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Pilotprojekt der Volkssolidarität in Lindenau ist erst der Anfang

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    Manchmal in den vergangenen Jahren schien es gerade so, als wäre Sachsens Regierung auch noch stolz auf die demografische Entwicklung und die Tatsache, dass die sächsische Bevölkerung die im Durchschnitt älteste unter allen Bundesländern war. Man hatte ja auch die ganze Politik darauf ausgerichtet: immer weniger Kinder, schrumpfende Bevölkerungszahlen - und immer mehr Alte.

    83,3 Jahre beträgt die Lebenserwartung für neugeborene Mädchen und 77,3 Jahre für neugeborene Jungen, meldet nun seit einiger Zeit das Landesamt für Statistik auf seiner Website. Auch wenn die Zahlen für das Jahr 2012 gelten und die Werte wohl noch weiter gestiegen sind inzwischen. Die „Wende“ ist zumindest den älteren Sachsen gut bekommen – ihre gesundheitliche Betreuung hat sich deutlich verbessert, dafür sind die Arbeitsbedingungen für die meisten Erwerbstätigen weniger gesundheitsschädigend geworden. Auch das wirkt sich lebensverlängernd aus.

    Das lässt sich auch aus der Sterbetafel der Landesstatistiker ablesen. Konnten Männer im Jahr 1995 noch damit rechnen, so im Schnitt 71,44 Jahre alt zu werden, also noch sechs kurze Jahre ihre Rente genießen zu können, ist dieser Wert bis 2012 auf 77,30 Jahre angewachsen. Was natürlich auch Rückwirkungen auf die Rentenkassen hat, denn jetzt waren auch für die Männer auf einmal 12 Jahre Rentenbezug drin.

    Womit sie noch nicht einmal das Niveau der Frauen von 1995 erreicht haben, die damals schon eine durchschnittliche Lebenserwartung von 78,86 Jahren hatten – gemessen am Zeitpunkt der Geburt. Ein Wert, der mittlerweile auf 83,27 Jahre gestiegen ist. Was nicht nur die Beanspruchung der Rentenkassen – und damit der noch im Arbeitsleben stehenden Beitragszahler – verändert.

    Es verändert auch das ganze notwendige Gefüge zur Betreuung und Pflege im Alter, auch dann, wenn die meisten Senioren rüstig sind und wesentlich gesünder und selbstständiger als frühere Rentnergenerationen. Denn trotzdem bleibt ein Anteil von älteren Menschen, die aus verschiedensten Gründen zum Pflegefall werden. Und da die Gesamtgruppe der Senioren wächst, wächst auch die Zahl der Pflegefälle.

    Eine echte Herausforderung für Städte, Wohnungsbauunternehmen und Pflegeeinrichtungen. Am 11. Juli eröffnet die Volkssolidarität Leipzig in Lindenau ihr neues Sozialzentrum, das einen Teil dieser Veränderung schon abbildet – mit 72 Pflegeplätzen im Haus, Plätzen für Tagespflege, Sozialstation und – Thema Mehrgenerationenhaus – 40 Plätzen in der mit untergebrachten Kindertagesstätte „Prisma“. Die Stadtgeschäftsstelle der VS kommt auch noch mit unter.

    Natürlich ist das ein Modell für künftiges Zusammenwohnen in der Großstadt, das noch ganz anders organisiert werden muss als heute. Was übrigens auch ein Schwerpunktthema im wohnungspolitischen Konzept der Stadt Leipzig ist: barrierefreies Bauen ist mittlerweile Pflicht, denn nur so ist Älteren auch ein eigenständiges Leben in der eigenen Wohnung möglich. Aber auch im Verkehr spielt das zunehmend eine Rolle – mit Barrierefreiheit auf allen Fußwegen, Plätzen, Übergängen und in sämtlichen öffentlichen Gebäuden.

    Und da gleichzeitig auch wieder die Zahl junger und jüngster Stadtbewohner wächst, ist auch im privaten Umfeld das Thema von Mehrgenerationenwohnen aktuell.

    Eines scheint zumindest so nicht einzutreten, wie es die sächsischen „Wir schrumpfen uns alt“-Pläne immer ausgemalt haben: Eine zunehmende Vergreisung des Landes. Regional mag das durchaus passieren, wenn die Landespolitik sich nicht ändert. In den Großstädten hingegen kommen alle Aufgaben für alle Generationen in einem Bündel zusammen. Solche Projekte wie jetzt in Lindenau muss es in Zukunft noch viel mehr und mit noch mehr generationenübergreifenden Angeboten geben.

    Statistik des Landesamtes für Statistik zur Entwicklung der Lebenserwartung der Sachsen.

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