Eine skurrile Abstimmung

Der Stadtrat tagt: Keine neue Schwimmhalle für Leipzig Ost + Audio

Für alle Leipziger5.200 Quadratmeter soll sie auf dem Otto-Runki-Platz mit sechs 25-Meter-Bahnen umfassen, eine dennoch sehr kleine Fläche, wie Bürgermeister Heiko Rosenthal heute betonte. Und er bat darum, diesen Neubau nicht mit zu vielen Erwartungen zu überfrachten. Dennoch freue er sich, heute überhaupt einen Neubau vorschlagen zu können. Und eine Art Stadtteilpark in der Schulze-Delitzsch-Straße gleich mit. Denn für die Versiegelung des Runki-Platzes müsse ein Ausgleich geschaffen werden – hier also zum Beispiel am Parkbogen Ost. Heute sollte wenigstens der Planungsstart durch den Stadtrat erfolgen.

Die Debatte zur Schwimmhalle auf dem Otto-Runki-Platz zum Nachhören

 

Kommt die Schwimmhalle, wird der Otto-Runki-Platz versiegelt, wofür die Stadt eine Ausgleichsfläche schaffen muss. Diese könne so gewählt werden, dass geplante Grünverbindungen gestärkt werden, zum Beispiel im Umfeld des geplanten Parkbogens Ost. So wäre alles eitel Sonnenschein für Rosenthal, wäre da nicht der beständig steigende Bedarf und die fehlenden kommunalen Flächen. Adam Bednarsky (Die Linke) stellte nochmals klar, dass es längst zwei Schwimmhallen mit 25-Meter-Bahnen benötige. Tendenz weiter steigend, denn die Bevölkerung wächst – der Druck auf die Freizeitbäder auch. Logisch demnach, dass Bednarsky sich vom Neubau mehr als eine schnöde Schwimmhalle erhofft.

Deshalb wollten die Linke und die SPD mit ihrem Ergänzungsantrag erreichen, dass der Schwimmhallenbau besser in mehreren Etagen möglich wäre. Sebastian Walther (SPD) verstärkte mit seiner Rede den Wunsch nach einer nochmaligen Neuplanung auf dem Runki-Platz als mehrgeschossige Variante. Ein Einkaufsmarkt, Spielbereiche, eine Zuschauertribüne – Vieles sei möglich und hier mitzudenken. Linke und SPD verlangten so von der Verwaltung, den Bauplan nochmals neu zu denken. Die Variante 2 – eine Tieferlegung der Halle – lehne die SPD jedoch ab, so Walther.

Also soll es mehr in die Höhe gehen, will man mehrstöckig bauen. Tim Elschner (Die Grünen) vertrat nochmals die Variante einer unterirdischen Schwimmhalle und dadurch den Erhalt des Platzes als Platz. Denn dann wäre praktisch der Otto-Runki-Platz weiterhin begeh- und begrünbar. Kostentechnisch allerdings wohl eine Variante, die nicht zwingend preiswert werden könnte.

Jens Lehmann (CDU). Foto: Michael Freitag

Jens Lehmann (CDU, rechts hinten). Foto: Michael Freitag

Jens Lehmann (CDU) begrüßte für seine Fraktion wie alle anderen ebenfalls den Bau der Schwimmhalle. Gegen den Vorschlag sprächen jedoch die Lage der Halle, welche für die CDU eher schon Innenstadt wäre, für die Bewohner weiter östlich schwer zu erreichen. Die CDU hat ein weiteres Objekt ins Auge gefasst, die alte Feuerwache Ost in der Theodor-Neubauer-Straße. Hier würde die Phantasie der Stadt allerdings nur zur Lagerung von Geräten der Stadtreinigung reichen, so Lehmann. Ansonsten würden die zusätzlichen Wünsche das Projekt eh überfrachten. Man würde alle Vorschläge, die Vorlage der Stadt, die Änderungen der Linken und SPD ablehnen.

Michael Schmidt (Die Grünen) wurde deutlich. Er erwarte von der Stadt, dass sie sich als Besitzer des Grundstückes hier mit der Stadtbäder GmbH darüber verständigen könne, dass anders gebaut würde. Dies alles kostet auch Zeit, wies OB Burkhard Jung auf die Planungshorizonte hin. „Wir überfordern das Projekt“, mahnte der OB und schlug dennoch vor, den Änderungsvorschlag der Linken und SPD zu übernehmen und die Mehrstöckigkeit noch prüfen zu lassen. Dem Wunsch der Grünen erteilte Jung vor der Abstimmung eine Abfuhr. Die unterirdische Variante ließe sich garantiert nicht darstellen, so der OB Richtung Grünen-Fraktion.

Margitta Hollick (Die Linke). Foto: Michael Freitag

Margitta Hollick (Die Linke). Foto: Michael Freitag

Im Anschluss dann die Überraschung. 30 dagegen, 28 dafür – damit war die Vorlage gesamt abgelehnt, die Schwimmhalle auf dem Runki-Platz war erst einmal vom Tisch, nachdem die Grünen und die CDU dagegen gestimmt hatten. Die Grünen erklärten im Anschluss durch Michael Schmidt zur Überraschung aller anderen Fraktionen im Saal, dass sie erwarten, dass die Verwaltung einen neuen Standort vorschlägt. Dann wurde es laut. Margitta Hollick trat ans Mikrophon und ließ ihrer Verärgerung freien Lauf. Die Gegend um den Runkiplatz sei mit fünf Grundschulen und dem höchsten Nichtschwimmeranteil in Leipzig auch durch die Migranten genau die richtige Wahl gewesen. Dies half alles nichts mehr – nun ist die Stadtverwaltung erst einmal beauftragt, einen neuen Standort vorzuschlagen.

Dies kann dennoch wieder der Runki-Platz sein, allerdings unter der Suche nach weiteren Standorten. Heute ist der Planungsbeschluss jedoch durchgefallen. In einer Erklärung gegenüber L-IZ.de machte Schmidt (Grüne) nochmals deutlich, dass die Grünen-Fraktion mit der Standortsuche allgemein nicht zufrieden und mit dem Vorschlag der Verwaltung nicht einverstanden gewesen sei.

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