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Flucht nach Clausnitz, Osterzgebirge, Sachsen: Ein Bus, eine Straßensperre und zwei Videos

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    Keine guten Zeiten für Flüchtlinge in Sachsen, allen voran in Ostsachsen, nun auch in Mittelsachsen, meist weitab der großen Städte. Ein Satz, der manchen auch noch freuen dürfte. Seit der letzten Nacht taucht ein neuer Name einer Gemeinde auf, welche nach Heidenau, Freital und weiteren Orten Sachsens traurige Berühmtheit erlangen dürfte. Clausnitz im Osterzgebirge hat längst seinen eigenen Hashtag auf Twitter, nachdem am Abend des 18. Februar dort mittels eines Pkw erst ein Bus mit Flüchtlingen gestoppt und anschließend eineinhalb Stunden umlagert und blockiert wurde. Erneut zeigte sich auch die anwesende Polizei überfordert.

    Gegen Mittag am 19. Februar schien der Peak in den sozialen Netzwerken bereits erreicht. Ein kurzes Video verbreitete sich rasant und auch TV-Entertainer Jan Böhmermann war kräftig mit dabei, die Bilder eines blockierten Busses in Clausnitz vor Augen zu führen, die ersten Medien berichteten. Wer auch immer auf die Digitalanzeige „Reisegenuss“ am im Video zu sehenden Reisebus gekommen ist, hatte entweder ganz schwarzen Humor oder meinte es sogar irgendwie gut. Hier nun wirkt es in den Aufnahmen wie die Antithese zur brüllenden Horde, die den Weg versperrte und gleichzeitig das „Empfangskomittee“ für die Flüchtlinge bildete.

    Im Fahrzeug Frauen, Kinder, junge Männer, die sich vorerst am Ende einer langen Reise glaubten. Am Ende Tränen im Bus, Jubel über die eingreifende Polizei davor. Nicht anders herum, denn die seitens der Polizei Sachsen bestätigten 30 Beamten vor Ort sahen sich lange Zeit nicht in der Lage, die Situation zu klären. Zumindest nicht so, wie man erwartet hätte, auf die blockierenden „Wir sind das Volk“-Rufer gerichtet.

    Dies zeigt ein weiteres Video von einem beherzt zupackenden Einsatzbeamten, welcher einen komplett verängstigten Jungen gegen seinen Willen aus dem Bus zerrt. Auch wenn dies zur Sicherung gedacht war, wird es auch zu diesem Einsatz noch mehr Fragen geben, als die bisherige Antwort der sächsischen Polizei auf Facebook hergibt.

    In dieser heißt es vorerst auf Nachfrage eines Users: „ … die schrecklichen Bilder/Videos erreichten uns heute morgen via Social Media. Wir als Polizei müssen die Neutralität in unseren Einsätzen wahren. Das fällt uns in dieser Situationen wirklich schwer. Wir sind alle Menschen in den blauen Uniformen, die genau wie Du empfinden beim Schauen des Videos. Eins ist uns 100 % klar: Verstößt jemand gegen geltendes Recht, ist es unsere Pflicht einzuschreiten und dies tun wir dann auch in aller Konsequenz. Es ist nicht hinnehmbar für uns was dort passiert ist.“

    Man habe zumindest verhindern können, „dass es zu körperlichen Auseinandersetzungen oder Verletzten kommt, wenngleich wir psychische Folgen eines solchen Ereignisses schwer verhindern können.“ Insgesamt seien 13 Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz aufgenommen worden, so die Beamten im sozialen Netzwerk.

    Ob dies alles so überraschend war, ist längst fraglich angesichts der sich immer wieder vorab in sozialen Netzwerken aufschaukelnden Stimmung und den ersten Erkenntnissen über die Lage in der Gemeinde, wo die Flüchtlinge nun aktuell untergebracht wurden.

    Dass die Spur der vor allem aus Männern bestehenden Gruppe, die in dieser Zeit immer wieder „Wir sind das Volk“ brüllen, auch nach Döbeln führt, ist so gut wie sicher. Die Facebookseite „Döbeln wehrt sich“ ist derzeit nicht mehr erreichbar, aber auch im Ortsteil der Gemeinde Rechenberg-Bienenmühle selbst sollen vor der Ankunft Banner an Häusern gehangen haben, die weniger von froher Ankunft kündeten.

    Video 2 vom polizeilichen Eingreifen

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      3 KOMMENTARE

      1. Die Polizei mag vielleicht ein paar Anzeigen wegen unangemeldeter Versammlungen aufgenommen haben, aber was haben die Polizisten getan um die Flüchtlinge sicher in ihr Quartier zu bringen? Nichts, sie haben die Menschen im Gegenteil noch mehr in Angst und Schrecken versetzt.

        “ Wir als Polizei müssen die Neutralität in unseren Einsätzen wahren. Das fällt uns in dieser Situationen wirklich schwer.“
        Ja, man sieht, wie es den Polizisten im Bus schwer fällt neutral zu bleiben beim hinaus“abführen“ der Flüchtlinge.

        Ein paar Anzeigen wegen Versammlungsverbot. Soso, und die rechten Parolen, die Bedrohung und Beschimpfung, der Eingriff in den Straßenverkehr? Was ist damit? Peanuts?

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