Das Kandidierendenfeld zur Wahl des Leipziger Oberbürgermeisters in Leipzig füllt sich langsam, auch „Die PARTEI“ hat jetzt ihren Kandidaten gekürt. Die einzelnen Buchstaben des Parteinamens haben eine Bedeutung. Die Mitglieder legen Wert darauf, dass es vollständig „Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ heißt.
In Leipzig sitzen 2 Mitglieder im Stadtrat, die gleiche Anzahl wie die FDP, und Vorstandmitglied Tom Rodig wurde bei der Aufstellungsversammlung zum Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters gewählt. Ich habe Tom Rodig am 15. Mai getroffen und mit ihm über seine Kandidatur gesprochen. Wir kennen uns seit einigen Jahren und sind normalerweise per Du, deshalb beginnt das Gespräch etwas anders.
Tom, ich würde Dir für dieses Interview, um das auf eine seriöse Ebene zu bringen, das Sie anbieten.
Das finde ich sehr gut von Ihnen.
Herr Rodig, Sie sind der designierte Oberbürgermeisterkandidat der Partei „Die PARTEI“. „Die PARTEI“ ist eine Satirepartei, manche sagen auch Spaßpartei. Wollen Sie eigentlich richtig seriös Politik betreiben oder nicht?
Also, das ist natürlich ein Trugschluss, dass wir eine Spaßpartei sind, denn wir sind eine der wenigen seriösen Parteien hier in dieser Politiklandschaft. Und natürlich ist unser Ziel, auch seriöse Politik zu betreiben, im Gegensatz zu den Spaßparteien, die da draußen noch rumspringen.
Haben Sie politische Erfahrung? Wenn ja, welcher Art?
Ich bin seit mehr als 20 Jahren im Bereich der seriösen Politik unterwegs, habe damals schon in einer, sagen wir, schlagkräftigen Jugendbewegung mitgemacht. Mit der „Front Deutscher Äpfel“ haben wir damals gegen die Überfremdung des deutschen Obstbestandes unter dem Motto „Südfrüchte raus, gegen braunes Fallobst“ demonstriert, agitiert und politisch gearbeitet.
Dieser Betätigungsbereich hat mich politisch doch etwas eingeengt und darum bin ich seit mehr als zehn Jahren bei der Partei „Die PARTEI“ aktiv, denn diese Partei verfügt über ein Vollprogramm und ist damit sozusagen auch in der Lage, die Politik hier ganz grundsätzlich umzukrempeln in diesem Land.
Sie kandidieren jetzt für das Amt des Oberbürgermeisters von Leipzig. Was sind Ihre Visionen für Leipzig, die Sie in dieser Tätigkeit durchsetzen würden?
Ich stehe für eine Politik der Heckenschere. Ich möchte, dass dieser Behördendschungel, dass dieser Wust, dass dieser Wildwuchs an Bürokratie endlich ein Ende hat. Denn das nehmen wir wahr als das größte Problem der Menschen da draußen in diesem Land, dass sie sich überfordert fühlen von der verwalteten Welt. Und wir als Partei der einfachen Forderungen, auch als Partei der einfachen Lösungen, sehen das als unseren Auftrag, diesen Wildwuchs endlich zu beenden.
Wir haben da politische Vorbilder. Man muss nur nach den USA schauen oder nach Argentinien. Dort wird mit einer Motorsäge Politik gemacht. Wir finden, dass für die deutschen Verhältnisse eine Heckenschere angemessener ist. Darin finden die Leute einen vertrauten Moment. Das kennen Sie aus dem Garten, wenn Sie mit der Heckenschere die Sachen wieder ordentlich gerade machen. Und da, denken wir, sind wir anknüpfungsfähig auch für die Menschen hier in dieser Stadt. Gerade in der Stadt des Schrebergartens.
Heckenschere oder Motorsäge – wären Sie also anschlussfähig für das „Team Freiheit“?
Solche merkwürdigen Spaßparteien nehmen wir in keinem Fall in irgendeiner Form ernst. Natürlich nehmen wir auch jede Stimme, die uns gegeben wird. Denn wir wollen ja auch die Mehrheit hier in dieser Stadt erlangen. Ich möchte hier als Oberbürgermeister natürlich wie immer 100 % plus X erreichen bei der nächsten Wahl.
Leipzig steht im Moment vor der Herausforderung, dass die Finanzen äußerst knapp sind. Was ist Ihre Idee für eine solide Finanzpolitik?
Die Feststellung steht natürlich im Raum, dass die Wirtschaft kaputt ist. Es kommen einfach nicht mehr genug Steuern rein. Wir hatten ja schon die Seite der Ausgaben, bezüglich der gesamten Bürokratie, die hier alles überwuchert, aber auch die Einnahmen müssen stimmen. Und da ist die Wirtschaft gefordert. Und da werde ich natürlich alles daran setzen, dass die Wirtschaft endlich wieder stark wird.
Man muss auch sagen: Es wird ja viel über die Arbeitnehmer geredet, dass Leute faul wären, dass sich ein Lifestyle zeigt und so weiter. Sie kennen die ganzen Debatten auch aus Ihrer Zeitung. Ich muss aber an dieser Stelle feststellen: Es muss auch mal eine neue Mentalität unter den Unternehmern her. Denn immer wird ja gesagt: Die Wirtschaft hat es so schwer. Aber wen bezahlen wir denn? Wen bezahlen denn die Firmen mit vielen Millionen Boni, wenn nicht die Manager, die höchsten Eliten, die Kasten, die VW-Manager, die Chefs der großen Konzerne?
Da ist so ein bisschen eine Anspruchsmentalität, die hat sich ja ausgebreitet in diesem Land. Ich finde, man sollte da auch diesen Leuten einfach mal sagen: Strengt Euch doch mal an. Nicht immer nur sagen: Die Umstände, es waren die Umstände, die Politik hat uns nicht das Bett gemacht.
Wo ist denn der deutsche Unternehmergeist, wenn es darauf ankommt? Müssten nicht diese Leute auch endlich mal wieder ein bisschen, mit Pfiff sozusagen, an die Sache rangehen, ein bisschen kreativ sein und auch mal ein bisschen was verändern wollen und sich nicht immer nur so zurücklehnen und sagen: Es ist alles so schwer, die Lohnkosten sind so hoch? Sie kennen den ganzen Sermon. Ich finde, da sind alle gefordert in unserer Gesellschaft.
Ich habe den Eindruck, wenn Sie von Wirtschaft sprechen, sprechen Sie weniger vom kleinen Handwerksmeister als von der Großindustrie.
Ich meine diejenigen, die die großen Anteile an der Gewerbesteuer für diese Stadt bereitstellen. Die dafür verantwortlich sind, dass diese Stadt läuft. Und da sehen wir ja auch die Probleme, also dass jetzt Porsche, BMW, all die Großen nicht mehr ihren Beitrag leisten, das ist skandalös, und da muss ein Umdenken her.
Leipzig will sich, gemeinsam mit Berlin, um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Ich habe da eine ganz klassische PARTEI-Meinung: Ja zu Olympia – nein zu Olympia. Ich denke, es ist eine sehr gespaltene Stimmung in dieser Stadt. Einerseits sieht man die Stadtspitze, wie sie sich jetzt schon darauf freut, endlich wieder Millionen Euro in das IOC zu versenken. Ich denke, im Sinne einer möglichst flüssigen Geldbewegung, einer Ausgabebewegung wäre das für alle gut. Aber an sich, wissen Sie, ich bin kein Leistungssportler, also nicht in einem Bereich den das IOC als Disziplin vorgibt. Darum sehe ich mich auch nicht bei den Olympischen Spielen und das ist für mich eigentlich auch schon ein Grund zu sagen: Die brauche ich nicht hier in dieser Stadt. Wenn es vielleicht Disziplinen gäbe, die für mich passen würden, dann würde ich als Oberbürgermeister natürlich auch dafür sprechen. Ansonsten halte ich es für eine große Geldverschwendung.
Klassische Themen im Wahlkampf sind beispielsweise Sozialpolitik und Wohnungsbau. Was sind dort Ihre Präferenzen?
Also Sozialwohnungen brauchen keine Fenster. Und ich finde auch, es werden hier wieder Leute getriezt. Ja, also einerseits haben wir schon gesagt, dass die da oben sich mal wieder anstrengen müssten. Aber schauen Sie sich mal so einen armen Christoph Gröner an. Über den wird sich von vorne bis hinten nur lustig gemacht, über den armen Herrn Gröner.
Ich denke, wir sollten da auch eine Art Rettungsfonds für Immobilienmanager, Investoren, Projektentwickler und so weiter in die Welt setzen. Der „Armer-Gröner-Fonds“, so würde ich mir das vorstellen, damit in dieser Stadt auch endlich wieder gebaut, gebaut, gebaut wird.
Letzte Frage: 2027 ist die Wahl, die Wahlperiode geht bis 2034. Gesetzt den Fall, Sie würden Oberbürgermeister: Wie soll Leipzig am Ende dieser sieben Jahre aussehen?
Größer, schöner, grauer. Das ist, denke ich, mein Plan für ein Leipzig 2034. Wir werden in einem brummenden Bienenstock leben, der die Leute von nah und fern begeistert. Und ich denke, es kann alles nur besser werden. Also, schauen Sie sich die Prognosen an. Der Wirtschaft wird es auch demnächst wieder besser gehen. Das Klima ist auf einem super Weg. Ich denke, wir haben da viele gute Jahre vor uns. Und unter meiner Ägide wird das doch mal so richtig nach vorne gehen mit dieser Stadt.
Herr Rodig, ich bedanke mich für das Gespräch.
Tom Rodig ist bis jetzt der sechste Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters. Wir werden im Laufe des Wahlkampfes auch mit weiteren Kandidaten sprechen. Wahrscheinlich auch noch einmal mit Tom Rodig.
Transparenzhinweis: Tom Rodig schreibt in der Leipziger Zeitung die satirische Kolumne „Rodig reflektiert“.
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