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Warum die Durchschnittseinkommen in Leipzig sanken, obwohl die Erwerbstätigenzahl weiter wuchs

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    Wenn man begreifen will, warum Leipzig auch im Jahr 2016 noch immer die „Armutshauptstadt“ Sachsens ist, obwohl in keiner anderen Stadt so viele neue Arbeitsplätze entstehen und die Bevölkerung derart fulminant wächst, dann hilft immer ein Blick auf Pendlerbewegung und Wanderungsverhalten. Denn nicht nur innerhalb Leipzigs driften die Lebenswelten auseinander. Am 18. Oktober hat das Statistische Landesamt mal wieder neue Zahlen zum Einkommen veröffentlicht.

    Sie widersprechen auf den ersten Blick völlig denen, die die Stadt Leipzig jedes Jahr im Gefolge der Bürgerumfrage veröffentlicht. Danach sind die persönlichen Nettoeinkommen seit 2010 permanent im Aufwind.

    Die Landeszahlen widersprechen dem aber deutlich. Danach liegt Leipzig nicht nur am Ende aller Landkreise und Kreisfreien Städte in Sachsen, was das Netto-Einkommen betrifft. Seit 2010 ist der Wert sogar noch gefallen.

    „Das Verfügbare Einkommen je Einwohner in Sachsen betrug 2014 insgesamt 18.158 Euro und damit 1,6 Prozent bzw. 279 Euro mehr als im Vorjahr“, melden die Landesstatistiker in Bezug auf die Landeswerte. „An der Spitze der sächsischen Kreise lagen die Pro-Kopf-Einkommen im Landkreis Leipzig (19.319 Euro) und in Meißen (19.013 Euro). Die niedrigsten Einkommen je Einwohner wurden mit 16.542 Euro in der Stadt Leipzig erzielt. Im Vergleich zu 2013 konnte in allen sächsischen Kreisen mit Ausnahme der Stadt Leipzig ein Anstieg der Pro-Kopf Einkommen festgestellt werden. Der Landkreis Görlitz mit einem Plus von 2,5 Prozent je Einwohner verbuchte gegenüber dem Vorjahr die deutlichste Erhöhung.“

    Und dann der Blick auf dieses Leipzig mit seiner völlig gegenläufigen Entwicklung: „Im Gegensatz dazu verringerte sich das Verfügbare Einkommen je Einwohner in der Stadt Leipzig um 0,6 Prozent. Insgesamt betrug das Volumen der sächsischen Verfügbaren Einkommen 73,6 Milliarden Euro und damit 1,6 Prozent mehr als 2013. In den Kreisen reichte die Spanne der Zuwächse von 1,8 Prozent im Landkreis Nordsachsen bis zu 1,4 Prozent im Vogtlandkreis.“

    In Leipzig wurden übrigens 8,9 Milliarden Euro an Einkommen erzielt, 6,8 Prozent mehr als 2010. Und trotzdem sank der Durchschnitt pro Kopf, weil die Einwohnerzahl (+ 8 Prozent) und auch die Erwerbstätigenzahl am Wohnort (+ 14 Prozent) stärker stiegen als die verteilbaren Einkommen.

    Wie kann das sein?

    Einer der Gründe ist, dass der Hauptzuwachs in der Leipziger Wirtschaft mindestens bis 2014 vor allem in prekären und Teilzeitbeschäftigungen erfolgte. Bis 2014 war Leipzig auch die „Hauptstadt“ der prekären Beschäftigung, der Teilzeit und der Leiharbeit in Sachsen. Das hat sich erst 2015 (auch durch den Mindestlohn) ein wenig geändert.

    So betrachtet, ist diese Statistik natürlich auch ein Blick in die Vergangenheit. Ob das Jahr 2015 freilich schon eine größere Veränderung bringt, ist noch nicht klar. Denn nach wie vor entstehen die meisten Arbeitsplätze in Leipzig im deutlich niedriger bezahlten Dienstleistungsbereich. Und selbst die Angaben der Stadt Leipzig zu den Einkommensverteilungen in Leipzig 2015 zeigen, dass rund die Hälfte der Leipziger noch immer im Bereich von prekären Einkommen lebt. Trotz Mindestlohn.

    Dass das Gefälle zum Landkreis Leipzig so groß ist und immer weiter wächst, hat natürlich damit zu tun, dass gerade Besserverdienende ihre Wohnsitze schon seit Jahren in die eher grüne Peripherie verlegen. Das ist kein neuer Trend, aber er hat sich in den letzten beiden Jahren noch verstärkt, so dass der Landkreis Leipzig gegenüber Leipzig einen wachsenden Wanderungssaldo verbuchen kann. Die Personen, die nun lieber in Markkleeberg, Borna oder Großpösna wohnen, bilden einen nicht unbeträchtlichen Teil jener Pendler, die sich morgens und abends auf dem Leipziger Ring treffen und sich darüber ärgern, dass die Kreuzungen verstopfen.

    Oder mit den Worten der Statistiker: „Ein Vergleich der Verfügbaren Pro-Kopf Einkommen mit den am jeweiligen Arbeitsort erzielten Bruttolöhnen und -gehältern zeigt, dass die in den Kreisfreien Städten erreichten höheren Verdienste der Arbeitnehmer durch den Transfer des Einkommens der Pendler auch in die Umlandkreise gelangen. Zu berücksichtigen ist auch der Einfluss der Einwohnerzahl, die im Vergleich zu 2013 nur in den Kreisfreien Städten und am deutlichsten in der Stadt Leipzig angestiegen ist.“

    Eine ganz ähnliche Rolle spielt der Landkreis Meißen für die Stadt Dresden.

    Die komplette Mitteilung des Landesamtes für Statistik zu den Einkommen 2014.

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