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Coronavirus in Leipzig: Eine Infektion unter 8.000 Menschen bei BMW

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    Es ist ein Balanceakt zwischen Vorsorgebemühungen, drohendem Stillstand, Hysterievermeidung und eventuell zu langem Zögern. So zumindest muss man wohl den Fall eines positiv auf das neuartige Covid-19, oder kurz „Coronavirus“ getesteten Mitarbeiters beim BMW-Werk Leipzig beschreiben. Ein Fall von vergangener Woche, den Pressesprecher Julian Friedrich im Namen der 4.000-Mitarbeiter starken Leipziger Betriebsstätte des bayrischen Autobauers am Sonntag gegenüber L-IZ.de bestätigte.

    Am Samstag, 14. März, fragte die L-IZ.de nach, ob es stimme, dass in der vergangenen Woche ein Fall von Corona im Leipziger BMW-Werk aufgetaucht sei. Seither ging man offenbar bei BMW lieber doch an die Öffentlichkeit, am gestrigen Sonntag meldete man sich bei der Presse dazu. Gegenüber L-IZ.de erklärte Friedrich, der Mann und seine ermittelten Kontaktpersonen seien in häuslicher Quarantäne und würden keine schwereren Symptome wie Atembeschwerden oder gar eine Lungenentzündung zeigen.

    „Dies ist nun Sache des Gesundheitsamtes“, wo sich die Personen vor allem bei Verschlechterungen des Gesundheitszustandes melden müssten, so Friedrich.

    Die Leitung des BMW-Werkes achte seit Wochen penibel auf alle möglichen Vorschriften zur Hygiene, Desinfektionsmöglichkeiten seien geschaffen worden, die Kantine sei zum Beispiel umgerüstet worden. Sodass man statt losem Salat nur noch einfolierte Portionen bekäme. Skype-Konferenzen seien mittlerweile „sogar von Zimmer zu Zimmer“ Standard und auch das Drei-Schichten-System sorge automatisch dafür, dass nie alle 4.000 Mitarbeiter gemeinsam auf dem Betriebsgelände seien.

    Der durch den Mitarbeiter betroffene Bereich wurde „in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Leipzig desinfiziert“, so Friedrich gegenüber L-IZ.de.

    Eine weit größere Dimension

    Doch der Fall eröffnet natürlich eine Frage. Insgesamt bewegen sich mit Zulieferern und BMW-eigenen Mitarbeitern hier rund 8.000 Menschen täglich an der BMW-Allee 1. Fraglich also, ob – außerhalb der wirtschaftlichen Aspekte – es gerade zu den lebensnotwendigen Industrien gehört, Elektroautos in Leipzig-Seehausen zu fertigen. Oder ob hier eher eine tägliche Ballung von Menschen vorliegt, welche das Maß einer Großveranstaltung übersteigt. Und was die Alternativen wären?

    „Das BMW-Werk will und kann den Produktionsbetrieb aufrecht erhalten“, so Julian Friedrich noch am 15. März 2020. Auch Friedrich scheint da bewusst, dass in diesen Zeiten der Pandemie Sätze wie solche keine Ewigkeitsgarantie haben. Mitarbeiter des Werkes beklagten hingegen gegenüber L-IZ.de, sie seien darauf hingewiesen worden, dass es ja möglich sei, Überstunden abzubummeln oder Urlaub zu nehmen.

    Regelungen also, die BMW erst einmal kein Geld kosten – abgesehen von den gerade weltweit zurückgehenden Umsätzen.

    Ganz sicher geht es also bei BMW und anderen Großproduzenten nicht nur in Leipzig – neben der ebenso wichtigen, heiklen Frage Hysterien zu vermeiden – auch darum, wer am Ende einen möglichen Produktionsstopp wegen des Coronavirus finanziell tragen soll? BMW allein oder gibt es Möglichkeiten, durch eine Schließung von behördlicher Seite auf den Ersatz eventueller Gewinneinbrüche, also auf Ausgleichszahlungen in einer deutschen Schlüsselindustrie zu pochen?

    Das Leipziger Gesundheitsamt jedenfalls hat diese Entscheidung nach dem ersten aufgetretenen Fall im BMW-Werk vergangene Woche nicht getroffen, das Risiko des Weiterbetriebes schien offenkundig überschaubarer, als das einer Schließung. Wie es weitergeht und wie in solchen Fällen von Großbetrieben generell die behördlichen Richtlinien angesichts des überwiegend milden Krankheitsverlaufes aussehen? Fragen, auf die das Gesundheitsamt Leipzig bislang (Montag, 7:15 Uhr) nach einer L-IZ-Anfrage vom Samstag noch keine Antworten gab.

    So gab es bislang zwar Schließungen des Leibniz-Gymnasiums und einer Kita nach je einem positiven Corona-Fall in der Messestadt und die Absage praktisch jeglicher Veranstaltungen. Aber noch von keinem Unternehmen, welches nicht zu den unbedingten Schlüsselbereichen für das Funktionieren einer Stadtgesellschaft gehört. Zumindest soll noch kein Mensch an einem um ein halbes Jahr später geliefertem E-Auto verstorben sein.

    Andererseits fanden bis zum gestrigen Tage nach L-IZ-Informationen noch nicht einmal banalste Sicherheitschecks am Flughafen Leipzig/Halle statt. Auch die Antworten des Flughafens auf unsere Fragen stehen noch aus.

    Corona-Virus in Leipzig: Eine Stadt fährt langsam runter
    (Aktuelle Entwicklungen, 16. März 2020)

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