehwegen wird noch immer gespritzt

    Auch auf Gehwegen und im Gleisbereich ist ein Umdenken notwendig, denn diese werden häufig mit Pestiziden von unerwünschtem Bewuchs befreit, obgleich die Oberflächen ein geringes Rückhaltevermögen für gespritzte Pestizide haben. Die gesundheits- und umweltschädlichen Stoffe können daher leicht in die Umwelt ausgewaschen werden und bis ins Grundwasser gelangen.

    Die Stadt Leipzig wird deshalb aufgefordert, auf bestehende Kontrollgremien zurückzugreifen, um widerrechtliches Ausbringen von Pestiziden auf Gehwegen zu sanktionieren. Im Gleisbett stellt die Umstellung auf trockenresistenten Bewuchs eine umweltfreundliche Alternative dar.

    „Das Positionspapier ‚Leipzig endlich pestizidfrei‘ macht also deutlich, an welchen Stellschrauben die Stadt Leipzig noch arbeiten muss, um durch einen Pestizidverzicht zur Förderung der Biodiversität und eines gesunden Stadtklimas beizutragen“, so die Autor/-innen.

    Das Positionspapier „Leipzig endlich pestizidfrei“ kann direkt von der Website des BUND Leipzig heruntergeladen werden.

    Leipzig zögert auf dem Weg zur pestizidfreien Kommune

    Leipzig entwickelt sich nicht zuletzt seit 2017 durch den Beitritt zum Bio-Städte-Netzwerk zu einer biodiversen und umweltfreundlichen Großstadt: Schon seit dem Jahr 2015 befindet sich die Stadt durch einen Stadtratsbeschluss „auf dem Weg zur pestizidfreien Kommune“.

    Allerdings sind landwirtschaftlich genutzte Flächen aus diesem Beschluss von vornherein ausgenommen, sodass in der konventionellen Landwirtschaft, in Kleingärten sowie bei Hausmeistertätigkeiten die Anwendung von Pestiziden noch immer gängige Praxis ist.

    Hier fordert der BUND Leipzig, den Verzicht von chemisch-synthetischen Pestiziden in Pachtverträgen festzuschreiben. Kleingartenvereine sollen bei der Fördermittelvergabe an einen Pestizidmittelverzicht gebunden werden. Weiterhin ist eine umfangreiche Aufklärung über die Gefahren, Entsorgung und Konsequenzen der Pestizidanwendung für die Umwelt dringend notwendig.

    Im Positionspapier heißt es zur Landwirtschaft: „Mit der Vergabe von Flächen an ökologische Betriebe könnte sich Leipzig jedoch sehr viel konsequenter zu den genannten Schutzgütern bekennen. Zwar wurde bereits am 17. Oktober 2001 im Ratsbeschluss III-831/01 eine vorrangige Verpachtung landwirtschaftlicher Flächen der Stadt Leipzig für ökologischen Landbau beschlossen, als jedoch erste Pachtverträge ausliefen, wurde mit dem Ratsbeschluss Nr. RB IV-864/07 im Interesse der Bestandspächter gehandelt, und ‚ökologisch‘ mit ‚umweltgerecht‘ gleichgesetzt. Der Begriff ‚umweltgerecht‘ ist dabei genauso wenig definiert wie die ‚Agrarumweltrichtlinien‘.“

    Ausnahmeregelung als Problem

    Der Änderungsantrag IV/A 118/06 führt hierzu aus: „Nunmehr ist es jedoch an der Zeit für eine Gleichbehandlung aller Bewirtschaftungsformen, die auf Grundlage guter fachlicher Praxis stehen, zu sorgen (siehe CDU-Antrag zur Teilaufhebung des Ratsbeschlusses III- 831/01). Eine Anfrage der Grünen Fraktion im Stadtrat Leipzig aus dem Jahr 2019 belegt, dass Pachtflächen seit 2009 nicht öffentlich ausgeschrieben wurden und lediglich 5 von 55 Pachtverträgen mit ökologischer Bewirtschaftung geschlossen worden sind.“

    „Dass die Landwirtschaft im Stadtratsbeschluss von 2015 erneut aus dem Pestizidverzicht ausgenommen wurde, ist aus Sicht des BUND Leipzig nicht gerechtfertigt. Mit der ‚Gesamtkonzeption Landwirtschaft im Stadtgebiet von Leipzig‘, welche derzeit vom Stadtrat erarbeitet wird, muss diese Ausnahme endgültig revidiert und ein konkreter Ausstiegsplan aus der flächenhaften Pestizidausbringung beschlossen werden.“

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