Steigt die AfD bald aufs Fahrrad um? Denkbar wäre es, denn die von der Partei genutzten Autos sorgen immer wieder für Aufregung. Am Wochenende war ein AfD-Wagen mit fragwürdigem Kennzeichen auf dem Schönauer Parkfest in Grünau erschienen. Die anschließenden Erklärungsversuche widersprachen sich zunächst. Mittlerweile bestätigt die Stadt Leipzig die AfD-Version. Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Nummernschild der Leipziger AfD Fragen aufgeworfen.

Was muss passieren, damit sich der Kreisverband der Leipziger AfD „vehement von rechter Gesinnung“ abgrenzen muss? Im konkreten Fall reicht es offenbar schon aus, mit einem Auto und fragwürdigem Kfz-Kennzeichen beim Schönauer Parkfest in Grünau aufzufahren. Genau das ist am Sonntag passiert.

Mehrere Besucher, darunter Sören Pellmann, Vorsitzender der Linksfraktion im Stadtrat, waren auf den in AfD-Farben lackierten Wagen mit dem Kennzeichen L-AH 1818 aufmerksam geworden. In der Naziszene sind sowohl „AH“ als auch „18“ ein Code für die Verehrung von Adolf Hitler. Die Zahlen 1 und 8 stehen dabei für die Stelle der Buchstaben im Alphabet. Pellmann kommentierte sein auf Twitter veröffentlichtes Foto mit der Frage: „Wie war das bei der AfD – keine Nazis? Keine Faschisten?“

Der Kreisverband der AfD ging auf Facebook noch am Sonntag zum Gegenangriff über: „Unsere Freunde aus dem linken Spektrum hetzen wieder was das Zeug hält und sehen wieder überall Nazis, wie paranoid. Bald müssen sich noch alle Menschen entschuldigen die am 20.04. Geburtstag haben!“ Bei den eigenen Anhängern und Sympathisanten kam diese Stellungnahme jedoch nicht sonderlich gut an. Einige Kommentatoren bewerteten ein solches Nummernschild als problematisch und politisch unsensibel. Kurze Zeit später löschte die AfD den Facebookpost. Warum sie das tat, wollte sie auf Anfrage nicht beantworten.

Es folgten verschiedene Erklärungsansätze seitens der AfD. Auf der Facebookseite der Stadtratsfraktion war zu lesen, dass das Auto einer Astrid H. gehören soll. Dem widersprach jedoch ein Artikel auf vice.de, wonach der sächsische Generalsekretär Uwe Wurlitzer erklärt hätte, dass das Auto „weder dem Landes- noch dem Leipziger Kreisverband, sondern dem Leipziger Kreisvorsitzenden Siegbert Droese“ gehöre. Die Leipziger AfD wiederum schrieb anschließend auf Facebook, dass Wurlitzer der VICE mitgeteilt hätte, dass ihm der Besitzer des Autos nicht bekannt sei.

Linke-Fraktionschef Sören Pellmann bemerkte das AfD-Auto. Screenshot: L-IZ.de
Linke-Fraktionschef Sören Pellmann bemerkte das AfD-Auto. Screenshot: L-IZ.de

Auf eine offizielle Version der Geschichte konnte man sich offenbar erst am Montagabend einigen. In einer Pressemitteilung erklärte Droese, dass der Wagen keinem AfD-Mitglied gehöre, nur zu PR-Zwecken überlassen worden sei und die Buchstaben auf die Initialen des ursprünglichen Halters verwiesen. Mit Nazis habe man nichts am Hut.

Die L-IZ bat die AfD um einen Nachweis für ihre Version. Pressesprecher Ralf Nahlob lehnt dies „aus datenschutzrechtlichen Gründen“ ab. Vermutlich erübrigt sich ein solcher Nachweis sowieso: Das Ordnungsamt hat die AfD-Version mittlerweile bestätigt – entsprechend äußerte sich auch die Stadt Leipzig am Dienstagvormittag über ihren Twitter-Account.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die AfD mit einem Nummernschild für Aufregung gesorgt. Anfang Februar 2015 war der Journalist Marcus Engert auf ein Inserat im Internet aufmerksam geworden. Die AfD bot ein mit Parteifarben und -botschaften überzogenes Auto zum Kauf an – das Kennzeichen lautete L-GD 3345. Zahlreiche Kommentatoren vermuteten einen Zusammenhang zum Nationalsozialismus (Großdeutschland, 1933-1945).

Urheber des Inserats war Kreischef Droese. Er erklärte damals, dass der Wagen keinem AfD-Mitglied gehöre, nur zu PR-Zwecken überlassen worden sei und die Buchstaben auf die Initialen des ursprünglichen Halters verwiesen. Mit Nazis habe man nichts am Hut.

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Das ist ja ne spaßige Truppe. Rassisten ne Krawatte umzuhängen und in einen Anzug zu stecken macht die eben auch nicht schlauer als die glatzköpfigen Strassenkämpfer. Dem einen sieht mans auf den ersten Blick an, bei dem anderen muss man halt warten, bis er redet. Das Ergebnis bleibt das selbe.

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