Fußball gilt Vielen als die schönste Nebensache der Welt, so
werbeüberfrachtet war der mitgliederstärkste Sport Deutschlands in
Leipzig allerdings selten. Eine feine Geste zumindest, dass 100.000
Euro aus den Erlösen auch für die Hilfe von Betroffenen des
aktuellen Hochwassers gespendet werden sollen. So jedenfalls
versprach es der Hauptakteur des Abends, Michael Ballack, vor dem
Spiel. Ansonsten wird vor allem der Nachwuchssport gefördert.
Spendenaufrufe liefen zudem über die Werbebanden.
Während der Partie wurde – wie typisch für Abschiedsspiele – der Ball versucht, ins Tor zu tragen. Soll heißen, es wurde erst am gegnerischen Fünfmeter-Raum der Abschluss versucht, bis dahin mussten auf dem vom Regen durchtränkten Rasen Ballstaffetten herhalten, die sich bitte in ihrer Kreativität zu übertreffen hatten. So wie es in Benefizspielen eben üblich ist.
Einer der größten Gewinner war übrigens schon zu Beginn der
Leipziger Zoo mit dem kessen Werbespruch „Bei uns kickt der
Nachwuchs – Hier die alten Herren“. Das stimmte zum Großteil. Aus
der jüngeren Generation waren lediglich Sydney Sam, André Schürrle
und Phillip Lahm mit von der Partie. Wie wenig ernst die Sache war,
wurde schon an den Trikotnummern klar, es behielt einfach jeder
Spieler seine Wunschnummer, was dazu führte, dass auf Seiten der
Weltauswahl gleich dreifach die Nummer 9 auf dem Feld stand.
Nach etwa 10 Minuten hatte Michael Ballack seine erste Chance, hob
den Ball aber über das Tor von Weltauswahl-Keeper Roman
Weidenfeller. Pavel Kuka netzte kurze Zeit später aus dem Abseits
ein, wobei Schiedsrichter Bernd Heynemann vielleicht einfach das
erste Tor dem Gastgeber gönnen wollte, der dann auch in der 20.
Minute einen abgefälschten Ball in das Tor von René Adler kullern
ließ. Mehr nach Fußball sah dann Didier Drogbas Treffer in der 27.
Minute zum 1:1 aus. Ein Steilpass und zumindest ein ernstgemeinter
Schuss, auch wenn René Adler sicher nicht sein ganzes Können
abrief, es war ein Ball, der schon mal in den Maschen landen darf.
In der Folge hätte das Team von Michael Ballack fast im Rückstand
gelegen, als Vratislav Lokvenc aus spitzem Winkel nur noch den
Innenpfosten erwischte, von wo der Ball aber wieder aus dem Tor
sprang.
Als einer der alten Herren durfte sich kurz nach der Pause Andreas „Zecke“ Neuendorf nach einem schönen Pass von Sidney Sam in die Torschützenliste eintragen. André Schürrle traf zum 3:2, Didier Drogba besorgte den Ausgleich, bevor wieder Michael Ballack an der Reihe war um den Führungstreffer zu besorgen. Das Ergebnis wirkte in der Folge abgesprochen, schließlich kickte Ballack inzwischen in der Weltauswahl und konnte sein Abschiedsspiel ja nicht verlieren.
Da der Unterhaltungswert auf dem Rasen also ab der 70. Minute
schwer abfiel, geriet es zum großen Spaß, Papierflieger aus dem
Oberrang auf das Spielfeld segeln zu lassen. Es brauchte einige
Fehlkonstruktionen, bis der erste wirklich auf dem Gras des
Zentralstadions ankam, was die „Ingenieure“ mit großem Jubel
feierten. Nun war es mit wenigen Ausnahmen ein echter
Altherren-Kick mit wenig Tempo, der von ein paar wenigen gelungenen
Einzelaktionen unterbrochen wurde.
So konnte zum Beispiel Per Mertesacker im eigenen Strafraum zeigen,
dass er Zinedine Zidanes Marken-Trick beherrscht. Während einer
halben Körperdrehung gilt es hierbei mit der Hacke den Ball zu
streicheln und in der Bewegung mitzuführen. Es klappte hervorragend
und zwei Gegenspieler standen da wie Slalomstangen. Mertesacker
zollte nach dem Spiel auch artig dem Hauptdarsteller ein Lob: „Ich
habe ihn für beide Mannschaften wichtige Akzente setzen sehen.“
Ballack selbst schätzte dies realistisch ein: „Meine Gegenspieler
haben schon kräftig mitgeholfen.“
Bis zum sentimental zelebrierten und ganz stimmungsvollen Abschied nach Abpfiff (schon in der 83. Minute) gab es ja außer Papierfliegern auch nicht viel zu bejubeln. Die Ehrenrunde begann mit Robbie Williams Version von „My Way“ wurde unterbrochen von einem Video in dem Familie Ballack als Fußballelf und Michaels Omis als Doppelspitze die Hauptrollen spielten und klang mit U2s „Beautiful Day“ aus.
Es war zum Glück ein Schönwetter-Tag, so war das Warten für
Tausende an der Straßenbahn-Haltestelle Waldplatz vielleicht noch
erträglich, als wieder einmal überfüllte Bahn auf überfüllte Bahn
anrollte, weil schon zig Tausend andere am Sportforum warteten und
selbstverständlich stadteinwärts und damit Richtung aller Park+Ride
Plätze eher zum Zug kamen.
Ballack & Friends: Adler/Zuberbühler – Ballack (1. HZ),
Salihamidzic, Neuville, Hamann, Tetzner, Kirsten, Wörns,
Mertesacker, Sam, Hertzsch, Jancker, Glöckner, „Zecke“ Neuendorf,
Frings, Schneider, Schumacher, Klose.
Weltauswahl: Lehmann/Weidenfeller – Ballack (2.HZ),
Carvalho, Mahdavikia, Essien, Kuka, Lokvenc, Malouda, Schürrle,
Lahm, Berbatov, Shevchenko, Drogba.
Torfolge: 1:0 Ballack (20.), 1:1 Drogba (27.), 2:1
Ballack (40.), 3:1 Neuendorf (53.), 3:2 Schürrle (55.), 3:3 Drogba
(58.), 3:4 Ballack (64.). Zuschauer: 44.000 im
Zentralstadion, Leipzig.
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