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SPD-Antrag: Wie bekommt man in Leipzig mehr Solarpaneele auf die Dächer?

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    Eigentlich ist auch Leipzig längst so weit, dass hier auf jedem möglichen Dach eine Solaranlage montiert wird. Denn dass Leipzig seine Energiebasis radikal ändern muss, darüber hat der Stadtrat schon seit Jahren diskutiert. Und es ist auch schon wieder neun Jahre her, dass er die Schaffung eines Solardachkatasters beschloss, das es seit 2013 auch gibt. Und trotzdem passiert nichts, wundert sich nicht nur die SPD-Fraktion.

    Die hat jetzt nämlich einen Antrag ins Verfahren gebracht, mit dem sie die Verwaltung beauftragen möchte „Maßnahmen zu ergreifen, um vermehrt Strom mit Solaranlagen auf Dächern städtischer Gebäude zu erzeugen“.„Die Energiewende muss vorangebracht werden! Hierzu gehört auch ein Rückzug aus fossilen Energieträgern und die diversifizierte Aufstellung in der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien. Auch Stadtwerke können hierbei eine Vorreiterrolle spielen“, erklärt Heiko Bär, SPD-Stadtrat und Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke. „Mit Blick auf unsere Stadt ist ein weiterer Ausbau der Solarenergieerzeugung auf kommunalen Dachflächen ein Tätigkeitsfeld mit viel Potenzial für eine dezentrale Energieversorgung.“

    Denn das 2013 veröffentlichte Solardachkataster zeigt sehr übersichtlich, dass eine Menge Dächer in Leipzig geradezu ideal geeignet sind dafür, darauf Solaranlagen zu installieren. Und dazu gehören auch viele Gebäude, die der Stadt gehören.

    Die Städte der Zukunft sind geradezu prädestiniert dafür, einen Großteil ihres Stroms selbst zu produzieren über Solaranlagen, die ganz selbstverständlich auf sämtlichen Dächern installiert werden, die dafür geeignet sind. Und die Technik, den so produzierten Strom in den Netzen zu managen, haben die Leipziger Stadtwerke inzwischen. Es gibt also keinen wirklichen Hinderungsgrund, die Sache nach acht Jahren endlich anzupacken und umzusetzen.

    Die SPD-Fraktion hat jetzt konkret vorgeschlagen, dass der Oberbürgermeister eine jährliche Zielvereinbarung mit den Stadtwerken Leipzig und deren Tochterunternehmen „Leipziger Kommunale Energieeffizienz“ abschließt. Ab 2022 soll darin geregelt werden, in welchem Umfang neue Photovoltaikanlagen auf städtischen Liegenschaften hinzukommen. Zielgröße für die ersten Jahre sollte hierbei sein, dass Anlagen im Umfang von 900 Kilowatt (entspricht ca. 15 Photovoltaikanlagen á 60 Kilowatt) pro Jahr neu errichtet werden.

    „Die Nutzung der eigenen kommunalen Dächer zur Erzeugung von sauberem Strom liegt nach unserer Meinung auf der Hand. Die Stadt kann mit einem langfristigen Ausbau von PV-Anlagen mit positivem Beispiel voranschreiten und dadurch private Immobilienbesitzer animieren, es ihr gleichzutun. Außerdem profitiert davon nicht nur die Umwelt, sondern auch die regionale Wirtschaft, die an der Errichtung dieser Anlagen mitwirkt“, erklärt Heiko Bär.

    „Die Zielmarke von 15 Photovoltaikanlagen mit je 60 Kilowatt Leistung für die ersten Jahre ist eine machbare Aufgabe und ich bin sicher, dass wir hier einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gehen.“

    Andererseits scheint Leipzigs Verwaltung zumindest in diesem Fall schon auf dem Weg zu sein, denn das, was die SPD-Fraktion beantragt, steht ansatzweise auch im 2020 vom Stadtrat beschlossenen „Sofortmaßnahmenprogramm zum Klimanotstand“ als Punkt 5 „Errichtung von Solaranlagen auf kommunalen Gebäuden“, wenn auch erst einmal nur bis 2022. Es fehlt also dringend die Verstetigung.

    „Unabhängig davon wurde mit Beschluss des Sofortmaßnahmenprogramms zum Klimanot-stand durch den Stadtrat bereits festgelegt, dass alle kommunalen Neubauten im Regelfall mit einer Solaranlage (Photovoltaik und/oder Solarthermie) ausgestattet werden, sofern dem keine Sondernutzung (bspw. Schulhof/Sportfläche) entgegensteht. Dabei wird die verfügbare Dachfläche umfänglich genutzt und die Solaranlage vorzugsweise mit einem Gründach kombiniert, was durch seine Kühlungswirkung und den Rückhalt von Niederschlagswasser zur Klimaanpassung und nebenher zur Erhöhung der Anlageneffizienz beiträgt“, erläutert zum Beispiel das Dezernat Stadtentwicklung und Bau in einer Stellungnahme zu einer Petition, die es freilich ablehnt.

    „Zusätzlich werden bis zum Ende des Jahres 2022 10–15 bestehende Gebäude mit einer Solaranlage nachgerüstet. Hierfür bieten sich insbesondere Gebäude mit einer hohen Nutzung an (z. B. Wohnheime und Wohnstätten). Günstige Bedingungen bieten sich auch bei einigen Kultureinrichtungen. Bei der Installation von Photovoltaikanlagen werden außerdem vorzugsweise große Dächer genutzt, um in Summe eine Leistung von 500 kW zu installieren. Die Umsetzung der Maßnahme erfolgt in enger Kooperation zwischen der Stadtverwaltung und der Leipziger Kommunale Energieeffizienz (LKE) GmbH, die die Investitionskosten der Anlagen trägt und die Rückflüsse verbucht. Die Stadt Leipzig ist für die Ertüchtigung der Bestandsdächer verantwortlich.“

    Nach diese Auskunft wäre die Stadt also – schon – dabei, das Anliegen umzusetzen.

    Dass die Petition abgelehnt wird, hat mit der Forderung nach einer „verpflichtenden Regelung für Neubauten aller Bauherren“ zu tun, die eine Kommune wie Leipzig leider nicht erlassen darf, denn dagegen steht mal wieder uraltes deutsches Recht.

    Oder mit den Worten des Dezernats: „Das Begehr der Petition könnte nur erfüllt werden, wenn es eine gesetzliche Grundlage (Ermächtigung) gäbe, nach der eine Kommune eine Satzung mit dem vom Petenten gewünschten Regelungsinhalt erlassen dürfte. Eine solche gesetzliche Grundlage existiert nicht, der Petition kann daher nicht entsprochen werden.“

    Die Stadt kann – wie mit dem Solardachkataster – nur an Immobilienbesitzer und Bauherren appellieren, ihre geeigneten Dachflächen zu nutzen, um darauf Solaranlagen anzubringen. Aber um die Sache wirklich lukrativ zu machen für Hausbesitzer, fehlt eine wirklich belastbare Bundesgesetzgebung.

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      2 KOMMENTARE

      1. So viel Kommentartext… dass die Speicherung elektrischer Energie ein Monsterproblem ist, (vergleichbar mit dem Problem des Umgangs mit Atommüll), weiß man nicht erst seit gestern.

        Bevor man darangeht, einen ICE mit Sonnenenergie zu starten, gibt man sich erstmal damit zufrieden, wenn Wenigverbraucher wie Wohnhäuser und ganz vielleicht sogar kleine Betriebe energieautark sind. Die im Artikel genannten solar erzeugbaren Wattzahlen sind ziemlich mickrig, da wird man im Hauskeller noch konventionell Strom entnehmen müssen, wenn alle gleichzeitig ihre Coronafrisur fönen…

        Das Problem der Speicherung stellt sich im industriellen Bereich, von wegen Stromtrassen von der Nordsee nach Süddeutschland. Aber darum geht es hier überhaupt nicht, das sind ganz andere Größenordnungen. Man behilft sich mit Smart Grids und kontrollierter Abkopplung von Windrädern usw.

      2. „…und die diversifizierte Aufstellung in der Stromerzeugung …“
        Genau!
        An dieser Stelle wollte ich eigentlich fast schon aufhören zu lesen.

        Solarzellen aufzustellen ist an sich eine gute Idee. Man hat dann um die Mittagszeit, geschätzt vier Stunden, eine Spitze der Stromerzeugung. Wenn die Zellen nachgeführt werden ist die Spitze in der Leistunskurve auch etwas flacher. Macht nur kaum jemand.

        Ansonsten fehlt dem Antrag vor allem die im gleichen Atemzug nötige Speicherkapazität! Aber vielleicht ist das ja nur konsequent. Man ruft in den kommunalen Grenzen von Leipzig den „Klimanotstand“ aus und handelt dann auch nur in diesen Denkgrenzen. Der Strom muss dann halt irgendwohin verschwinden, verkauft werden. An jemanden, der ihn haben möchte. Also im Hochsommermittag zumindest, denn am Dezembermorgen sieht es schon wieder anders aus. Denn da liefert uns „jemand“ die komplette Leistung, die wir dann brauchen, aber nicht mal anteilig selbst produzieren, frei Haus.

        Ganz viel installierte regenerative Erzeugerleistung reicht allein nicht aus. Es sind gleichrangig wichtig auch Speicher nötig, die vielleicht auch gleich vor Ort beim Erzeuger stehen.
        Ein ICE, der im Hauptbahnhof startet, benötigt zum losfahren etwa 7-9 MW. Das sind 3-4 durchschnittlich große Windräder, die erstens in Nennleistung sein müssen (Windgeschwindigkeit!) und zweitens nichts anderes tun als diesen einen Zug anzutreiben. Die nötige Solarfläche für diese eine Versorgungsaufgabe kann sich jeder selbst ausrechnen.

        Wenn nun immer lauter nach erneuerbaren Energien gerufen wird, was ja an sich schon irgendwie Sinn macht, kann es so langsam nicht mehr sein, dass die Speicher (die mal eben solche Leistungen wie oben gerechnet abliefern müssen, und das tagsüber permanent) einfach vergessen oder als ein „anderes, gesondert zu lösendes Problem“ betrachtet werden.
        Da nicht immer Sonne scheint, und auch der Wind nicht stetig weht, muss entweder ein Lastmanagement her („der Zug fährt nicht bei Dunkelflaute“), oder mehr Speicher. Und bitte nicht mit dem bisschen Energie von Wasserstoff.

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