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Gottfried Weise: „Lok gegen Bordeaux? Da habe ich vor lauter Wut ins Kissen gebissen!“

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    LeserclubGottfried Weise hat rund 160 Europapokalspiele mit DDR-Beteiligung kommentiert, war bei elf Weltmeisterschaften dabei und tat sich im L-IZ-Interview schwer, seine Top-Elf des DDR-Fußballs zusammenzustellen. Der Sportjournalist spricht außerdem über seine TV-Nachfolger, die Angriffe auf Kommentator-Kollegen Marcel Reif, 270 Minuten mit Hans Meyer, über den Europacup heute und seine bitterste Stunde als Fußballkommentator in der DDR.

    Herr Weise, „Als Maradona 80.000 lockte“ ist ein Buch über die Europapokalgeschichte der DDR-Clubs, geschrieben 26 Jahre nach dem Fall der Mauer. Sind Sie ein Ewiggestriger, ein Traditionalist?

    Kein Traditionalist, aber traditionsbewusst. Mit dem Buch aus dem Verlag die Werkstatt wollte ich den Protagonisten rechtzeitig vor dem Vergessen noch ein verdientes kleines Denkmal setzen. So wahnsinnig viel Literatur gibt es über diese zeitgeschichtliche Epoche im Osten nicht. Zumindest nicht als Almanach.

    Wer erinnert sich noch an Magdeburgs Titelgewinn 1974 mit Sparwasser, Seguin und Zapf gegen den berühmten AC Mailand, an Dynamo Dresdens  erhabene und dramatische Duelle 1973 gegen die großen Bayern mit Franz Beckenbauer, an Jenas phantastische Serie 1981 mit dem „Sturm auf Rom“, an den Thriller 1986 zwischen Dynamo Dresden und Bayer Uerdingen, an Leipzigs Elfmeter-Held René Müller 1987 gegen Bordeaux oder an Weltmeister Maradona, der 1988 mit seinem SSC Neapel gegen Lok Leipzig 80.000 ins Zentralstadion lockte?

    Wieso wählten Sie ausgerechnet diesen Titel? „Die Magdeburger Bademäntel“, „Dynamos Schlachten gegen die Bayern“ oder „Der Kampf des BFC gegen das Sandmännchen“ hätten doch auch gute Titel abgegeben?

    Ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken. Die Idee zu diesem Titel hatte Bernd Beyer, Cheflektor im Werkstatt-Verlag, der das Buchprojekt von Beginn an kritisch begleitete. Ich konnte mich aber auch schnell mit dem Titel anfreunden. Diejenigen, die mich etwas näher kennen, werden aufheulen: „Na, typisch: Maradona“.

    Ja, ich bekenne mich zu ihm. Nie zuvor hat ein Spieler eine WM so dominiert wie der kleine Argentinier 1986 in Mexiko. Nicht einmal der große Pele. Weder 1958, 1962 oder 1970. Stets hatte Pele mit Didi, Garrincha, Rivelino, Jairzinho, Gerson, Carlos Alberto mehr als eine Handvoll Weltklassespieler an der Seite. Dagegen führte Maradona, bis auf Valdano und Burruchaga, ein Durchschnittsteam zum WM-Titel. Das Urteil erlaube ich mir einfach mal als Berichterstatter von 11 Weltmeisterschaften in 44 Jahren, wo ich Diego 1982, 86, 90, 94 in großen wie bitteren Stunden erlebte.

    Zwischendrin, 1988, traf Maradona mit Neapel im Zentralstadion auf Ausnahmekeeper Renè Müller und seine Lok-Elf. Es war schon eine bizarre Situation: Weltklassespieler wie Careca oder Alemao wurden von Journalisten überhaupt nicht beachtet. Der ganze Rattenschwanz nur hinter Maradona her. Zum Glück hatte ich mein Interview mit dem kleinen Fußballgott schon im Kasten. Das 1:1-Spiel vor 80.000 zwischen Neapel und Lok Leipzig, ja das gehört schon zu den Höhepunkten meiner Laufbahn. Leider ging das Rückspiel im „San Paolo“ mit 0:2 verloren.

    204 Seiten geballte DDR-Europapokalgeschichte: Sie haben selbst die meiste Zeit davon die Clubs begleitet. Sind Sie überhaupt noch auf neue Geschichten gestoßen? Und was ist denn Ihre Lieblingsgeschichte in Ihrem Buch?

    Es gilt nach wie vor: Wie das Fahrrad so kann auch der Fußball nicht komplett neu erfunden werden. Aber mein Anspruch war es schon, kein Kompendium vorzulegen, kein lückenloses Zahlengerüst, keine chronologische Aufarbeitung. Das Ziel war, in einem Mix aus Spielreportagen, Zeitzeugeninterviews, historischem Background und subjektiven Reminiszenzen Fußball, Kultur und Zeitgeist zu verweben.

    Ein Beispiel: Magdeburgs „Dompteur“ Helmut Gaube wurde überraschend und kurzfristig von Trainer Heinz Krügel für das Europacup-Finale der Cupgewinner 1974 auf Mailands Star Rivera angesetzt. „Helmut, den Rivera laufen Sie tot.“ Krügel musste sich schon vorher für Gaube stark machen. Als Christ, katholisch erzogen, galt Gaube politisch als unzuverlässig. Doch Krügel konnte sich mit sportlichen Argumenten gegen die Sicherheitsleute durchsetzen.

    Gaube lief Rivera dann tatsächlich „tot“, obwohl er mächtiges Lampenfieber hatte und ihm beim Einlaufen Blut aus der Nase schoss. Doch zum Glück  legte sich das schnell.  Eine Geschichte, die Alltag widerspiegelt, ein Licht auf die Gesellschaft wirft und ihre Mechanismen.

    Und was ist denn meine Lieblingsgeschichte in diesem Buch? Schwierig, schwierig. Aber ich entscheide mich dann doch für „Dynamo – ewige Liebschaft“. In Dresden begann ich meine journalistische Laufbahn, die Besuche am Sonnabend-Nachmittag im Dynamo-Stadion waren  Rituale. Mit 34.000 Zuschauern war es das konkurrenzlos bestbesuchte Stadion.

    Die erfolgreichste Zeit mit einer Mannschaft erlebte ich mit der Leipziger „Loksche“. Die Saison 1986/87, von Thomas Franke und  Marko Hofmann, brillant dokumentiert, führte bis ins Finale nach Athen, wo leider der letzte Schritt zum Gipfel mit 0:1 gegen das Ajax Amsterdam von Trainer Johan Cruyff  misslang.

    Aber welch himmlische Momente auf der Strecke: Hans Leitzkes 2:1 im nebligen Regen gegen Rapid Wien, Olaf Marschalls  toller „Eisballett-Auftritt“ beim 2:0 gegen Sion, René Müllers funkelnde Sternstunde mit dem Elfmeter-Clou – etwas für die Ewigkeit. Überhaupt, die Defensivabteilung mit René Müller, Frank Baum, Ronald Kreer, Matthias Lindner, Uwe Zötzsche war europäische Spitze!

    Sie haben ein Jahr recherchiert. Haben Sie sich in dieser Zeit ganz dem Buch gewidmet oder arbeiten Sie mit über 70 Jahren noch immer auch für das Fernsehen?

    In dem einen Jahr der Recherche habe ich auch noch für das Fernsehen gearbeitet. Ganz dem Buch habe ich mich ab März 2014 bis zum Januar 2015 gewidmet. Im TV ist jetzt aber mit 70 Schluss. Alles hat seine Zeit. Gelegentlich bin ich noch für den MDR-Hörfunk unterwegs. Dies schon seit über 20 Jahren. Es macht unheimlich Spaß, dort mit jungen kreativen Leuten zu arbeiten.

    Sie haben für jeden Club die Europapokal-Statistik genauestens notiert. Jede Paarung ist in Ihrem Buch zu finden und dazu die Gesamtzahl der EC-Spiele sowie eine Hitliste der Spieler mit den meisten EC-Einsätzen. Haben Sie auch über Ihre Spiele Statistik geführt? Wie fällt diese aus?

    Zunächst Blumen dem Mann, der sie verdient. Helmut Gerhardt, einst Chefregisseur Sport im DDR-Fernsehen, hat die Statistiken akribisch zusammengetragen. Zahlen sind nicht so mein Ding. Deshalb war es auch eine große Herausforderung, meine Europacup-Einsätze „einzusammeln“. Eine Herkules-Aufgabe. Puha!

    Aber bitte: In 160 Spielen konnte ich mit den Ducke, Frenzel, Kreische, Streich, Löwe, Sparwasser, Vogel, Kirsten, Thom, Marschall jubeln. Die Bilanz: 30 Siege, 30 Remis und 100 Niederlagen (Alles ohne Gewähr). Die Werte spiegeln die Realität wider. Es ist insgesamt eben eine Geschichte, die von mehr Niederlagen als von Siegen erzählen kann.

    Im Interview mit Uli Meier, dem Chefredakteur Sport im DDR-Fernsehen, geht es auch um einen Journalisten, den der BFC nach zu harscher Kritik für das kommende Spiel gegen Aberdeen ablehnte. Ist es richtig, dass Sie damit gemeint waren?

    Ja, die Sportredaktion, in diesem Fall der Chefredakteur Ulli Meier, ignorierte diesen „Wunsch“ und schickte mich mit einem Linienflug nach Schottland. Die Spieler bescherten mir zwei tolle Partien mit einem bemerkenswerten Gesamterfolg: An einem seiner besten Europacup-Tage drehte das Bogs-Team die 1:2-Niederlage von Aberdeen in ein 2:1 nach der regulären Spielzeit. Ernst, Rohde, Thom waren im Rückspiel die Besten. Der lange Bodo Rudwaleit stoppte das Team von Alex Ferguson bei der 5:4-Elfer-Lotterie mit zwei gehaltenen Bällen. Mehr zu diesem Kapitel in der Rubrik „Zwischenspiel“.

    Hans Meyer lobte in Ihrem gemeinsamen und umfangreichen Interview, dass Journalisten im Osten auf „unglaubliche Art und Weise ganz stark fachlich ausgerichtet waren“ und nicht „so blöde Fragen gestellt haben“. Wie erklären Sie sich den von ihm suggerierten Unterschied zu heute?

    Nun, in der DDR gab es keinen Boulevard. Private Geschichten wurden mehrheitlich mündlich weitergetragen. So begab sich der Fußballjournalist in der Regel auf das rein fachliche Terrain. Mit anderen Worten: Die meisten Fußballjournalisten wussten, wovon sie sprachen und traten dem Trainer oder Spieler respektvoll gegenüber. Besonders auch, wenn er Hans Meyer hieß und mit scharfer Zunge und hellem Verstand konterte.

    Nach dem Rückspiel gegen Donezk hat Bayerns Innenverteidiger und Weltmeister Jerome Boateng die drei Fragen, die ihm noch auf dem Platz gestellt wurden, nicht beantwortet, sondern den üblichen PR-Sprech abgelassen. Sind die Medien-Berater der größte Feind des Sportjournalisten heute?

    Ich möchte mich eigentlich nicht auf eine Spielwiese  begeben, auf der ich mich nicht mehr tummle. Aber als TV-Konsument fällt mir auf, dass nur noch ganz wenige Akteure originell, mit eigener Note daherkommen. Bayern-Stürmer Thomas Müller mit Witz und Schlagfertigkeit, BVB-Abwehrspieler Mats Hummels mit Intelligenz und Analysefähigkeit, fallen aus meiner Ansicht angenehm aus dem Rahmen. Von den Talkern hebt sich der schlaue und pfiffige Mehmet Scholl auf der ARD ab.

    Mit 26 Jahren haben Sie ihr erstes Spiel live kommentiert. Auch zurzeit sehen wir in den Öffentlich-Rechtlichen mit Alexander Bommes und Jochen Breyer zwei vergleichsweise junge Menschen bei der Live-Berichterstattung. Wie sehen Sie die beiden Kollegen?

    Beide, gut ausgebildet, haben eine steile Karriere hingelegt– der eine aus dem Norden, Alexander Bommes, bei der ARD, der andere, Jochen Breyer, aus dem Süden, beim ZDF. Bommes etwas forscher, Breyer etwas leiser, beide smart, eloquent, witzig – eine neue vielversprechende Generation, die gut zuhören kann und bissig nachhakt.

    Ihren „Stammplatz“ müssen sie wohl noch suchen, ob als Fieldreporter, Studiomoderator oder Kommentator in der Box. Zu diesen „Jungs“ kann man den Öffentlich-Rechtlichen nur gratulieren. Ich gehöre nicht zu jenen, denen es schwerfällt, den Nachfolgern einen guten Job zu attestieren. Es war früher nicht alles besser.

    Überhaupt: Wie darf man sich es vorstellen, wenn ein Live-Kommentator selbst einem Kollegen zuhört: Lieber Ton aus oder genau hingehört, was er besser macht?

    Es kam darauf an, wer von den Kollegen worüber kommentierte. In der Regel habe ich den Ton angelassen. Nur einmal konnte ich ihn gegen Ende kaum mehr ertragen. Das hatte nichts mit der Qualität des Kommentars vom Kollegen zu tun. Es war in der Saison 1986/87. Mit der Leipziger „Loksche“ dampfte ich im Europacup der Pokalsieger bis ins Halbfinale gegen Girondins Bordeaux.

    Im Normalfall wurde der Reporter vom Redaktionsleiter für ein Team bestimmt. Diese Mannschaft begleitete der Kommentator bis zum Ausscheiden. Doch für mich gab es das Stoppzeichen, obwohl Lok noch auf dem Erfolgsgleis fuhr. Der Grund? Ich musste an einer lange vorher terminierten politischen Weiterbildung teilnehmen. Davon konnte mich auch der Sportchef nicht befreien. So biss ich abends vor dem Bildschirm vor lauter Wut ins Kissen. Ich wusste: Da ist dir eine Sternstunde des DDR-Fußballs entgangen.

    Im Finale in Athen durfte ich wieder ran. Aber beim 0:1 gegen Ajax Amsterdam hatte die „Loksche“ erst in der zweiten Halbzeit richtige Betriebstemperatur. Bei der dünnen Spielerdecke, den angeschlagenen und verletzten Akteuren, konnte Uli Thomale nicht zaubern. Ich bleibe bei meinem TV-Kommentar von anno 1987: „Uli Thomale hatte es verstanden, Lok psychologisch und fußballerisch in neue Dimensionen zu bringen.“ Von der Quarantäne-Station bis zur Akropolis – ein kleines Wunder!

    Marcel Reif musste sich in den vergangenen Wochen zwei Fanangriffen erwehren und auch noch der Kritik von Jürgen Klopp. Wie beurteilen Sie die Szenerie?

    Da ist eine klare rote Linie überschritten worden. Die Bierdusche oder die Attacke auf Reifs Auto weisen auf eine neue Qualität hin. Aus Protest ist inzwischen Hass geworden. Da muss man jetzt Grenzen setzen. Da sind auch die Vereine gefragt und ihre sportlichen Angestellten. Es kann nicht sein, dass Fußballreporter zum Freiwild werden.

    Jürgen Sparwassers Aussage „Der DDR-Fußball ist tot“ ist ein Anstoß für Ihr Buch. Der Halberstädter begründete seine Aussage unter anderen mit den Fernseh-Talkrunden, in denen kaum über den DDR-Fußball gesprochen wird. Tatsächlich gibt es im Gegensatz zur Bundesliga auch kein Format wie „DDR-Oberliga classics“ oder „Der DDR-Club xy im Europapokal“. Haben Sie noch Hoffnung, dass sich dies einmal ändern wird? Ausreichend Material müsste es ja geben.

    Wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich finde es schade, dass es im MDR kein Format wie „DDR-Oberliga classics“! oder „Der DDR-Club xy im Europapokal“ gibt. Zwar setzt der MDR ganz erfolgreich auf die Live-Schiene, aber eine Dreiländeranstalt sollte sich auch ein Format mit Fußball-Historie leisten können. In den Archiven von Babelsberg lagert noch viel unbenutztes Material. Uwe Karte hat schon mehrfach mit einzelnen Stücken bewiesen, dass er ein ausgewiesener Kenner der DDR-Fußballhistorie ist und ein solches Format professionell begleiten könnte.

    Die Fans sind mit vielen Fußballschlachten erwachsen geworden, der Fußball hat ihr Leben begleitet. Doch damals gab es in der DDR in der Regel keine CD-Player oder Videorecorder. Ich denke, historische Nacharbeit wäre durchaus noch angemessen. Die Frage bleibt: Wie groß ist das Sehnen nach Schwarzweißschnipsel auch noch 26 Jahre nach dem Mauerfall.

    Sie haben den DDR-Clubs im Europapokal mehr als 200 Seiten gewidmet, in Ihrer Zeit als Sportjournalist in der DDR die besten Spieler des Landes beschrieben und begleitet, kennen deren Stärken und Schwächen wie kein anderer. Wie würde Ihre Top-Elf der DDR über die 41 Jahre ihres Bestehens aussehen und welches Trainerteam dürfte sie coachen?

    Eigentlich ist es ja nur ein Spielchen. Trotzdem fällt es mir schwer, eine Auswahl zu treffen. Das beginnt schon bei den Torhütern. Jürgen Croy oder Renè Müller? Beide Keeper setzten sich mit glanzvollen Elfmetertaten im Europacup ein Denkmal. Mein Vorschlag: Halbzeit 1 mit Jürgen Croy, Halbzeit 2 mit Renè Müller. Also im 4-3-3:

    Gottfried Weises Top-Elf des DDR-Fußballs. Foto/ Grafik: L-IZ.de
    Gottfried Weises Top-Elf des DDR-Fußballs. Foto/ Grafik: L-IZ.de

    Die Top-Elf mit ostdeutschen Europacup-Siegern und -Finalisten findet man in der Einleitung des Buches.

    Für viele Fußballfans wäre es ein Traum, 270 Minuten mit Hans Meyer zusammenzusitzen und über Fußball zu philosophieren oder Jürgen Sparwasser, Olaf Marschall und Ottmar Hitzfeld zu treffen. Sind diese Begegnungen für Sie als jahrelanger Journalist auch emotionale Routine oder gelingt es Ihnen, diese Treffen bewusst zu genießen und wertzuschätzen?

    Die 270 Minuten mit Hans Meyer habe ich vor allem genossen. Wir hatten uns längere Zeit nicht gesehen. Jeder konnte seine neuen Erfahrungen nach der Wende in die Gespräche einbringen. Dass sich Hans großzügig dreimal 90 Minuten Zeit für dieses Buch nahm, fand ich überragend, weiß ich zu wertschätzen.

    Eins war klar: Ohne Hans Meyer, dem „Mister Europacup im Osten“ (64 EC-Spiele auf der Bank in Jena und Chemnitz) kannst du kein Buch über „DDR-Clubs im Europapokal“ schreiben. Wir trafen uns in Berlin und Nürnberg. Hans blieb Hans: witzig, ironisch, bissig, klug, intelligent, auch ein wenig schräg. Doch lesen Sie den ganzen Meyer!

    Im Buch schwärmt ein BFC-Fan über die Begegnung BFC Dynamo – Roter Stern Belgrad 1978 (5:2): „Das war der wahre EC“. Wie wahr ist der heutige EC? Macht er Ihnen Spaß?

    Champions League? Man kann sich über die Millionen aufregen, die im hochfinanzierten Fernsehsport Fußball im Spiel sind. „Diese Geldmotivation ist vielleicht moralisch fragwürdig, aber unglaublich stark. Und gesellschaftlich akzeptiert, wenn nicht sogar gefordert“, sagt der nüchterne Realist Hans Meyer im jüngsten „Zeit“-Interview.

    Denn: Fußball ist Marktwirtschaft. „Das Scheißthema spielt eine Riesenrolle!“ Der wahre Europacup – macht er noch Spaß? Na klar, wenn du bei Hans Meyer eingeladen bist, bei einem Glas Weißwein von der Couch aus gemeinsam das Champions-League-Spiel Arsenal gegen Bayern anguckst und ein Traumtor von Toni Kroos erlebst, dann macht der „wahre Europacup“ einen Riesenspaß.

    Jetzt wo das Buch fertig und veröffentlicht ist: Haben Sie Lust auf ein zweites? Vielleicht über den FDGB-Pokal oder die DDR-Nationalmannschaft? Was sind Ihre Ziele?

    Man soll zwar niemals nie sagen, aber ein weiteres Buch dieser Art steht nicht auf meiner „Karriereplanung“. Ich würde aber gern noch Bücher durchschmökern – über den FDGB-Pokal oder die DDR-Nationalmannschaft. Diese Projekte überlasse ich aber jetzt gern jüngeren Kollegen. Ich werde meine journalistische Tätigkeit auf gelegentliche Einsätze im MDR-Hörfunk und in zwei Printmedien beschränken.

    Besuchen Sie heute noch Spiele der DDR-Clubs, die im Europapokal einst so erfolgreich waren?

    Von Dynamo Dresden verfolge ich per Sky fast jedes Spiel. Im Stadion war ich aber bisher nur einmal. Lok Leipzig hatte mich vor ein paar Jahren gefragt, ob ich eine Kolumne für das Lok-Journal schreiben würde. Habe ich natürlich gern gemacht, zumal der Neustart von Lok sogar bei Eurosport in Paris ein Thema war. Für Reporter aus England, den Niederlanden, Spanien und Frankreich war der Auftritt von Lothar Matthäus im Lok-Trikot eine Sensation.

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