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Die Linksfraktion macht jetzt die Wieder-Verdichtung der Großwohnsiedlungen zum Thema

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    Während die CDU sich vor allem um die Großwohnsiedlungen sorgt, hat sich auch die Linksfraktion bei der Hinterfragung des Wohnungspolitischen Konzepts diesem Thema angenähert. Aus einer etwas anderen Richtung. Denn gerade die Plattenbausiedlungen waren ja noch vor zehn Jahren Schauplätze für „Rückbau“, also Abriss. Große Brachen künden noch davon.

    In einem ergänzenden Änderungsantrag zur Vorlage „Fortschreibung Instrumente und Maßnahmen des Wohnungspoltischen Konzepts“ soll deshalb nach dem Wunsch der Linksfraktion auch eine Stadterneuerungsstrategie verankert werden, die im Bevölkerungswachstum die Lebenswirklichkeit widerspiegelt, erklärte vor wenigen Tagen Stadtrat Siegfried Schlegel, Sprecher für Stadtentwicklung und Bau.

    Danach soll Leipzig unter den Bedingungen des Bevölkerungswachstums wieder aus seinen städtischen und Siedlungskernen heraus wachsen. Jenen Kernen also, die man vor zwölf Jahren als Kerne in der Schrumpfungspolitik ausgemacht hatte. Damals übrigens auch gegen den geharnischten Protest der Wohnungsgenossenschaften, die nun einmal ihre Wohnungsbestände nicht alle im Kern dieser Gebiete haben.

    Für Schlegel wäre dieser Ansatz eine Umkehr der Stadterneuerungsstrategie, wie sie 2007 unter den Bedingungen der damaligen Bevölkerungsschrumpfung beschlossen wurde. Damals verfolgte der Freistaat das Ziel, die Kommunen von außen nach innen zu schrumpfen. Was in wirklich „geschrumpften“ Neubaustädten der DDR – etwa in der Lausitz – durchaus Sinn machte. Denn wenn man die Großwohnsiedlungen am Rand dieser Städte abriss und die Kerne wieder dichter bewohnen ließ, konnte man auch teure Infrastrukturen für Wasser, Heizung, Gas und Strom zurückbauen. Das entlastete dann auch die örtlichen Stadtwerke.

    Die Leipziger Stadtwerke gingen auf das Planspiel nur kurzzeitig ein. Dann winkten sie ab. Man konnte zwar große Wohnblöcke wegreißen oder die Grünauer Punkthochhäuser wegnehmen, aber man konnte keinen einzigen Wohnkomplex in Gänze wegreißen. Also konnte man auch keine Leitungen kappen, auch wenn deren Kapazitäten eher für 100.000 Menschen gedacht waren als nur für 40.000.

    Aber genau deshalb, weil dieser flächenhafte Rückbau in Leipzig nicht ging und die Wohnblöcke (wenn auch oft mit vergleichsweise hohem Leerstand) stehen blieben, ergibt das natürlich die Chance für eine neue Verdichtung.

    Das Wort nimmt Siegfried Schlegel nicht in den Mund. Dorothee Dubrau, die Planungsbürgermeisterin, hat es vor zwei Jahren mal gewagt und dafür einen massiven Angriff einer Boulevardzeitung geerntet, die in Grünau schon den Verlust der geliebten Wäscheplätze beschwor.

    Obwohl Dorothee Dubrau nichts anderes meinte, als was jetzt der Linke-Stadtrat Siegfried Schlegel thematisiert: „Im Gegensatz dazu hatte Leipzig als Stadtumbaustrategie beschlossen und verfolgt, dass die Stadt nach den urbanen und Siedlungskernen schrumpft, was sich in den Folgejahren bewährt hatte. Dadurch haben viele Stadtteile einen Beitrag zum damals notwendigen Stadtumbau geleistet, und es konnten zielgerichtet wohnortnahe Grünflächen entstehen sowie Grünzüge erweitert und vernetzt werden. Wenn diese nicht als Zwischennutzung angelegt wurden, sollen sie nachhaltig erhalten werden.

    Diese neue Strategie trägt auch einer harmonischen Stadtentwicklung Rechnung, und es können in den randstädtischen Ortsteilen neben mehrgeschossigen Wohnbauten im Kern und an Haltestellen vor allem des schienengebundenen öffentlichen Nahverkehrs auch Eigenheime nachfragegerecht gebaut werden. Nicht ausgelastete Schulen und Kitas könnten so besser ausgelastet werden. Bedarfsweise sollen Kita- und Schulstandorte vorrangig durch Ergänzungsbauten erweitert werden. Auch der wohnortnahe Einzelhandel sowie Dienstleistungen würden besser ausgelastet.

    Da mittlerweile die Sperrfristen für die Wiedererrichtung von Wohngebäuden nach gefördertem Abriss auslaufen, können die LWB oder Wohnungsbaugenossenschaften und andere Wohnungseigentümer ihre durch Stadtumbau entstandenen Brachen schrittweise wieder bebauen. An den Standorten, bei denen keine Stadtumbaufördermittel in Anspruch genommen wurden, war und ist dies bereits jetzt möglich, und es könnte zügig Baurecht nach § 34 BauGB geschaffen werden. Der Wohnungsneubau wird am jetzigen und zu erwartenden Bedarf ausgerichtet.“

    Das Dumme ist nur: Das Bauen hat sich im Preis innerhalb dieser zehn, zwölf Jahre praktisch verdoppelt. Und was Bund und Land an Fördermitteln für den sogenannten „sozialen Wohnungsbau“ anbieten, ist ein Witz. Was in der Folge dazu führt, dass auch Genossenschaften und die LWB sehr genau rechnen, bevor sie wieder ein Neubauprojekt auflegen.

    Das Ideal kollidiert mit einer weltfremden Politik.

    Aber vom Ansatz her würde diese Verdichtung natürlich auch die Funktionsfähigkeit der eher peripheren Wohnsiedlungen wieder deutlich erhöhen.

    Siegfried Schlegel: „Bei Übertragung beider Strategien Wachstum oder Schrumpfung aus oder zu den städtischen und Siedlungskernen bei gleichzeitiger Sicherung und Stärkung der Grünzüge und Freiräume auf die gesamte Region Leipzig-Halle-Jena wären auch die jetzt gestarteten und geförderten Forschungsprojekte StadtLandNavi und ‚Interko2‘ kompatibel.

    Das Forschungsprojekt StadtLandNavi, das von der HafenCity Universität Hamburg (HCU Hamburg) koordiniert wird, hat die ressourcenschonende Landnutzung und Erhalt der Kulturlandschaft zum Ziel. Das Verbundvorhaben ‚Interko2‘ unter Federführung des Leibniz-Instituts für Länderkunde will modellhaft ein Entwicklungskonzept für den Wachstumsraum Leipzig/Halle erarbeiten, das auch aufbauend auf einem tragfähigen Datenpool ein integriertes Wohnflächenkonzept für das Umland der Städte Leipzig und Halle (Saale) beinhalten soll.“

    Denn wenn man wieder die schon vorhandenen urbanen Kerne verdichtet und stärkt, rechnet sich auch der Betrieb eines guten ÖPNV-Angebotes, können auch die Takte auf S-Bahnen und Straßenbahnen verdichtet werden. Womit man ebenfalls wieder im fernen Jahr 2007 wäre, als Oberbürgermeister Burkhard Jung in Leipzig die berühmte „Leipzig Charta“ der europäischen Stadt unterzeichnete. Die Städte Europas waren damals schon längst da, wo die Landespolitiken bis heute noch nicht sind. Entsprechend fragmentarisch sieht ihre Städtebaupolitik überall aus, während die Straßen immer voller werden, die Mietpreise explodieren und sich ganze Landstriche entleeren.

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