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Sachsen sind immer noch Meister im Trennen von Abfällen und der Freistaat geht endlich Schritte in Richtung Zero Waste

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    Zu Müll und Abfall gibt es ja oft genug regelrechte Unfugmeldungen. Selbst dann, wenn die Ursprungsmeldung wie hier aus dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) ganz nüchtern und simpel war: „Ende vergangener Woche wurde die Abfallbilanz für den Freistaat Sachsen vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Dresden veröffentlicht. Die Zahlen zeigen einen leichten Anstieg beim Haushaltsmüllaufkommen pro Kopf im Freistaat.“

    Das ist so ein typischer Cliffhanger, bei dem ein Schnelle-News-Redakteur nach Atem schnappt und seine Meldung ruckzuck fertig hat: „Sachen verursachen immer mehr Abfälle“. Oder so ähnlich. Dabei stand schon im ersten Absatz, was da im fernen Jahr 2019 (um das es hier eigentlich geht) tatsächlich geschah: „Sachsens Haushalte haben im Jahr 2019 rund 1,38 Millionen Tonnen Abfälle erzeugt. Das entspricht 339 Kilogramm Haushaltsabfällen pro Kopf und damit fünf Kilogramm mehr als im Vorjahr. Der Trend geht zu mehr Bioabfall.“

    Genauer: „Erfreulich ist, dass pro Einwohner vier Kilogramm mehr Bioabfälle gesammelt wurden und die Restabfälle um ein Kilogramm pro Einwohner zurückgegangen sind.“ Das heißt: Die Sachsen schmeißen weniger in den allgemeinen Hausmüll, entsorgen dafür Bioabfälle gezielter in die Biotonne.

    Was Volkmar Zschocke, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Sächsischen Landtag, zu der Aussage bringt: „Sachsen kann Zero Waste! Wir Bündnisgrüne setzen uns bereits seit einigen Jahren dafür ein, dass wir eine Landesstrategie für eine echte Kreislaufwirtschaft etablieren. Ich freue mich daher, dass das Landesumweltamt jetzt genau daran arbeitet. Mit fachkundiger Unterstützung kann es aus der sächsischen Wirtschaft rechnen, denn viele Unternehmen haben sich bereits auf den Weg gemacht, ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Zudem sollten die Kommunen, Verbände der privaten Entsorgungswirtschaft und Umweltorganisationen eingebunden werden.“

    Die meisten Verbraucher haben das eigentlich längst verinnerlicht und trennen ihren Müll schon gewohnheitsmäßig in die gelben, blauen, braunen und schwarzen Tonnen, schleppen den Sperrmüll und die kaputten Elektrogeräte zum Wertstoffhof, die alten Kleider zum Kleidercontainer und trennen auch ihr Glas brav nach Farben.

    Und sie gehen davon aus, dass das alles dann ordentlich recycelt und wieder verarbeitet wird.

    Zu Unrecht, wie wir wissen.

    Das hat auch der Freistaat Sachsen lange hingenommen. Und es musste wohl auch bei diesem Thema erst einen Ministerwechsel im Umweltministerium geben, damit das endlich angepackt wurde. Auch Sachsen kann es sich nicht leisten, dass die werthaltigen Abfälle entweder verbrannt, exportiert oder einfach deponiert werden und damit dem eigentlich beabsichtigen Kreislaufsystem gar nicht zur Verfügung stehen. Die Strategie, daraus endlich wirklich ein „Zero Waste“ zu machen, ist erst im November 2020 gestartet.

    Nähere Informationen dazu findet man hier.

    „Um unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten, müssen wir den Raubbau an der Natur beenden und unseren Ressourcenverbrauch deutlich reduzieren. Das lässt sich zum Beispiel durch Anpassungen im Produktdesign, Fokus auf Langlebigkeit und Möglichkeit der Reparatur von Produkten sowie der Verwendung von nachwachsenden und recycelten Materialien ermöglichen. Wir müssen geschlossene Kreisläufe von natürlichen und technischen Stoffen erreichen, damit Abfälle nicht mehr verbrannt oder deponiert werden müssen“, betont Volkmar Zschocke dazu.

    „Der Freistaat verfügt über eine leistungsfähige Kreislaufwirtschaftsbranche. Mithilfe der landesweiten Strategie und überprüfbaren Zwischenzielen können wir große Schritte in Richtung Zero Waste gehen. Ich sehe zum Beispiel Potential in der Optimierung von Abfallströmen und -wegen, höherwertige Verwertung von Bioabfällen oder der Reduktion von Lebensmittelabfällen. Auch europäische Rahmenbedingungen spielen eine wichtige Rolle: Das Recht auf Reparatur muss durchgesetzt werden, um der vorzeitigen Entsorgung von Geräten aufgrund eines defekten Bauteils vorzubeugen.“

    Der Weg hat noch nicht einmal richtig begonnen, auch wenn es etwa in Leipzig die ersten Reparaturläden auch für Elektronikgeräte gibt.

    Und so wie die Nachricht dann in die Ticker und ins Straßenbahn-TV wanderte, stimmte sie hinten und vorne nicht. Auch weil die Staatsregierung gern von „den Sachsen“ spricht, obwohl die Zahlen etwas völlig anders erzählen und nur bedingt etwas über das private Konsumverhalten.

    Aber das liest man dann nur im erläuternden Text des Berichtes: „Restabfälle aus privaten Haushalten und Kleingewerbe werden gemeinsam bilanziert, da diese Abfälle in der gemeinsamen Restabfallsammeltour abgefahren werden. Eine nachträgliche Trennung der Abfallmengen nach Haushalten und Kleingewerbe ist nicht möglich. Das heißt, ein hohes einwohnerspezifisches Aufkommen an Restabfällen ist nicht gleichbedeutend mit einem geringeren Umweltbewusstsein der Bürger, sondern kann auch auf einen höheren Anteil an kleingewerblichen Betrieben und die stärkere Nutzung der öffentlichen Abfallentsorgung durch diese Betriebe zurückzuführen sein, wie z. B. in den Kreisfreien Städten Leipzig und Dresden.“

    Was im Klartext heißt: Wenn Leipzig und Dresden in der Statistik mit den Restabfällen so deutlich an der Spitze liegen, erzählt das eher etwas über das Wirtschaftswachstum (mit dem daraus folgenden Abfallaufkommen) in diesen beiden Städten, die hier mit 136 und 132 Kilogramm Restabfällen pro Kopf deutlich vorn liegen, als über das private Konsumverhalten.

    Aber der Knackpunkt ist und bleibt: Was passiert mit den Abfällen, nachdem sie abgegeben wurden?

    Über die notwendige Kreislaufwirtschaft wird in Deutschland seit 20 Jahren geredet – aber dennoch hat selbst der Gesetzgeber Schlupflöcher geschaffen, dass selbst Verbrennung und Müllexport als „Verwertung“ gezählt werden dürfen. Das muss sich schleunigst ändern, um endlich wirklich zu erreichen, dass alle wertvollen Stoffe im Kreislauf bleiben und nicht die Umwelt verseuchen.

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