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Zufriedenheit der Leipziger wächst, außer bei denen, die nicht mehr ausweichen können

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    Wie ist das eigentlich mit der Zufriedenheit in Leipzig? Seit Jahren wird ja mit der Bürgerumfrage auch ein Sammelsurium von Dingen abgefragt, zu denen die befragten Leipziger angeben sollen, wie zufrieden sie damit sind. Früher hingen mal die Angebote an Arbeitsplätzen und Lehrstellen ganz am Ende der Zufriedenheitsskala. 2001 war das noch so.

    Vier magere Zufriedenheitspünktchen gab es damals. 2010 hatte sich das schon geändert. 2015 liegt das Angebot an Lehrstellen mit 51 Prozent Zufriedenheit im vorderen Mittelfeld, die Arbeitsplätze liegen bei 37 Prozent.

    Am zufriedensten sind die Leipziger freilich mit Grünanlagen und Parks (82 Prozent) und dem Ausbau der Naherholungsgebiete (82 Prozent). Die Werte steigen immer weiter, genauso wie die Zufriedenheit mit dem Zustand der Gewässer (74 Prozent). Es ist, als würden die Leipziger vor allem das grüne Drumherum zu schätzen wissen. Das lenkt ab von den Problemen im Alltag.

    Nach wie vor ist das Angebot an Kindereinrichtungen nicht zufriedenstellend. Der Zufriedenheitswert sank seit 2010 von 25 auf 20 Prozent. Der Straßenzustand wird nur mit 9 Prozent honoriert, die öffentliche Sicherheit nur mit 16 Prozent.

    Und auch die Zufriedenheit mit der Luftqualität sank. 2001 – weit vor allen Diskussionen um die Umweltzone – lag sie mal bei 62 Prozent. 2015 ist der Zufriedenheitswert hier auf 56 Prozent gesunken.

    Liegt es wirklich an der dicken Luft?

    Ein anderer Verdacht drängt sich auf: Jahrelang konnten die Leipziger einigen Problem in ihrer Stadt ausweichen, weil es genügend Wohnungen abseits der stark belasteten Verkehrsadern gab. Aber je mehr sich die Stadt füllt, umso mehr Menschen wohnen auch direkt da, wo Lärm und Gestank produziert werden. Da müssen sich die Werte gar nicht geändert haben – die Zahl der Betroffenen ist trotzdem gewachsen. Und diese Betroffenen findet man verstärkt in jenen Bevölkerungsgruppen, die nicht mehr die Spielräume haben, um auszuweichen. Sie müssen – da sie zum Beispiel nicht das Geld haben, um sich ruhiger gelegene Wohnungen zu mieten – die Folgen einer zunehmend engeren Stadt irgendwie aushalten.

    Ergebnis ist, dass sowohl Arbeitslose wie auch Rentner mit den kommunalen Lebensbedingungen deutlich unzufriedener sind als Erwerbstätige oder Schüler und Studenten.

    Das betrifft dann auch solche Sachen wie die Einschätzung der Luftqualität, bei Arbeitslosen dann freilich auch viel stärker noch das Arbeitsplatzangebot. Gerade für Langzeitarbeitslose gibt es in Leipzig so gut wie keine Einstiegsangebote, während die Bundesagentur die Sanktionsmaßnahmen immer weiter verschärft – das dürfte bei vielen Betroffenen mittlerweile ein tiefsitzendes Bedrohungsgefühl auslösen. Dafür interessiert Arbeitslose der Straßenzustand eher nicht und auch das ganze Trara um die Sicherheitslage.

    Die spielt hingegen bei den Senioren die größte Rolle – sie sind mit der Sicherheitslage flächendeckend unzufriedener. Verblüffenderweise finden sie dafür das Kita-Angebot besser als es die jüngeren Leipziger einschätzen.

    Was dann wieder jenen Aspekt der Umfrage beleuchtet, in dem es um die Rolle der Medien geht. Was bei der Frage nach den größten Problemen der Stadt noch viel deutlicher wird. Wenn dauerhaft Sicherheitsprobleme die Schlagzeilen dominieren (selbst wenn es mit der faktischen Kriminalitätsstatistik nichts zu tun hat), verändert das zwangsläufig die Wahrnehmung der Menschen, die diese Alarmmedien dauerhaft konsumieren – und dazu gehören nicht nur zwei boulevardeske Zeitungen in Leipzig, sondern eine völlig unkritische Radio- und TV-Landschaft, die die Hatz nach „schnellen, heißen Nachrichten“ noch viel unüberlegter treiben.

    Aber zu den – wirklichen oder unwirklichen – Problemen der Leipziger kommen wir gleich an dieser Stelle.

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