Grüne fordern ein schnelles Dachbegrünungsprogramm für Leipzig

Der Klimawandel ist längst im Gang. Selbst die ersten zarten Ausläufer verändern auch das Leben in der Großstadt. Die Wärmebelastung steigt und Rezepte sind gefragt, die Hitze irgendwie zu lindern. Mehr Grün - das war der Grundtenor der Bürgerumfrage, die die Stadt Leipzig dazu durchgeführt hat. Die Grünen-Fraktion macht's an einem Projekt konkret: Mehr Grün auf die Flachdächer.
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Der Antrag der Grünen ist so ausführlich, dass man meint, die Verwaltung habe ihn so bestellt, damit sie gleich losarbeiten kann. Aber wahrscheinlich wollte die Grünen-Fraktion nur mal deutlich zeigen, wie sehr Leipzig auch bei diesem Thema hinterher kleckert. Die Stadtverwaltung rühmt sich zwar gern, so richtig gut auf dem Weg zur Klimaschutzkommune zu sein. Aber wenn man dann die Einzelposten aufblättert, zeigt sich in der Regel, dass man kläglich der Entwicklung hinterher schleicht und selbst die eigenen Vorgaben – wie beim „Europen Energy Award“ – nicht erreicht. Oder beim Baumpflanzprogramm. Oder beim Solardachkataster.

Also nun einfach mal machen, hätten die Grünen also auch drüber schreiben können über ihren Antrag, in dem es heißt: „Die Stadtverwaltung wird beauftragt, eine eigene ‚Gründachstrategie‘ für die Stadt Leipzig zu entwickeln, um damit den Bau von mehr begrünten Dächern auf Neubauten und für geeignete Flachdachsanierungen im Bestandsbau anzustoßen.“

Das Ziel der „Gründachstrategie“ ist logisch: „Begrünte Dächer sollen in Leipzig zunehmen“. Und dann zählen die Grünen auf, warum: Das Ganze soll „der Regenwasserrückhaltung und verstärkten Verdunstung von Niederschlagswasser dienen, die Überlastung der Entwässerungssysteme mindern und so die Gefahr von Überflutungen verringern, sich positiv auf das Stadtklima auswirken und dazu beitragen, innerstädtische CO2- Emissionen zu reduzieren, Staub zu mindern, innerstädtische Wärmeabstrahlung zu verringern (kühlender Effekt), bisher ungenutzte sowie neue Freiräume erschließen und die Natur und Biodiversität in der Stadt erhöhen.“

Und die Stadt Leipzig soll und kann mit ihren öffentlichen Gebäuden eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung übernehmen. Das Strategiekonzept soll im Entwurf dem Stadtrat bis spätestens zum dritten Quartal 2016 zur Entscheidung vorgelegt werden.

Und tatsächlich teilen die Grünen der Verwaltung auch nur mit, dass sie hier einfach ein Projekt, zu dem sie keine Lust hatte, klammheimlich kassiert hat: „Während die Begrünung von Fassaden- und Dachflächen im Klimaschutzprogramm der Stadt Leipzig von 2005 noch als Maßnahme im Bereich ‚Klimaschutz bei Stadtentwicklung und Bauleitplanung‘ enthalten war, fehlen Aussagen und Maßnahmen zum Thema ‚Dachbegrünung‘ im Energie- und Klimaschutzprogramm der Stadt Leipzig für den Zeitraum 2014 bis 2020 in Gänze.“

Das passt also überhaupt nicht. Und in der erwähnten Bürgerumfrage wurde recht deutlich, dass die Leipziger eine Ecke mehr erwarten von den städtischen Bemühungen zum Klimaschutz.

„Der auch erst kürzlich veröffentlichte Ergebnisbericht zur 2014 durchgeführten kommunalen Bürgerumfrage zum Klimawandel bestätigt des Weiteren die Notwendigkeit einer ‚Gründachstrategie‘ als Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel. Teilnehmer der Umfrage plädieren häufiger für stadtökologische Maßnahmen wie Dach- und Fassadenbegrünung, um unmittelbar die Hitzebelastung in ihrem Wohnumfeld zu reduzieren“, merken die Grünen deshalb zu Recht an. „Die Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen ist deshalb der Auffassung, dass eine eigene ‚Gründachstrategie‘ für die Stadt Leipzig zu entwickeln ist, um den Bau von mehr begrünten Dächern auf Neubauten und für geeignete Flachdachsanierungen im Bestandsbau voranzutreiben.  Eine ‚Gründachstrategie‘ könnte das kommunale Energie- und Klimaschutzprogramm unterstützen und weiter qualifizieren. Ein neuer Standard in der Stadtplanung könnte ebenso geschaffen werden.“

Und Vorbilder gibt es längst. In München zum Beispiel gibt es eine Gründach-Satzung.

Aus der wird im Antrag auch zitiert: „In München wird über die Freiflächengestaltungssatzung eine angemessene Durchgrünung und Gestaltung der Baugrundstücke sichergestellt. Sie gilt im gesamten Stadtgebiet für die unbebauten und bebauten Grundstücke und für die äußere Gestaltung baulicher Anlagen. Geeignete Flachdächer sowie flachgeneigte Dächer bis 20° sollen ab einer Größe von 100 m² begrünt werden.“

Aber echtes Vorbild könnte Hamburg sein, finden die Grünen. Und so spricht sich ihre Fraktion dafür aus, dem Vorbild Hamburgs zu folgen und zitieren von hamburg.de: „Die Vision für Hamburg ist, Neubauten und geeignete Flachdachsanierungen über 100 m² mit grünen Dächern (Intensiv oder Extensiv) zu versehen. Mindestens 70 % der Neubauten mit Flachdach oder flachgeneigten Dächern und geeigneten Flachdachsanierungen werden begrünt, davon sind 20 % für Bewohner oder Beschäftige als Freiräume nutzbar. Grüne Dächer werden so gebaut, dass sie eine durchschnittliche Regenwasserrückhaltung von 60 % erzielen.“

„Idealerweise ist ein Beteiligungsverfahren in geeigneter Art und Weise durchzuführen. Eine wissenschaftliche Begleitung wird als sinnvoll erachtet“, merken sie noch an. Wenn das mal kein Fehler war. Denn so etwas wird gern als Einladung verstanden, erst einmal wissenschaftliche Gutachten und Expertisen in Auftrag zu geben und darüber eine Menge Zeit ins Land gehen zu lassen. Dabei gilt eigentlich nur die Devise: Los, machen. Und vielleicht noch nach Fördergeldern zu fragen: „Es ist zu prüfen, ob das Vorhaben als Ganzes oder zumindest das Beteiligungsverfahren insbesondere in Bezug auf das  am 1. August 2015 bekanntgemachte Förderprogramm des BMUB ‚Förderung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels‘ förderfähig  ist.“ Achja: Zeit läuft: „Bei Feststellung der Förderfähigkeit ist ein entsprechender Antrag bis spätestens 31. Oktober 2015 zu stellen.“

Der komplette Antrag der Grünen zur Gründach-Strategie.

KlimawandelKlimaschutz
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