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Alles scheint möglich: Wahlumfrage zeigt Linksruck in Sachsen

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    So manche Pessimisten haben sich bereits auf das Worst-Case-Szenario vorbereitet: eine Regierungsbeteiligung der AfD nach der Landtagswahl in Sachsen am 1. September. Denkbar ist das auch weiterhin. Doch eine neue Wahlumfrage zeigt plötzlich ganz andere Möglichkeiten auf: Linke, Grüne und SPD verfehlen gemeinsam nur knapp eine Regierungsmehrheit. Vor allem die jungen Wähler/-innen tendieren klar in diese Richtung.

    Das Marktforschungsinstitut IM Field hat im Auftrag der LVZ eine Umfrage unter 703 Personen durchgeführt, welche Partei sie wählen würden, wenn am kommenden Sonntag in Sachsen die Landtagswahl wäre. Es ist die erste Wahlumfrage dieser Art im Jahr 2019 und sie liefert bemerkenswerte Ergebnisse.

    Erstens: CDU (27%) und SPD (11%), die beiden regierenden Parteien, hätten weiterhin keine Mehrheit mehr – ein seit Monaten gewohntes Bild.

    Zweitens: Keine Koalition aus nur zwei Parteien käme auf eine Mehrheit. CDU und AfD (18%) erreichten zusammen 45 Prozent; die anderen Parteien, die in den Landtag einziehen würden, hätten gemeinsam 49 Prozent.

    Drittens: Eine Mitte-Links-Koalition erscheint plötzlich realistisch. Das liegt vor allem an den Grünen (16%), die zum ersten Mal seit fast sechs Jahren in einer Wahlumfrage wieder ein zweistelliges Ergebnis erreichen. SPD und Linke (17%) bleiben hingegen weitgehend stabil. Zusammen kommen die drei Parteien auf 44 Prozent. In den Umfragen vor einigen Monaten waren es noch 36 beziehungsweise 37 Prozent.

    AfD erstmals seit vier Jahren unter 20 Prozent

    Viertens: Die AfD stürzt ab. Mit 18 Prozent ist sie so schlecht wie zuletzt kurz nach der Landtagswahl im September 2014. Seitdem lag sie in Umfragen immer über 20 Prozent, zuletzt sogar bei rund 25.

    Fünftens: Der Erfolg oder Misserfolg der FDP (5%) könnte über den Wahlausgang entscheiden. Würde sie beispielsweise noch zwei Prozent an die Grünen verlieren, hätten die Mitte-Links-Parteien eine Regierungsmehrheit. Die „Freien Wähler“ liegen bei zwei Prozent – möglicherweise könnten auch sie noch eine wichtige Rolle spielen.

    Sechstens: Würden nur die 18-29-Jährigen zur Wahl gehen, hätten Grüne, Linke und SPD eine komfortable Mehrheit: 72 Prozent der Wähler/-innen in dieser Gruppe würden sich für eine der drei Parteien entscheiden. Allein die Grünen würden 46 Prozent der 18-29-Jährigen wählen.

    Siebtens: Die neuen Parteien von Frauke Petry und André Poggenburg, beide ehemals AfD, erreichen jeweils null Prozent.

    Wahlumfrage im März 2019. Grafik: wahlrecht.de
    Wahlumfrage im März 2019. Grafik: wahlrecht.de

    Was ergibt sich aus diesen Ergebnissen? In Sachsen ist plötzlich alles möglich. Während sich einige CDU-Landtagsabgeordnete laut Medienberichten zuletzt auf Sondierungsgespräche mit der AfD vorbereiteten, können Linke, Grüne und SPD wie aus dem Nichts auf eine Regierungsmehrheit hoffen. Ob die Grünen dieses Ergebnis bis zur Landtagswahl halten können, erscheint jedoch derzeit als größter Unsicherheitsfaktor für solche Gedankenspiele.

    Themen wie Klimawandel, Umweltschutz und Energiewende dürften die Werte der Grünen in den Umfragen nach oben getrieben haben. Möglicherweise spielen diese im Landtagswahlkampf nun eine bedeutende Rolle.

    Vor allem CDU und SPD dürften vor einer Richtungsentscheidung stehen. Möchte die CDU nach rechts rücken, um AfD-Sympathisanten für sich zu gewinnen? Oder in die Mitte, wohin derzeit offenbar deutlich mehr Sachsen tendieren als noch vor einigen Monaten.

    Besonders spannend ist der Blick auf die SPD, die bislang eine Koalition mit Linken und Grünen mit Blick auf die Umfrageergebnisse öffentlich kaum in Betracht gezogen hatte. Doch nun scheint alles möglich: eine Regierung unter Beteiligung der AfD ebenso wie ein linker oder grüner Ministerpräsident.

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    2 KOMMENTARE

    1. 703 Personen?
      Mit dem Ergebnis, dass die CDU und die Afd an die Grünen verliert 😉
      Wo LVZ draufsteht, ist eben auch LVZ drin…

    2. Ich sehe keinen Linksruck sondern einen Realitätsruck – endlich.
      Und die Sachsen wollen wohl eher Zukunft gestalten als zurück in die Vergangenheit. Völlig normal also wir Sachsen!

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