Sachsen ist 2014 wieder um fast 9.000 Einwohner gewachsen

Sachsen wächst und wächst. Leipzig sowieso. Aber was wir an dieser Stelle schon akribisch fürs Frühjahr 2014 ausgearbeitet haben, wird jetzt auch fürs ganze Jahr 2014 vom Statistischen Landesamt bestätigt: Sachsen hat kurz vor der 4-Millionen-Marke gebremst und ist 2014 wieder auf Wachstumskurs gegangen. Die Hälfte der "Reformpakete" der Regierung ist Makulatur.

Das war sie vorher schon. Schon vor fünf Jahren hat sich der Bevölkerungsverlust des Freistaats drastisch verringert, war es keine komplette Kleinstadt mit 45.000 Einwohnern mehr, die jährlich „verschwand“. Aber genau mit dieser jährlich schwindenden Kleinstadt waren sämtliche „Reformen“ unterlegt, die die damalige CDU/FDP-Regierung 2010, 2011 und 2012 aufgelegt hat – von der „Hochschulreform“ bis zur „Polizeireform“. Als wäre es ein fröhliches Werk, rasierten die verantwortlichen Kabinettsmitglieder die sächsische Bevölkerung bis 2025 gleich mal auf 3,7 Millionen.

Das wird so nicht kommen. Im Gegenteil. Sachsens Regierung wäre gut beraten, jetzt jedes Jahr wieder eine komplette Kleinstadt mit 45.000 Einwohnern dazu zu zählen. Macht übrigens bis 2025 eine Einwohnerzahl von 4,5 Millionen.

Muss weiter gespart werden?

Polizistenstellen streichen? Lehrer knapp halten? Dozentenstellen wegradieren?

Eine Regierung, die das im Jahr 2015 immer noch tut, hat nichts begriffen. Nicht mal die Dramatik der Lage.

Vielleicht aber sollten auch die sächsischen Landesstatistiker den Einführungstext auf ihrer Website endlich ändern: Im Frühjahr 2014 sind die dramatischen 1990er Jahre endgültig zu Ende gegangen. Die Zeit des Schrumpfens ist vorbei. Und das muss ein statistisches Landesamt auch den regierenden Politikern klar und deutlich ins Gesicht sagen, sonst verstehen sie es einfach nicht. Noch aber steht da: „Am 31. Dezember 2013 lebten im Freistaat Sachsen 4.046.385 Einwohner. Das sind 15 Prozent weniger als Ende 1990. Die Einwohnerzahl in Sachsen schrumpft seit mehr als 50 Jahren. Damals hatte Sachsen etwa 5,5 Millionen Einwohner.“

Der Text war schon 2014 nur noch mit Grimassen zu genießen, denn gerade die beiden Großstädte Dresden und Leipzig zogen auch aus anderen Bundesländern junge Leute an. Zum Studium natürlich. Aber dass Leute in Sachsen studieren, wollte die damalige Wissenschaftsministerin ja nicht, ignorierte einfach die Immatrikulationszahlen und wies 1.043 Vollzeitstellen zur Streichung an: Hinfort damit! Jetzt wird verschlankt!

Die Einschreibungszahlen sind noch immer so hoch, wie sie nach den Prognosen von 2005 und 2009 nie hätten sein dürfen.

Und seit 2014 kommt natürlich die zunehmende Zahl der Flüchtlinge obendrauf, die in Sachsen Zuflucht suchen und finden. Auch sie gehen lieber in die Großstädte, Großstädte sind die Integrationsmotoren des Landes.

Die Städte wachsen

Und so gibt es jetzt endlich auch die amtliche Einwohnerzahl für Leipzig für den 31. Dezember 2014: 544.479. Binnen eines Jahres hat die Stadt Leipzig ihre Bevölkerungszahl um 12.917 Bewohner erhöht. Da ahnt nicht nur der Sozialbürgermeister, was da auf ihn zukommt: noch mehr Kitas, die gebraucht werden, noch mehr Schulen, Sozialwohnungen, Asylbewerberunterkünfte.

Dresden hat nach Leipzig das zweitstärkste Wachstum hingelegt: Von 530.754 wuchs dort die Einwohnerzahl auf 536.306 – ein Plus von 5.554.

Und auch Chemnitz ist seit 2014 wieder auf Wachstumskurs (so ähnlich wie nebenan in Sachsen-Anhalt die Stadt Halle). Von 242.022 wuchs die Bevölkerung auf 243.521 – ein Plus von 1.499. In den drei Großstädten geht jetzt die Post ab – und die Aufgabenberge wachsen.

Die ländlichen Regionen verlieren Einwohner

Die Abwanderung aus den Landkreisen hält an. Auch 2014 haben junge Leute, die es in der zunehmend tristeren Atmosphäre in einigen Regionen nicht mehr aushielten, Sack und Pack geschnappt und sind in die Großstädte umgezogen. Fast alle Landkreise haben wieder einen deftigen Bevölkerungsverlust eingefahren. Einzige Ausnahme: Die Landkreise direkt im Speckgürtel von Leipzig und Dresden: Meißen, Sächsische Schweiz/Osterzgebirge und der Landkreis Leipzig.

Aber das leichte Wachstum dort konzentriert sich auf die Städte, die direkte und gute Anbindungen an die Großstadt haben. Es gibt zwar viele Leute, die gern wieder ins Ländliche ziehen – aber ihre Jobs haben sie fast alle in der Großstadt oder im angrenzenden Wirtschaftsraum. Und so wachsen die alten, bekannten Kandidaten im Landkreis Leipzig: Markkleeberg, Markranstädt, Borna, Rötha und Zwenkau. Wer etwas abseits von Autobahn und S-Bahn liegt, hat Pech, da sinken die Bewohnerzahlen weiter.

Dasselbe in Nordsachsen, nur noch schärfer, denn Schkeuditz und Taucha profitieren direkt vom Leipziger Wachstum – wer weiter weg liegt, verliert weiter an Einwohnerschaft. Tatsächlich haben auch die westsächsischen Landkreise noch kein Mittel gegen den Schwund gefunden, die Landesregierung sowieso nicht. Im Jahr der Heidenau-Krawalle guckt sie so ratlos in die Welt, wie lange nicht mehr.

Dahin kommt man, wenn man ein Land gnadenlos als Schrumpfkandidat behandelt und das Wachstum nicht sehen will, gestalten schon gar nicht.

Aber Sachsen wächst.

Von 4.046.385 binnen eines Jahres auf 4.055.274. Und man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass da bald eine 4,1 Millionen, eine 4,2 Millionen usw. stehen werden. Um 8.889 Köpfe wuchs der Freistaat 2014. Fürs erste Wachstumsjahr nach 24 Jahren der Dürre ein ganz ordentlicher Wert.

Und die kleine Nachricht so nebenbei: Die Zahlen besagen, dass der einstige Regierungsbezirk Leipzig mittlerweile wieder über 1 Million Einwohner hat. Im Dezember 2014 schrammten Leipzig und die angrenzenden Landkreise Nordsachsen und Leipzig knapp an der Marke: Von 986.504 war die Einwohnerzahl von Westsachsen auf 999.168 gestiegen. Natürlich mit Leipzig als dickem Ackergaul vor dem Karren. Bei dem Tempo wird die Million ungefähr im März 2016 gefallen sein.

Und das bedeutet auch, dass sich Wahlkreise künftig noch weiter verschieben werden. Die Rolle der Großstädte im Landtag wird weiter wachsen. Und vielleicht wachsen auch ein paar Politiker heran, die in der Lage sind, das Land in Metropolstrukturen zu denken. Denn die sind längst dabei, die alten, völlig überholten Provinzialstrukturen abzulösen.

Die Bevölkerungszahlen der sächsischen Gemeinden im Dezember 2014.

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