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Auch die kurzen Abkurvungen in westlicher Startrichtung sorgen zunehmend für Ärger bei den Anwohnern des Flughafens Leipzig/Halle

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    Am 6. April trifft sich ja bekanntlich wieder die Fluglärmkommission des Flughafens Leipzig/Halle zu ihrem Kaffeestündchen. Selbst die LVZ schrieb zur letzten Sitzung dieses Kränzchens: „Die gestrige Sitzung der Kommission zum Schutz gegen Fluglärm (...) erbrachte keine greifbaren Ergebnisse zu den verschiedenen Tagesordnungspunkten. Entsprechend dünn und nichtssagend fiel nach dreieinhalbstündiger Anwesenheit der FLK-Vertreter die übliche Pressemitteilung aus.“

    Das Zitat reibt Lutz Weickert der LVZ wieder unter die Nase mit Hinweis auf die nächste Kuschelrunde, wo ein ganzer Berg von Anträgen auf Bearbeitung wartet. Oder auf Vertagung, wie man das von der gemütlichen Runde wohl eher erwarten darf.

    Über die vier Anträge, die Thomas Pohl aus Rackwitz eingereicht hat, haben wir ja schon berichtet. Ein zentrales Anliegen ist ihm ja die Abschaffung der kurzen Nordabkurvung in östlicher Richtung, die seit ein paar Monaten dafür sorgt, dass Rackwitz erst so richtig die pralle Dröhnung abbekommt, wenn die Flieger nach ihrem Start in östlicher Richtung gleich nach Norden abdrehen.

    Die Böhlitz-Ehrenberger kennen das Phänomen schon länger – mit der kurzen Südabkurvung in westlicher Richtung. Aber seit Kurzem haben sie auch noch die Freude, den prallen Lärmpegel der kurzen Nordabkurvung abzubekommen. Als würde am Flughafen Leipzig/Halle das Fliegen seit 2007 völlig neu erfunden und an der umliegenden Bevölkerung erst einmal alles an Lärmversorgung ausprobiert, was an anderen Flughäfen aus gutem Grund längst abgeschafft wurde. Nur brauchte es dort in der Regel keine teuren Gutachten, bis man sich für einvernehmliche Lösungen entschied.

    Was aber in Leipzig nicht beabsichtigt scheint.

    Ergebnis für die Bewohner des Leipziger Nordwestens: „In der besonders gesundheitskritischen Nachtkernzeit erfolgen bis zu 100 Starts und Landungen über die siedlungsnahe SLB Süd. Der Dauerlärmpegel in den über 5 km vom Flughafen entfernten Leipziger Stadtteilen liegt bei bis zu 60 Dezibel, mit Spitzen bis zu 70 Dezibel. Besonders laut für die Stadtteile Wahren, Lützschena-Stahmeln und Lindenthal ist die östliche kurze Nordabkurvung und für die Stadtteile Böhlitz-Ehrenberg, Burghausen und Rückmarsdorf die westliche kurze Nordabkurvung von der SLB Süd. Der Grund für die zusätzliche Lärmbelastung ist, dass durch die Abkurvung und Steigung der Flug- und damit verbundene Lärmstrahl direkt auf die dichtbesiedelten Wohngebiete trifft. Die kurzen Nordabkurvungen werden ausschließlich aus wirtschaftlichen Interessen geflogen.“

    Was übrigens auch auf die anderen „kurzen Abkurvungen“ zutrifft.

    In Leipzig sind selbst die Regeln der Deutschen Flugsicherung auf den Kopf gestellt: „Laut Vorgaben der Deutschen Flugsicherung gelten für den Nachtflugbetrieb folgende Prioritäten:
    1. Sicherheit
    2. Lärm- und Gesundheitsschutz
    3. Wirtschaftlichkeit.“

    Logisch, dass der Ortschaftsrat Böhlitz-Ehrenberg etwas ganz Selbstverständliches beantragt: „In der Nachtkernzeit von 00:00 Uhr bis 05:00 Uhr sind Starts von der Südbahn über die kurze westliche und östliche Nordabkurvung untersagt.“

    Und dazu kommt so ein Wahrnehmungsproblem, dass die Betroffenen im Ein- und Ausfluggebiet so haben: Augenscheinlich sind deutlich mehr Flieger unterwegs. War da nicht etwas anderes versprochen?

    Ein Thema, das die Bürgerinitiative „Gegenlärm Schkeuditz“ in ihrem Antrag mit erwähnt, wo sie staunend feststellt: „Die Fluglärmkommission möge für Aufklärung in folgender Sache sorgen: Obwohl seitens DHL mehrfach verkündet wurde, dass trotz kräftiger Steigerung des Frachtaufkommens nicht mehr Flugzeuge eingesetzt werden müssten (sie würden umgerüstet und der Frachtraum besser ausgenutzt), erleben wir in Schkeuditz doch eine deutliche Steigerung bei der Anzahl der Starts und Landungen. Sie haben gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent zugenommen. Allein in der Nacht vom 16.12.2015 wurden 140 Starts und Landungen registriert. Von Flughafen und DHL ist nicht nur Aufklärung, sondern aufgrund der gestiegenen Zahl der Flugbewegungen mehr Lärmschutz zu fordern.“

    Mehr Flugzeuge also unterwegs in der Nacht auf immer mehr kurzen Abkurvungen. Man versteht schon, dass der Unmut wächst. Übrigens auch über den Lärmaktionsplan der Stadt Leipzig, in dem der Fluglärm bislang komplett ausgespart wurde. Trotzdem meldeten sich Dutzende Leipziger in der im Januar geschalteten Online-Diskussion zu Wort und machten auch Vorschläge zur Begrenzung des Fluglärms. Die hat Lutz Weickert gleich mal alle gesammelt und an  die Leipziger Redaktionen versandt. Auch an die LVZ, die nun scheinbar auch so langsam die Geduld mit dem Leipziger Schönwetterflughafen verliert.

    In der Pipeline sind übrigens seit Jahren auch die Anträge zur Einführung einer Bonusliste oder zur Umsetzung des passiven Schallschutzprogramms. Und natürlich die zur gleichmäßigen Bahnverteilung in der Nacht.

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