700 Hektar landwirtschaftliche Fläche hat Leipzig allein in den Jahren 2017 bis 2021 verloren. Von 8.900 Hektar schmolz die Fläche auf 8.200 Hektar zusammen. Und diese Verluste gingen fast ausschließlich auf den Verlust von Ackerland zurück, das für die Bebauung mit Gewerbe, Parkplätzen, Straßen und Wohnhäusern geopfert wurde. Das muss aufhören, verlangt jetzt die Grünen-Fraktion im Stadtrat.

Gerade erst hat die Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen ihren Antrag für eine Netto-Null-Versiegelung bis 2030 neu formuliert und die Linksfraktion hat ein Eigenheimbau-Moratorium beantragt. Beides ziemlich schwer verdaulich für eine Verwaltung, die sich schwertut damit, das Grün in der Stadt zu erhalten.

Aber die Zeit zum Umdenken ist längst gekommen. Die Versiegelung trägt zur Aufheizung der Stadt bei. Es fehlen zunehmend Frischluftschneisen und Gelände, die bei Starkregen das Wasser zwischenspeichern können. Und wenn die Stadt neue Baugebiete ausweist, sind darunter immer wieder landwirtschaftlich genutzte Flächen. Diese gehen ersatzlos verloren – übrigens mit Böden, die zu den fruchtbarsten in ganz Sachsen gehören.

„In den letzten Jahren und jüngst durch die verstärkte Bautätigkeit sind erhebliche landwirtschaftliche Flächen durch verschiedenste Bauvorhaben entwidmet und versiegelt worden. Straßenneu- und -ausbauten, Gewerbe und Wohnbaustandorte haben die verfügbaren landwirtschaftlichen Flächen erheblich verringert“, stellt die Grünen-Fraktion in ihrem Antrag zu diesem Thema fest.

„Es ist eine kluge Vorsorgepolitik, eine ausreichende Menge an Flächen vorzuhalten. Noch gibt es im Stadtgebiet und im nahen Umland sehr viele verfügbare Grundstücke, die versiegelt oder ungenutzt sind und denen eine ungeordnete Bebauung droht. Hier sollte die Stadt die noch vorhandenen Möglichkeiten nutzen und eine kluge und weitsichtige Bodenpolitik durch gezielte Ankäufe betreiben.“

Es geht also auch darum, Ersatz zu schaffen für die verloren gegangenen Landwirtschaftsflächen. Weshalb die Grünen -Fraktion zuallererst beantragt: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, dafür Sorge zu tragen, dass die Gesamtfläche an landwirtschaftlichem Boden wieder im Minimum auf den Stand des Jahres 2010 durch Zukäufe und/oder Umwandlung oder Entsiegelung gebracht wird.“

2010 hatte Leipzig sogar noch 10.699 Hektar an landwirtschaftlich genutzten Flächen, fast 2.500 Hektar mehr als heute. Die meisten gingen in Leipziger Norden verloren, wo Leipzig seit Jahren sein großes Industrie- und Gewerbecluster schafft.

Und dabei ist ein Aspekt noch gar nicht berücksichtigt, so der Grünen-Antrag: „Die Flächen für die Gewinnung und Sicherung von Trinkwasser sind nicht in die Berechnung einzubeziehen.“

Obwohl sich das natürlich ergänzen könnte, wenn es Leipzig einmal schafft, die Stadtratsforderung umzusetzen, auf sämtlichen verpachteten Landwirtschaftsflächen nur noch ökologische Landwirtschaft zuzulassen.

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