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Wie der Leipziger Wohnungsmarkt den Bevölkerungszuwachs ausgebremst hat

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    Die großen Wahlen sind überstanden. Das Leipziger Amt für Statistik und Wahlen fasst wieder Tritt und nimmt seine so wichtige Publikationstätigkeit wieder auf. Und dazu gehört auch die Veröffentlichung der Quartalsberichte, die nicht nur rückblickend alle wichtigen Quartalszahlen versammeln, sondern in Spezialbeiträgen auch das Wohl und Wehe der Stadt etwas näher beleuchten. Zum Beispiel die Einwohnerentwicklung, die sich so schwer berechnen lässt.

    Der am Montag, 22. Juni, vorgestellte Statistische Quartalsbericht IV/2019 nimmt neben den gängigen Kennzahlen zu Leipzig unter anderem auch die Einwohnerentwicklung der Stadt in den Blick. Zum Jahresende lag die Bevölkerungszahl demnach bei 601.668. Das entspricht einer Zunahme im vierten Quartal um 2.746 Einwohner. Die Zahl macht deutlich: Das Wachstum der Stadt hat sich 2019 vor allem durch eine steigende Zahl an Fortzügen in das Umland etwas abgeschwächt.

    Die jüngste Bevölkerungsschätzung vom November 2019 nimmt diese Tendenz bereits auf. Der demnach zu erwartende Bevölkerungsanstieg auf 665.000 Bürger im Jahr 2040 zeugt von einem Pfad nachhaltigen Wachstums, formuliert es die Stadt.

    Über den üblichen Redakteuren, die seit Jahren Leipzig gern als wachstumsstärkste Stadt in Deutschland verkaufen, nimmt Dr. Andrea Schultz gleich mit einer kleinen Auflistung den Wind aus den Segeln: 2014 war Leipzig zum letzten Mal die deutsche Großstadt mit dem höchsten relativen Bevölkerungswachstum. „Aktuelle Vergleichszahlen liegen noch nicht vor“, schreibt sie. „Für 2018 landet Leipzig im Großstadtvergleich nunmehr noch auf Rang 7 (hinter Offenbach, Ludwigshafen, Potsdam, Ingolstadt, Regensburg und München.“

    „In diesen Regionen ist Leipzig freilich seit Jahren zu finden“, sagt die Statistikerin.

    Das Nicht-mehr-Erster-Sein ist so schlimm nicht. Den Leipziger Oberbürgermeister ließ das ja sogar aufatmen, denn um bis 2030 die noch vor vier Jahren prognostizierten 720.000 Einwohner unterzubringen, hätte die Stadt ein Investitionsprogramm auflegen müssen, das mit den vorhandenen Haushaltsgeldern und Baufirmen nicht umsetzbar gewesen wäre.

    Das Problem geht ja schon beim Wohnungsbau los, der den eigentlichen Bedarfen schon seit Jahren hinterherhinkt. Nicht weil die Investoren nicht gern bauen würden. Aber die meisten Investoren sind an einer Stelle eben doch noch vernünftig: da, wo sie den Markt untersuchen und merken, dass es in Leipzig auch 2020 nicht genug Interessenten gibt, die sich Quadratmetermieten von 10 Euro aufwärts leisten können.

    Das ist das Schöne an diesem zwar recht schlanken, aber dennoch informativen Quartalsbericht: Er bringt einige Zahlen zusammen, die aus völlig verschiedenen Blickwinkeln zeigen, warum Leipzig nicht mehr so stark wächst wie 2015 und 2016. Der Wohnungsmarkt gehört zwingend dazu. Der wird mit einer kurzen Meldung zu einem Gutachten der Bundestagsfraktion Die Linke kurz gestreift, die einmal alle Mietspiegel aus 397 Städten über 20.000 Einwohner aus den Jahren 2013 bis 2018 untersuchen ließ. Und Leipzig landete dort mit einem Durchschnittswert von 4,98 Euro/Quadratmeter unter den 20 preiswertesten Städten Deutschlands.

    Logisch: Da waren die deutlichen Mietpreisanstiege der letzten Jahre noch nicht drin. Seit der Wohnungsleerstand in Leipzig 2018 deutlich unter 2 Prozent gefallen ist, ist der Wohnraum auch in Leipzig knapp geworden. Und trotzdem bleiben Münchner oder Berliner Mieten Utopie. Denn die meisten Vermieter kennen ihre Mieter sehr genau und wissen, dass sie viel mehr als die 5 Euro oft gar nicht nehmen können.

    Denn obwohl die Arbeitslosigkeit deutlich gesunken ist auf den historischen Tiefstand von 5,9 Prozent im Dezember 2019, liegt das Einkommen der meisten Leipziger immer noch im Niedriglohnbereich. Es fehlen schlicht die großen Unternehmen, die auch Löhne zahlen können wie in München oder Stuttgart.

    Im Ergebnis ist der Wohnungsmarkt in Leipzig zwar dicht, das Mietniveau aber im Durchschnitt weiter niedrig. Andrea Schultz zeigt in ihrem Beitrag „Erste aktuelle Trends zur Einwohnerentwicklung“ dann auch mit Zahlen untersetzt, was das fürs Bevölkerungswachstum bedeutet, das ja 2019 schon deutlich gebremst war.

    Und weil Leipzig seit 2009 um rund 100.000 Einwohner/-innen vor allem deshalb wuchs, weil so viele (junge) Menschen in die Stadt zogen, ist natürlich die Frage: Wo bleiben diese Zuzügler jetzt?

    Etliche Tausend ziehen (auch gezwungenermaßen) ins direkte Leipziger Umland. Hatte Leipzig schon 2018 mit den beiden Landkreisen Nordsachsen und Leipzig einen negativen Wanderungssaldo von 449 und 1.049, so ist dieser Bevölkerungsverlust der Großstadt an die beiden Landkreise 2019 noch weiter gewachsen – auf 1.270 bzw. 1.433 Menschen, die mehr ins Umland zogen als aus dem Umland in die Stadt. Möglich, dass sie dort in neu entstehende Einfamilienhäuser zogen, möglich auch, dass sie den noch vorhandenen Wohnungsleerstand nutzen. Die meisten suchen sich Wohnungen in S-Bahn- oder Autobahnnähe, denn ihren Arbeitsmittelpunkt haben sie fast alle in der Großstadt.

    Davon, dass Leipzig derzeit die Grenzen seines Wachstums erreicht zu haben scheint, profitieren also die Landkreise.

    Aber es gibt noch mehr Gründe, warum das Wachstum gebremst ist. Davon mehr im nächsten Beitrag zum aktuellen Quartalsbericht.

    Leipzigs Verwaltung rechnet bis 2040 mit 665.000 Einwohnern

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