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Im Mai startet die LMBV den zweiten Anlauf zur Störstellenbeseitigung in der Pleiße

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    Das Entsetzen war groß 2014, als auf einmal Baggerarbeiten auf der Pleiße südlich von Connewitz begannen. Nachdem das geplante Projekt der „Störstellenbeseitigung“ jahrelang in der Schublade verschwunden war, wurde auf einmal losgebaggert. Die Umweltverbände liefen Sturm und setzten einen Baustopp durch. Ab Mai soll das Projekt wieder aufgegriffen werden. Erstaunlicherweise von der LMBV.

    Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau Verwaltungsgesellschaft (LMBV) ist eigentlich für die Revitalisierung der Bergbaufolgelandschaften zuständig, nicht für die touristische Befahrbarmachung von Fließgewässern wie der Pleiße.

    Doch im Januar meldete der Bergbausanierer, dass er hier in diesem Jahr aktiv werden wolle und das 2014 gestoppte Projekt wieder aufgreift. Eigentlich war seinerzeit das Kommunale Forum Südraum Leipzig federführend und hatte sogar damit gerechnet, schon im Sommer 2015 weiterbaggern zu können.

    Und nun ist es die LMBV, die eine Ausschreibung der Leistungen zur Störstellenbeseitigung in der Pleiße für den Abschnitt zwischen dem Fluss km 3+450 bis zum Punkt 5+123 durchgeführt hat.

    Das Kommunale Forum Südraum Leipzig hatte das Projekt noch so beschrieben: „Im Abschnitt zwischen dem Connewitzer und dem agra-Wehr, hauptsächlich südlich der Eisenbahnüberführung Pleißebrücke, befinden sich drei Flachstellen und eine Sohlschwelle, die das Befahren der Pleiße mit gewässerangepassten motorisierten Booten verhindern. Diese Störstellen sollen beseitigt werden, womit gleichzeitig eine Sohlanpassung des Gewässers auf diesem Abschnitt verbunden ist. Auf der Grundlage eines Landschaftspflegerischen Begleitplanes, der im Rahmen des  Planfeststellungsverfahrens erarbeitet wurde, soll im Abschnitt zwischen S-Bahn-Brücke und Goethesteig eine naturnahe Ausgestaltung des westlichen Uferbereiches in Form einer Böschungsabflachung als ökologische Ausgleichsmaßnahme erfolgen und damit zumindest in diesem Abschnitt eine natürlichere Gestaltung des Flusslaufs als weiter südlich davon zu erreichen.“

    Aber was hier als „ökologische Ausgleichsmaßnahme“ auftauchte, war schon ein direkter Eingriff in den Lebensraum der Grünen Keiljungfer.

    Wenn hier gebaut wird, dann geht das – wie die Leipziger Stadtverwaltung auf Anfrage der Grünen mitteilte – nur mit einer permanenten naturschutzfachlichen Begleitung der Bauarbeiten.

    Die Landesdirektion, die den Ausbau schon 2009 genehmigt hatte, hatte auch die Rolle dieses Pleiße-Abschnitts für das Gewässertouristische Nutzungskonzept betont: „Der ca. 5,2 Kilometer lange Abschnitt der Pleiße ist in zwei Bauabschnitte unterteilt. Im nördlichen Bauabschnitt, der bis etwa 100 Meter oberhalb der Eisenbahnbrücke reicht, sind Unterhaltungsmaßnahmen, wie zum Beispiel Astrückschnitte und Standsicherheitsprüfungen einzelner Bäume sowie eine Ufersicherung auf einer Länge von ca. 15 Metern vorgesehen. Im südlichen Bauabschnitt, beginnend oberhalb der Eisenbahnbrücke bis unterhalb des agra-Wehres, werden drei Flachstellen und eine Sohlschwelle beseitigt. Die bisher von der Sohlschwelle abgefangene Höhendifferenz wird dann durch eine neue Sohlgleite überwunden, die an fischereifachliche Anforderungen angepasst ist und damit auch die Längsdurchgängigkeit der Pleiße verbessert.“

    Und damals war auch das Ausmaß der geplanten Eingriffe betont worden: „Als Ausgleichsmaßnahme für den Ausbau ist im Bereich der Eisenbahnbrücke auf einer Länge von insgesamt ca. 400 m die Abflachung des linken Pleißeufers geplant. Aufgrund der fließgewässertypischen Bepflanzung kann davon ausgegangen werden, dass sich diese Fläche zu einem Lebensraum für unterschiedlichste Arten entwickelt.“

    Dumm nur, dass sich die „unterschiedlichen Arten“ auch ohne künstlichen Ausbau schon angesiedelt haben. Man kann nicht einfach besiedelte Lebensräume zerstören, um dann später auf neue Ansiedlungen seltener Tierarten zu hoffen.

    Aber die ganzen naturschutzfachlichen Probleme scheint man mittlerweile gelöst zu haben.

    „Derzeit findet eine Bewertung der eingegangenen Angebote statt. Die Zuschlagserteilung ist für Anfang März 2017 vorgesehen“, teilte der zuständige Planungsabteilungsleiter Westsachsen/Thüringen der LMBV, Rolf Schlottmann, im Januar mit.

    „Der Baubeginn wird im Mai 2017 erfolgen. Die Arbeiten im Gewässer sollen planmäßig ab August 2017 beginnen und werden voraussichtlich bis Ende Februar 2018 abgeschlossen sein. Dabei werden bei fließender Welle aus der Pleiße Sedimente und Bodenmaterial beräumt und das Gewässerprofil neu profiliert. Der Aushub wird dann verladen und abtransportiert“, ergänzt der mit den vorbereitenden Schritten befasste LMBV-Planer Jens Liebe.

    Als Sohl- und Böschungsbefestigung werden in den Eingriffsbereichen und unter den vorhandenen Brückenbauwerken Wasserbausteine eingebaut, teilt die LMBV noch mit. Abschließend seien noch Beräumungsarbeiten außerhalb des Gewässers und Landschaftsbauarbeiten im Jahr 2018 zu realisieren.

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    1 KOMMENTAR

    1. „Sprache formt Wahrheit.“
      Ich weiß nicht, warum das Vokabular der Motorbootlobby bestehend aus dem sgenannten Grünen Rind Leipzig, LMBV, Zweckverband Kommunales Forum Südraum Leipzig, Regionalem Planungsverband Westsachsen, Stadt und Landkreis Leipzig etc. übernommen werden muß.

      Ein Kanal wurde wegen des Tagebaus (nicht wegen der Schifffahrt) künstlich geschaffen, weil ein Fluß mal eben verlegt wurde. Im Laufe der Zeit haben sich Sedimente abgelagert. So, wie das bei einem natürlichen Fluß der Fall ist. Und genau das ist es heute: Zwar künstlich geschaffen, aber lediglich als neuer Verlauf.
      Jeglicher Eingriff (außer aus Gründen des Hochwasserschutzes, die hier aber gerade nicht vorliegen) verbietet sich hier.

      Es handelt sich im Sinne der Motorboot-Lobby um eine Störung des ungehinderten Motorboot-Verkehrs. Nichts anderes. Paddler stören diese Stellen nicht.
      Und in diesem Sinne ist das Vorhaben natürlich auch rechtswidrig.
      Aber die ominöse und ebenfalls rechtswidirige „Steuerungsgruppe“ hat es ja beschlossen….
      Ja, wir haben chinesische Verhältnisse schon hier.

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