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Leipzig und Dresden haben die Zahl ihrer „Hartz IV“-Bezieher tatsächlich senken können

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    Nach dem Ranking zu den "Hartz IV"-Quoten in deutschen Großstädten gibt's jetzt noch die Zahlen zu den Quoten selbst. Die Frage einiger L-IZ-Leser war ja: Gehen denn die Quoten und die Zahlen in Leipzig überhaupt zurück? Tun sie tatsächlich.

    Auch wenn das Abschmelzen der SGB-II-Quote in Leipzig nur langsam vonstatten geht. 2005 – mit Einführung von „Hartz IV“ – waren in Leipzig 33.650 Menschen als SGB-II-Arbeitslose registriert. Insgesamt waren damals 82.313 Leipziger in 50.288 Bedarfsgemeinschaften registriert. Damals träumte selbst Leipzigs OBM davon, die Zahl bald unter 40.000 Bedarfsgemeinschaften drücken zu können. Das ist nicht gelungen.

    Hauptgrund dafür ist, dass die Langzeitarbeitslosen in Leipzig von der Entwicklung des Arbeitsmarktes kaum profitieren. Vor ihnen stehen noch tausende junge Leute Schlange, die nun seit Jahren in Scharen nach Leipzig ziehen.

    So schmilzt der Sockel der Bedürftigen nur langsam ab. Erst 2010 wurde die Zahl von 47.000 Bedarfsgemeinschaften unterschritten – trotzdem waren noch immer 77.648 Leipziger in den Bedarfsgemeinschaften registriert. Vieles deutet darauf hin, dass der größte Teil der aus der Statistik Verschwundenen tatsächlich einfach in den (vorzeitigen) Ruhestand verschwand.

    2011 wurde die Zahl von 45.000 Bedarfsgemeinschaften unterschritten, 2012 dann die 43.000. Aber seitdem kleckert der Abbau nur noch vor sich hin. Standen Ende 2013 noch 42.487 Bedarfsgemeinschaften in der Statistik, waren es auch im Sommer 2015 noch 42.058. Waren damals 70.731 Leipziger in Bedarfsgemeinschaften registriert, waren es im Juni 2015 noch 70.727.

    Und ähnlich stockt auch der Abbau der Zahl der arbeitslos gezählten SGB-II-Empfänger: 22.068 standen hier Ende 2013 zu Buche. Im Sommer 2015 waren es immer noch 21.453.

    Was dann auch recht langsam abschmelzende SGB-II-Quoten ergibt, wie Paul M. Schröder vom  Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) in grafischer Form hübsch aufbereitet hat.

    Trotzdem hat Leipzig seit dem letzten Platz in diesem „Ranking“ im Jahr 2005 heftig Boden gut gemacht.

    „Im gesamten Beobachtungszeitraum seit 2005 veränderte sich der Rang einzelner Großstädte in diesem Ranking der SGB-II-Quoten ausschließlich innerhalb der jeweiligen Gruppe, genauer: innerhalb der Gruppen 2 und  3. Innerhalb dieser beiden Gruppen haben sich zum Beispiel die Städte Dresden und Leipzig deutlich positiv und die Stadt Essen und Region Hannover deutlich negativ im Ranking innerhalb der jeweiligen Großstadtgruppen B und C entwickelt. Der Abstand zwischen der höchsten SGB-II-Quote in den Großstadtgruppen A und B und der niedrigsten SGB-II-Quote in den Großstadtgruppen B und C ist weiterhin sehr groß“, schreibt Schröder.

    Er hat die Großstädte einfach in drei Gruppen eingeteilt – die, die schon 2005 niedrige SGB-II-Quoten hatten (die reichen Städte – eigentlich sind es sogar nur zwei: München und Stuttgart), die mit mittleren Quoten und die mit hohen. Leipzig hat sich in der dritten Gruppe nach vorn gearbeitet, Dresden in der mittleren.

    Wer sich die Kurven genau anschaut, sieht, dass die Städte in der mittleren Gruppe (SGB-II-Quoten zwischen 11 und 15 Prozent) fast alle stagnieren und seit 2010 praktisch nichts mehr passiert – was eben auch für Städte wie Hamburg, Nürnberg und Köln bedeutet, dass die Langzeitarbeitslosen in einem relativ gesättigten Arbeitsmarkt nicht mehr unterkommen. Nur Dresden ist hier scheinbar an allen vorbeigezogen – die Quote ist deutlich gesunken – von über 15 Prozent auf  11,41 Prozent im Juli 2015. Aber die Vermutung ist wohl berechtigt, das vor allem dem starken Nachwuchsmangel zuzuschreiben, mit dem die ostdeutsche Wirtschaft seit 2010 zu tun hat (Stichwort: halbierte Geburtenraten in den 1990er Jahren), verstärkt durch das starke Bevölkerungswachstum in den wenigen Großstädten, gekoppelt mit dem positiven Beschäftigungsaufbau (vor allem Dienstleistung).

    Ein Dreifach-Effekt, der sich ja so auch in Leipzig bemerkbar macht, was dazu führt, dass Leipzig in der Gruppe der Schwächsten (SGB-II-Quote 16 bis 22 Prozent) seit 2007 deutlich an Boden gut gemacht hat, während Städte wie Dortmund, Düsseldorf oder Bremen entweder stagnierten oder sogar eine wachsende SGB-II-Quote verzeichneten.

    Paul M. Schröder interpretiert zwar den Leipziger Wert aus dem Sommer 2015 von 16,33 Prozent so, dass damit der Letzte aus der mittleren Städtegruppe nicht einholbar sei. Das ist Köln mit einem Wert von 13,44 Prozent. Aber Köln stagniert, während Leipzig seit 2010 immerhin drei Prozentpunkte gut gemacht hat. Was es zumindest in den Bereich des Möglichen rückt, dass Leipzig bis 2020 zur mittleren Gruppe aufschließt.

    Was kein Trostpflaster für die von „Hartz IV“ Betroffenen ist, denn sie werden davon wahrscheinlich nicht profitieren.

    Dafür werden vor allem junge Arbeitsmarkteinsteiger und Zuwandernde an dieser Entwicklung teilhaben.

    Immer mit der Einschränkung, dass diese Entwicklung nachhaltig ist und nicht beim nächsten leichten Konjunktureinbruch in die Binsen geht.

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    1 KOMMENTAR

    1. Für die Senkung von Hartz IV – Haushalten in Leipzig gibt es 2 Gründe:
      – Mindestlohn (Beim Erhalt dieses bei Vollzeitarbeit bekommt man als Alleinstehender kein Wohngeld bzw. muss keine Aufstockung bekommen).
      – Vorzeitiger Ruhestand mit Abzügen, was von den Arbeitsämtern gefordert und durchgesetzt wird.
      Dazu braucht man keine Statistik, das ist persönliche Erfahrung aus dem Lebensumfeld. Das betrifft Leute ungefähr ab Jahrgang 1950, die nur noch prekäre Arbeitsverhältnisse hatten!

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