Leipzigs Nordwesten leidet immer stärker unter der nächtlichen Fluglärmbelastung

Der Unmut wächst im Leipziger Nordwesten. Seit sieben Jahren ist die Startbahn Süd in Betrieb. Doch eine wirkliche Entlastung beim Fluglärm passiert nicht - wenn man von der 2012 erkämpften Zusage absieht, dass Triebwerksprobeläufe grundsätzlich in der dafür gebauten Halle stattfinden sollen. Doch gerade das versucht der Flughafen gerade wieder aufzuweichen. Und Thomas Pohl aus Rackwitz befürchtet, dass die Fluglärmkommission einfach wieder einknickt.
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Er hat deshalb gleich mal einen Beschlussantrag für diese seltsame Kaffeerunde geschrieben, bei der die betroffenen Kommunen eindeutig in der Minderheit sind und sozusagen für leichte Entlastungen zumeist empfänglich sind wie für ein Gnadenbrot.

Dabei machen zumindest die Nutzer des Flughafens gute Geschäfte. Insbesondere die Frachtfluggesellschaften steigern von Jahr zu Jahr ihren Geschäftsumfang. Und das geht auch 2015 so weiter, wie Matthias Zimmermann, Pressesprecher der Bürgerinitiativen „Gegen die neue Flugroute“ und „Gegen Flug- und Bodenlärm“ im Fluglärmreport für den Februar feststellt:

Die nächtlichen Starts und Landungen haben sich seit 2008 verdoppelt. Mit 2.291 wurde die höchste Zahl seit 2008 gezählt. 1.406 dieser Starts und Landungen geschahen in der Nachtkernzeit von 0 bis 5 Uhr. Das Frachtaufkommen lag im Februar 2015 wieder um 4,6 Prozent über dem des Vorjahres. Das bezweifelt nicht nur Zimmermann, dass das alles Expressfracht ist. Aber wer kontrolliert das eigentlich?

Am 25. März tagt wieder die Fluglärmkommission. Offene Briefe gab es ja in letzter Zeit schon eine Menge. Gerade ans verantwortliche Verkehrsministerium in Dresden, das sich beharrlich in Schweigen hüllt, wenn es nicht gerade meldet, es könne sich Triebwerksprobeläufe auch wieder im Freien vorstellen.

Wohin noch schreiben, fragte sich also Thomas Pohl.

Mal wieder an den CDU-Mann Manfred Heumos, der seit Jahren der Fluglärmkommission vorsitzt?

Zumindest die Antragsvorlage zu den Triebwerksprobeläufen könnte man ihm ja schicken, fand Pohl.

Sein  Brief:

Sehr geehrter Herr Heumos,

am gestrigen Tag habe ich Ihnen per E-Mail mitgeteilt, warum am Flughafen Leipzig/Halle keine Triebwerksprobeläufe nachts im Freien (auch nicht mit wetterbedingten Ausnahmen) stattfinden dürfen. Der Nachtflug- und Bodenlärm der Fracht- und Militärflugzeuge ist in vielen Nächten unerträglich laut und nachweislich gesundheitsschädigend. Es ist nicht hinnehmbar, dass wirtschaftliche Interessen wider besseres Wissen flächendeckend zu Lasten der Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung durchgesetzt werden. Das ist vorsätzliche Körperverletzung!

Ich bitte Sie, unseren Antrag zum Verbot von Triebwerksprobeläufen nachts außerhalb des Triebwerksprobelaufstandes als dringenden Tagesordnungspunkt in die Beratung der Fluglärmkommission am 25.03.2015 aufzunehmen. Im Voraus besten Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Pohl

Und weil er so das Gefühl hat, dass die anderen Kommissionsmitglieder nicht so recht wissen, was sie in der Kaffeerunde so fragen sollten, hat er selbst gleich zwei Fragen formuliert, die er Manfred Heumos nun bittet, in der Runde mal zu stellen:

1. Wie werden in der Realität Fluglärmbeschwerden vom Flughafen „bearbeitet“? Seit dem Weggang von Herrn Semrau habe ich keinerlei Reaktionen mehr auf unsere Fluglärmbeschwerden vom Flughafen erfahren.

2. Im Jahr 2008 wurde das europäische Luftfrachtdrehkreuz vom Flughafen Brüssel-Zaventem zum Flughafen Leipzig/Halle verlagert. Wie lange müssen die Anwohner nachts noch die 40 Jahre alten, in der Luftfahrtbranche als „Kerosin-Lärm-Konverter“ verspotteten An-26 ertragen? Die LVZ hatte ja schon vor einigen Jahren von einer „vorfristigen“ Ausmusterung seitens DHL berichtet …

Und nicht nur in Rackwitz, wo Thomas Pohl wohnt, mehrt sich der Unmut über die Abschottungspolitik der Verantwortlichen am Flughafen Leipzig/Halle. Auch in Lützschena-Stahmeln gab’s jüngst so richtig Trouble. Da wollte doch tatsächlich Leipzigs OBM Burkhard Jung mal wissen, wie es sich im Windschatten der „Kurzen Südabkurvung“ so lebt. Matthias Zimmermann kommentiert den Besuch in seinem Fluglärmreport so: „Die Einwohneranfragen zum Thema häufen sich und erst kürzlich hat OB Jung bei einer Bürgersprechstunde in Lützschena-Stahmeln den Zorn der Bürger massiv erleben können. Kein Wunder, eine – über Jahrzehnte von Leipziger Oberbürgermeistern zu verantwortende und vom amtierenden OB gezielt fortgesetzte – katastrophale Stadtentwicklung hat es geschafft, dass im Leipziger Norden das Geld für jene Segnungen dieser Stadt verdient wird, die dann im Südraum gedeihen und ausgegeben werden. Verantwortung gegenüber allen Mitgliedern eines Gemeinwesens sieht anders aus.“

Und er weist dabei auch auf die Tatsache hin, dass der größte Lärm im Nordwesten dann entsteht, wenn die Maschinen nach dem Start sofort nach Norden abdrehen.

Besondere Freude gab’s in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag, 13. Februar: 67 Starts allein zwischen 0 und 5 Uhr. Da gab es dann in Böhlitz-Ehrenberg und Stahmeln Lärmspitzen bis 65 Dezibel. Und es überrascht nicht wirklich, dass das eigentlich idyllisch gelegene Lützschena-Stahmeln mittlerweile neben dem ebenfalls in der Einflugschneise gelegenen Plaußig-Portitz zu den Leipziger Ortsteilen mit Bevölkerungsrückgang (-0,8 Prozent) gehört. Noch ist das nicht viel. Aber es fällt auf und zeigt, dass Leipzig für seinen Norden, in dem es die industrielle Ansiedlungen konzentriert, keine alternativen Konzepte hat, um auch die Lebensqualität zu erhalten.

Der Fluglärmreport Februar 2015.

Der Vorschlag von Thomas Pohl zur Abstimmung über die Triebwerksprobeläufe.

FlughafenFluglärm
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