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„Kirchentag auf dem Weg“ in Leipzig und Torgau wurde mit 3,2 Millionen Euro Steuergeldern subventioniert

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    So richtig doll geklappt hat das mit dem „Kirchentag auf dem Weg“ im Mai wohl nicht. Weniger Publikum als versprochen verirrte sich nach Leipzig. Und nicht nur André Schollbach, Landtagsabgeordneter der Linken im Sächsischen Landtag, hatte das dumme Gefühl, dass sich hier ein Organisationskomitee selbst gefeiert hat, ohne wirklich Publikum hinterm Ofen hervorlocken zu können.

    Was viele Gründe hat. Einen sprach ja Thomaspfarrer a. D. Christian Wolff an: Es war ein „von oben herab“ organisierter „Kirchentag auf dem Weg“, in den die Kirchgemeinden vor Ort so gut wie nicht einbezogen waren. Und dazu kommt, dass kirchliche Organisationskomitees eher verschlossene Gremien sind. Man hat es nicht einmal für nötig befunden, dieses Fest, das in den Reigen um das 500-jährige Jubiläum von Luthers Thesenanschlag gehört, zu öffnen für ein Publikum, das mit Kirche schon lange nichts mehr am Hut hat.

    Man hat einfach so getan, als hätten die Veränderungen der Gesellschaft „da draußen“ mit den Entwicklungen in der evangelischen Kirche so gar nichts zu tun. Das hatten sie aber schon zu Luthers Zeiten. Der Theologe dachte seine Kirchenreform auch immer als Lösungsangebot für die seelischen Nöte der ganzen Gesellschaft – aus seiner Sicht immer unter dem strengen Hut der Kirche. Aber das trifft im Jahr 2017 natürlich nicht mehr zu.

    Nicht einmal in der einst stark religiös geprägten Bundesrepublik ist Kirche noch der allein seligmachende Maßstab, wenn es um die Orientierung der Menschen geht. Nur noch 23,8 Millionen Menschen gehörten 2016 nach Angaben des Bundesamtes für Statistik der katholischen Kirche an, 22,2 Millionen der evangelischen.

    36 Millionen Menschen waren entweder völlig unreligiös oder gehörten zu einer anderen Glaubensgemeinschaft. Und die Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen gehen permanent zurück. In Sachsen und Leipzig gehören über 80 Prozent der Menschen keiner Kirche an. Umso verblüffender war natürlich, dass 2016 erst der Katholische Kirchentag in Leipzig stattfand, von Land und Stadt mit Millionen gefördert. Nun wurde auch der evangelische „Kirchentag auf dem Weg“ mit Millionen unterstützt.

    Mit einer Geldsumme, die zumindest den Landtagsabgeordneten der Linken, André Schollbach, verblüfft.

    Denn nach der Auskunft der Landesregierung, die er jetzt bekam, wurde sichtbar, dass der vom 25. bis 27. Mai 2017 in Leipzig und Torgau durchgeführte „Kirchentag auf dem Weg“ mit 3,2 Millionen Euro aus öffentlichen Kassen finanziert wurde. Allein der Freistaat Sachsen gab großzügig 2,25 Millionen Euro aus dem Staatssäckel. Dazu kamen 950.000 Euro von der Stadt Leipzig.

    Die Gegenrechnung: Der „Kirchentag auf dem Weg“ war in Sachsen mit Kosten in Höhe von 5,36 Millionen Euro geplant worden – mehr als die Hälfte des Budgets wurde mit öffentlichen Geldern finanziert. Trotz der Millionenkosten zog der „Kirchentag auf dem Weg“ deutlich weniger Besucher an als von den Veranstaltern erwartet. Statt rund 50.000 Teilnehmern kamen lediglich 15.000.

    Das hat überhaupt kein Verhältnis mehr, stellt der Landtagsabgeordnete fest.

    „Immer wieder werden Großveranstaltungen der Kirchen großzügig aus der Staatskasse finanziert. Dabei erhalten die Kirchen bereits jährlich wiederkehrende Millionenzahlungen vom Freistaat Sachsen“, so Schollbach. „Es stellt sich die Frage, warum die Kirchen ihre Veranstaltungen nicht selbst finanzieren, sondern dafür riesige Geldgeschenke des Staates bekommen. Für viele gesellschaftlich wichtige Aufgaben im sozialen und kulturellen Bereich ist kein Geld da, aber hier wird es mit vollen Händen ausgegeben.“

    Und vor allem: Es wird nicht spürbar, dass die Kirchen bei all ihren Feiern versuchen, wieder zurückzukommen in den gesellschaftlichen Diskurs. Man feiert unter sich und organisiert auch nur für sich, ist aber mit dieser Verweigerung der aktuellen Diskurse natürlich nicht allein. Schon gar nicht in Sachsen, wo das Mäntelchen „unserer christlichen Werte“ auch politisch in den Wind gehängt wird, wenn soziale Fragen zu unbequem werden.

    Kleine Anfrage und Antwort der Staatsregierung (Parlaments-Drucksache 6/9846).

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