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Kirchentag

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Viel Geld für den Kirchentag vom Steuerzahler. Die Giordano Bruno Stiftung warf es auf dem Kirchentag symbolisch auf die Straße. Foto: L-IZ.de

Giordano Bruno Stiftung: „Leipziger Kulturdezernat verschweigt eigenes Versagen beim Kirchentagsdebakel“

Die Kunstaktion der Giordano Bruno Stiftung „11. Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!“ erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stadt Leipzig und die sächsische Landesregierung: Aus der kürzlich veröffentlichten Zwischenbilanz des Kulturdezernats wird deutlich, dass die Politik leichtfertig Fördergelder für den Kirchentag vergab und sehenden Auges Geld für eine ideologisch gefärbte Veranstaltung ausgab.

Viel Organisiert "von oben", wenig von "unten" gemacht. Der Kirchentag in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Der Kirchentag in Leipzig hat seine Besucherziele völlig verfehlt

Schon im Mai, als in Leipzig der „Kirchentag auf dem Weg“ stattfand, gab es hörbare Kritik an dem Ereignis und an den nicht erfüllten Erwartungen der Veranstalter. Immerhin hatte sich Leipzig mit 950.000 Euro an der Finanzierung beteiligt. Das Kulturamt versucht jetzt, das Debakel irgendwie zu erklären.

Eine Aktion der Giordano Bruno Stiftung: Der alte Luther auf dem Kirchentag in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Kirchentag auf dem Weg in Sachsen hat einen neuen Subventionsgipfel erreicht

Die Zahlen liegen jetzt vor. Mit 3,2 Millionen Euro haben der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig den „Kirchentag auf dem Weg“ finanziert. Das ist ein neuer Rekord in der staatlichen Subvention eines Kirchenfestes, stellt jetzt die Kunstaktion „11. Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!“ fest. Und die geliebte Umwegrendite? Ein Märchen fürs Volk.

Ein Aluhut für Hahnemann am 15. Juni in Leipzig. Foto: Maximilian Steinhaus gbs

Leipziger Homöopathie-Gegner setzen Hahnemann-Denkmal Alu-Hut auf

Anlässlich des gerade in Leipzig stattfindenden Weltkongresses der Homöopathen haben die "Leipziger Skeptiker" und die "gbs Leipzig" am heutigen Donnerstag, 15. Juni 2017, dem Samuel-Hahnemann-Denkmal am Richard-Wagner-Platz einen Alu-Hut aufgesetzt. Mit ihrer Aktion wollen die beiden wissenschaftsfreundlichen Gruppen auf die Nicht-Wirksamkeit der Homöopathie hinweisen. 

Deutschlands höchster Würdenträger seiner Kirche: Bruder Spaghettus war bereits 2016 in Leipzig zu Gast und las aus dem Evangelium. Foto: Alexander Böhm

Monströser Kirchentag 2018: Die nächste Million?

Mitten in den evangelischen Kirchentag platzte am Freitag, 26. Mai 2017, erstmals die Meldung, dass es im kommenden Jahr eine weitere religiöse Veranstaltung von internationaler Bedeutung in Leipzig geben könnte. In einer ersten Presseaussendung überraschten die Leipziger Piraten mit der Information, dass ihre Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann einen Antrag für den Leipziger Stadtrat vorbereite, in welchem ein kommunaler Zuschuss für einen weiteren Kirchentag in Leipzig beantragt werden soll. Von bis zu einer Million Euro war die Rede.

Kirchentag in Leipzig: Probe am 26. Mai kurz vor 20 Uhr auf dem Leipziger Marktplatz. Foto: L-IZ.de

Kirchentage auf dem Weg: Trotz mancher Highlights ein Flop mit Ansage

Das Positive am Anfang: Die lange Kaffeetafel am Samstagnachmittag in der Leipziger Petersstraße, organisiert von evangelischen und katholischen Kirchgemeinden. Es werden Tausende gewesen sein, die sich im Laufe der vier Stunden an die Tische gesetzt und miteinander gesprochen haben. Das hat funktioniert. Warum? Weil hier Beteiligung gefragt war, Organisation von unten. Ein überzeugendes Beispiel dafür, was ehrenamtliches Engagement bewirkt. Kosten? So gut wie keine. Hier hatte der Kirchentag Gastgeber und viele Gäste.

Publikum auf dem Leipziger Augustusplatz. Foto: L-IZ.de

Zahlen und Einschätzungen zu den Kirchentagen

Am heutigen Tag erleben die sechs Kirchentage auf dem Weg in acht mitteldeutschen Städten ihren Schlusstag. Am Sonntag, 28. Mai, münden sie dann in das Festwochenende mit Festgottesdienst, Reformationspicknick und dem Konzert Live 17 auf den Elbwiesen in Lutherstadt Wittenberg. Atmosphärisch waren die Kirchentage auf dem Weg im #Reformationssommer ein voller Erfolg. Das Interesse an den Veranstaltungen etwa in Leipzig ist sehr hoch: gerade bei den Open-Air-Veranstaltungen und den kleinen Diskussions-runden kamen gestern fast 16.000 Menschen zusammen.

DIE-PARTEI-Demo: „Luther war ein Schmock“. Foto: Alexander Böhm

Die PARTEI marschiert gegen Luther und für Sonneborn + Video

Am Nachmittag demonstrierten circa 60 Personen gegen das 500. Martin-Luther-Jubiläum und thematisierten den Lutherischen Antisemitismus. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Partei Die PARTEI. Der Demonstrationszug zog ab 13 Uhr vom Connewitzer Kreuz zum Neuen Rathaus. Zentrale Forderung war die Umbenennung des Martin-Luther-Rings in Martin-Sonneborn-Ring.

Eine Aktion der Giordano Bruno Stiftung: Der alte Luther auf dem Kirchentag in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Auf dem Weg: Luther beim Kirchentag + Video

Er kam spät, aber er kam. Noch auf der betonierten Fernstraße von Preußen gen Sachsen war Luthers Reise bereits das erste Mal beinahe zu Ende, als seine Reisekutsche nicht mehr starten wollte. In Berlin mit einem „Volksverhetzungs“-Bannfluch der Obrigkeit belegt, reiste der Reformator trotz Panne mutig weiter durch das Land seiner Protestanten und neuer Atheisten. Immerhin in Begleitung von Moses selbst – was konnte da schon schiefgehen – rollte er gegen 16:30 Uhr in Leipzig ein. Am Augustusplatz jedoch versuchten ihn erneut Büttel des Staates zu stoppen und zur Abkehr von seinem Weg zu zwingen. Doch der Reihe nach: Luther ein Antisemit? Moses in Leipzig? Und was hat das Spaghettimonster damit zu tun?

Der nackte Luther in Berlin. Foto: gbs, Maximilian Steinhaus

Giordano-Bruno-Stiftung kommt mit nacktem Luther nach Leipzig

Nicht nur die Schriftstellerin Thea Dorn hadert mit diesem Luther, der dieser Tage wieder im Mittelpunkt des Kirchentages steht und die Scharen der Protestanten auch nach Leipzig lockt. Auch die Giordano-Bruno-Stiftung tut sich schwer – nicht nur mit Kirchentagen an sich (und ihre Finanzierung aus öffentlichen Kassen), sondern auch mit Martin Luther. Den bringt sie heute sogar mit nach Leipzig: nackt. Eine anstößige Sache.

„Sie“ in der Inszenierung der Cammerspiele Leipzig. Foto: Ruslan Hrushchak

Cammerspiele bereichern den Kirchentag mit der Premiere von Genets „Sie“

Jean Genet gehört ja zu jenen Dramatikern, die einfach Pech gehabt haben. Er wird meist nur auf ein Stück reduziert, das auf Kammerbühnen immer wieder gern von spielfreudigen Herren dargeboten wird: „Die Zofen“. Da vergisst man fast, dass er auch andere, gesellschaftlich durchaus brisante Stücke schrieb. „Sie“ zum Beispiel. Am Freitag, 26. Mai, feiert das Spektakel im Rahmen des Leipziger Kirchentags auf dem Weg Premiere in den Cammerspielen.

Auch bei Nieselwetter: Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Leipzig. Foto: Ralf Julke

Neue Stolpersteine erinnern an das Schicksal von behinderten Menschen im Nationalsozialismus

Während des Leipziger „Kirchentag auf dem Weg“ erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig am 27. Mai 2017 in Leipzig mit 29 neuen Stolpersteinen an Opfer des Nationalsozialismus. Das Projekt Stolpersteine erinnert und vergegenwärtigt das Leid von jüdischen Mitmenschen, Kindern und Erwachsenen mit Behinderungen, Sinti und Roma, Homosexuellen sowie politisch Andersdenkenden und allen anderen von der Ideologie des Nationalsozialismus Verfolgten und Ermordeten. Seit nunmehr über 10 Jahren werden diese Erinnerungsmale in Leipzig verlegt. Am 27. Mai folgen weitere 29 Steine, die in der Nähe der einstigen Wohnhäuser der Opfer in den Gehweg eingelassen werden.

© Reformationsjubiläum 2017 e. V.

Verkehrseinschränkungen rund um den Kirchentag in Leipzig

Rund um den Kirchentag vom 25. bis 27. Mai im Rahmen des Reformationsjubiläums ist in Leipzig mit Verkehrseinschränkungen zu rechnen. Zu den 500 Veranstaltungen werden insgesamt rund 50.000 Besucher erwartet. Im gesamten Innenstadtbereich sowie in der Nonnenmühlgasse gibt es zahlreiche Veranstaltungen auf öffentlichen Verkehrsflächen.

Einst Stasi-Sitz in Leipzig: die heutige Gedenkstätte Runde Ecke Leipzig. Foto: Ralf Julke

Podiumsdiskussionen über Errungenschaften der Friedlichen Revolution und aktuelle gesellschaftliche Probleme

Während des diesjährigen „Kirchentages auf dem Weg“ lädt die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ vom 25. bis 28. Mai 2017 ein, sich am authentischen Ort über die kommunistische Diktatur in der DDR und ihre Überwindung durch die Friedliche Revolution zu informieren. Unter dem Motto „Von der Leipziger Disputation zur Friedlichen Revolution“ wollen wir außerdem in drei Podiumsdiskussionen Raum für Kontroversen über aktuelle gesellschaftliche Probleme geben.

Familie Rauch vollendet ein Ausstellungsstück: Foto: INSPIRATA

INSPIRATA-Sonderausstellung anlässlich des Kirchentages eröffnet

Am bevorstehenden „Kirchentag auf dem Weg“ beteiligt sich auch Leipzigs mathematisch-naturwissenschaftliches Bildungszentrum INSPIRATA mit der Sonderausstellung „Geometrie und Kirchenarchitektur“. Die INSPIRATA ist aus diesem Anlass am Freitag, dem 26. Mai von 10:00 bis 17:00 Uhr und am Samstag, dem 27. Mai von 12:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

„Luthers Vesperpredigt am ersten Pfingstfeiertage bei Einführung der Reformation in Leipzig 1539“ aus dem Jahr 1839. Foto: Stadtgeschichtliches Museum

Kuratorenführungen zum Deutschen Evangelischen Kirchentag

Nicht nur an die Gäste des Deutschen Evangelischen Kirchentags richtet sich das Angebot der Kuratorinnen Ulrike Dura und Dr. Maike Günther in der Ausstellung „Luther im Disput“ im Alten Rathaus. Auch Leipziger sind herzlich eingeladen, in kompetenter Begleitung die Sonderschau zu entdecken, die die Reformation und ihre Folgen als eines der umwälzendsten Ereignisse der europäischen Geschichte beleuchtet.

Anna Magdalena Bach (dargestellt von Oke Löffler, Praktikantin im Bach-Archiv) und Thomaner Nathanael Vorwergk mit Maskottchen Murmeltier Manni. Foto: „Bach-Archiv Leipzig/Franziska von Sohl

Kirchentag auf dem Weg: Bach-Archiv unterstützt Privatquartiersuche

Es ist diese Stimme: Mit seinem glasklaren Sopran hat heute der Thomaner Nathanael Vorwergk im Leipziger Bach-Archiv Anna Magdalena Bach (dargestellt von Oke Löffler) mit dem Lied „Der lieben Sonne Licht und Pracht“ (BWV 446) beeindruckt. An der Orgel begleitet wurde der Zwölfjährige dabei von Thomaskantor Gotthold Schwarz.

Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann. Foto: L-IZ.de

Der Stadtrat tagt: Einer geht noch + Audio

Eines muss man der Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann lassen – sie bleibt dran. Nachdem sie in der vergangenen Ratsversammlung bereits die Auswertung der Stadtverwaltung zum finanziellen Verlauf des 100. Katholikentages förmlich in der Luft zerrissen hatte, forderte sie nunmehr die Streichung der 950.000 Euro für den kommenden Kirchentag in Leipzig. Oder besser in Berlin und eben weniger in Leipzig, wie die Stadträtin betonte. In ihrem Redebeitrag versuchte sie nochmals auf die Frage hinzuweisen, dass der versprochene finanzielle Nutzen nicht eintraf und eintreffen wird.

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