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Kasseler Studenten haben ihr Holz-Bauhaus offiziell an künftige Nutzer übergeben

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    100 Jahre nach Gründung des Bauhauses und 86 Jahre nach dessen Ende wurde am Sonntag, 11. August, in Dessau ein originalgetreues Bauhaus-Gebäude eingeweiht. Wissenschaftler und Studierende der Universität Kassel haben in der zum Weltkulturerbe gehörenden Laubengang-Siedlung Dessau-Törten ein Wohnhaus nach den Plänen des Architekten und Bauhaus-Lehrers Ludwig Hilberseimer errichtet.

    Es handelt sich um ein L-förmiges einstöckiges Wohnhaus in Holzbauweise. Hilberseimer (1885–1967) hatte diesen Typus 1930 entworfen. 400 Exemplare sollten nach den Plänen von Bauhausdirektor Hannes Meyer und Hilberseimer das Ensemble der Laubenganghäuser in Dessau ergänzen. Während die Laubenganghäuser realisiert wurden und seit 2017 Welterbe-Status haben, verhinderte die 1929 einsetzende wirtschaftliche und politische Krise den Bau der ergänzenden Flachbauten.

    Es wurde 1932 lediglich ein Exemplar für die Ausstellung zum wachsenden Haus in Berlin realisiert. „Der mit Abstand innovativste Beitrag des Bauhaus zum Wohnungsbau ist heute nahezu vergessen“ sagt der Kasseler Architektur-Professor Philipp Oswalt, der von 2009 bis 2014 die Stiftung Bauhaus Dessau leitete. „Zumal er auch nicht in das gängige Bauhaus-Cliché passt: Nicht aus Glas, Stahl und Beton, sondern in einfacher Holzbauweise, preiswert, ökologisch und erweiterbar.“

    „Wir korrigieren ein einseitiges Bild des Bauhaus“

    Oswalt hat die Realisierung nachgeholt und in den vergangenen drei Wochen eines der Gebäude mit Studierenden prototypisch errichtet, auf einem vakanten städtischen Grundstück (Mittelbreite 12) direkt neben einem der Laubenganghäuser. „Damit wird erstmalig die innovative städtebauliche Gesamtkonzeption verdeutlicht wie zugleich der nicht minder anregende Haustyp von Hilberseimer präsentiert. Wir korrigieren ein einseitiges Bild des Bauhaus und geben einen Impuls zur heutigen Wohnungsbaudebatte. Zugleich ist dies im Jubiläumsjahr des Bauhaus ein Art Reenactment“, so Oswalt.

    Am Sonntag wurde das Gebäude feierlich eröffnet und der Schlüssel an den Betreiber, den Deutschen Werkbund Sachsen-Anhalt, übergeben.

    Das Haus ist demontierbar und soll nach anderthalbjähriger Nutzung in Dessau weiterziehen. Als zweiter Standort ist die Umgebung des Hauses Lemke von Mies van der Rohe in Berlin-Hohenschönhausen geplant. Mies hat hier den Gebäudetyp von Hilberseimer aufgegriffen und in einer luxuriösen Variante als Villa realisiert.

     

    Studierende der Uni Kassel mit dem Haus (Baustand 8. August). Foto: Uni Kassel
    Studierende der Uni Kassel mit dem Haus (Baustand 8. August). Foto: Uni Kassel

    Oswalt leitet das Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen der Universität Kassel. Ein Schwerpunkt in der Forschung des Fachgebiets ist das Werk von Hannes Meyer (1889 –1954) und dessen Wirkung. Als zweiter Bauhausdirektor 1928–1930 orientierte Meyer das Bauhaus neu, indem er die enge Zusammenarbeit mit der Industrie forcierte und eine eigene Bauabteilung etablierte. Er suchte nach einer am sozialen Gebrauch orientierten Architektur. Sein Direktorat folgte dem Motto „Volksbedarf statt Luxusbedarf“.

    Unter anderem anhand von Diplomzeugnissen konnten Forscher der Universität Kassel nachweisen, dass die Gesamtplanung auf den Bauhaus-Lehrer Ludwig Hilberseimer (1885–1967) zurückgeht. Sie sah zu drei Vierteln Wohnungen in einer verdichteten, eingeschossigen Flachbauweise vor. Während diese Pläne in Dessau weitgehend unverwirklicht blieben, realisierte Hilberseimer den Protoypen eines Flachbaus kurze Zeit später in Berlin. Ende der 50er Jahre setzte er seine Vorstellungen dann gemeinsam mit Mies van der Rohe im wegweisenden Projekt Lafayette Park in Detroit/USA um. Die Forschungsgruppe schlägt nun vor, den Berliner Prototypen neben einem der Laubenganghäuser zu realisieren.

    Die bislang kaum erforschten Laubenganghäuser in Dessau-Törten sind wichtigstes und neben dem zerstörten Haus Nolden einziges realisiertes Bauvorhaben der Bauabteilung des historischen Bauhauses.

    An dem Projekt waren neben dem Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen der Universität Kassel folgende Partner beteiligt: Constructlab, Plattform für kollaborative und experimentelle Konstruktionen; Walter-Gropius-Gymnasium Dessau; Hochschule Anhalt/Internationales Masterprogramm Design; Firma Wilkhahn; Werkbund Sachsen-Anhalt; Stadt Dessau-Roßlau.

    Dessau bekommt ein komplett neues Bauhaus-Gebäude

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