In eigener Sache: Vollständig ausgelastete Pressetribüne?

Kein Sachsenderby: L-IZ-Reporter erhält keine Akkreditierung bei Dynamo Dresden

Am kommenden Samstag, 20. August, steigt das Erstrundenspiel im DFB-Pokal zwischen Dynamo Dresden und RB Leipzig. Mit dabei: Etwa 2.000 Fans aus Leipzig, aber kein Reporter der L-IZ. Der Gastverein hat unserem Reporter René Loch die Akkreditierung verweigert. Die genannten Gründe erscheinen äußerst fragwürdig. Und es ist nicht der erste Fall bei Dynamo Dresden.

Wenn RB Leipzig zu Auswärtsspielen auf Reisen geht, dann sind zwei Personengruppen stets mit dabei: die eigenen Anhänger und Journalisten. Auch die L-IZ berichtete seit Jahren von vielen RBL-Spielen in der Ferne, nahm die weiten Reisen wie auch bei anderen Vereinen in Kauf. Voraussetzung dafür ist jedoch eine Akkreditierung durch den Gastverein – was bislang in aller Regel kein Problem darstellte.

Am kommenden Samstag treten die Rasenballer bei Dynamo Dresden an, es ist die erste Runde im DFB-Pokal. Von dieser reizvollen Begegnung in Sachsen wollte die L-IZ natürlich vor Ort berichten – doch wie es derzeit aussieht, wird uns das nicht möglich sein. Am Dienstag teilte die Pressestelle des Vereins mit, dass die Kapazität auf der Pressetribüne bereits erschöpft sei und der L-IZ-Journalist keinen „etablierten“ Presseausweis hätte vorweisen können.

Insbesondere die letzte Anmerkung überrascht, wird der Presseausweis des ausstellenden Verbands, Freelens e.V., auf der Medienseite von Dynamo neben fünf weiteren Presseausweisen explizit als eine der Voraussetzungen für eine Akkreditierung genannt. Die andere Voraussetzung ist ein konkreter Auftrag einer Internet-Vollredaktion – auch dieser liegt den Dresdnern selbstverständlich vor.

Aus juristischer Perspektive hat Dynamo Dresden keine Handhabe, um René Loch die Akkreditierung zu verweigern. Er ist der einzige Journalist von L-IZ und LEIPZIGER ZEITUNG, der für das Pokalspiel eine Tagesakkreditierung beantragt hat. Der Bundesgerichtshof entschied bereits 2005, dass die Vergabe von Mediendienstleistungen im Zusammenhang mit Sportgroßveranstaltungen, etwa Zutrittsberechtigungen für Reporter, einen Markt bilden, auf dem die Veranstalter regelmäßig eine marktbeherrschende Stellung innehaben. Schließlich kann beispielsweise RB Leipzig keine Journalisten für Heimspiele von Dynamo Dresden akkreditieren.

Diskriminierung untersagt

Die Journalisten und Medienunternehmen sind wiederum auf diese Leistungen angewiesen, um ihrer Arbeit nachgehen zu können. Deshalb, so die Auffassung der Karlsruher Richter, hätten sich die Veranstalter an das Diskriminierungsverbot zu halten, das im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen geregelt ist. Es verbietet einem marktbeherrschenden Unternehmen, die von seinen Angeboten abhängigen Unternehmen ohne gerechtfertigte Gründe unterschiedlich zu behandeln.

Dynamo-Sprecher Henry Buschmann argumentierte nach dem Wegfall von Argument 1 (dem dann doch korrekten Presseausweis) nun gegenüber L-IZ.de mit einer vollständig ausgelasteten Pressetribüne. „Wir können Ihren Mitarbeiter Herrn Loch daher leider nicht für das DFB-Pokalspiel am 20. August in Dresden berücksichtigen und bitten Sie diesbezüglich um Ihr Verständnis.“

Allerdings sehen die Durchführungsbestimmungen des Deutschen Fußball-Bundes für diesen Fall vor, dass dennoch alle berechtigten Medien akkreditiert werden sollen, wenngleich mit weniger als der beantragten Anzahl an Arbeitskarten. Sollten die Dresdner ihre Haltung nicht ändern, drohen ihnen daher empfindliche Schadensersatzansprüche. René Loch, der als freiberuflicher Journalist arbeitet, prüft bereits, ob er seinen voraussichtlichen Verdienstausfall dem Kultclub in Rechnung stellen wird.

Ob die genannten Gründe lediglich einen Vorwand darstellen, bleibt unklar. Interessant ist jedoch, dass es Probleme mit der Akkreditierung bislang für die L-IZ.de lediglich bei einigen Ostvereinen gab. Neben Dynamo Dresden erlaubte sich auch der 1. FC Union Berlin in der vergangenen Spielzeit eine Absage nach ähnlichem Muster. Damals prüften wir das Argument auf einem anderen Wege.

René Loch, der das Auswärtsspiel als Mitarbeiter des RB-Fantickers dennoch besuchen konnte, stellte vor Ort fest, dass die Medientribüne alles andere als überfüllt gewesen ist. Dass die Abneigung gegenüber RB Leipzig, die in den neuen Bundesländern noch stärker als anderswo vorhanden ist, womöglich auch Journalisten aus dieser Stadt zu spüren bekommen, erscheint zumindest nicht ganz abwegig.

Dynamo Dresden nicht das erste Mal im Fokus

Speziell Dynamo hatte aber bereits im Vorjahr für Schlagzeilen im Zusammenhang mit einer Akkreditierung für einen Leipziger Reporter gesorgt. Dem freien Journalisten Ullrich Kroemer war eine Akkreditierung kurzfristig entzogen worden, nachdem auf „zdfsport.de“ ein Artikel von ihm erschienen war. Dieser ging kritisch auf die Gewaltausbrüche von Dynamo-Fans und das Verhältnis zwischen Anhängern und Vereinsoberen ein – und las sich dabei wie ein Text, der auch in anderen Medien schon in vielfacher Form erschienen ist.

Dennoch entzog Dynamo dem Journalisten die Akkreditierung. Kurz darauf verschwand der Text von der Webseite – und Kroemer stand plötzlich wieder auf der Gästeliste. Ein Sprecher des ZDF erklärte hinterher, dass der Artikel wegen journalistischer Mängel offline genommen worden sei. Er hätte eine aufgeheizte Stimmung noch weiter aufgeheizt, hieß es zur Begründung. Dazu stellte ein Autor der FAZ fest: „Sein Text geht kaum über das hinaus, was man von Kommentatoren und Moderatoren von ARD und ZDF nicht schon gehört hätte.“ Eine Erklärung von Dynamo Dresden zu dem einmaligen Vorgang blieb seinerzeit vollständig aus und Kroemer stellte den Text zum Nachlesen auf seinen Blog (siehe Links).

In eigener Sache – Eine L-IZ.de für alle: Wir suchen „Freikäufer“

RBLDynamo Dresden
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 
3 Kommentare


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Chemnitz: Konzert von Feine Sahne Fischfilet wegen Bombendrohung unterbrochen
Set dem 26. August eskaliert die Stimmung in rechtsradikalen Kreisen um Chemnitz. Bei der Pegida/Pro Chemnitz & AfD-Demo versuchte man am 1. September 2018 Räumpanzer zu besetzen, anschließend kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserErneut haben mutmaßlich Rechtsradikale ein Konzert der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ beeinflusst. In Chemnitz sorgte am Donnerstagabend eine Bombendrohung für eine Unterbrechung. Nachdem die Polizei das Gebäude geräumt hatte, begann am späten Abend erneut der Einlass. Bereits am Mittwoch war eine Filmvorführung wegen einer Morddrohung abgesagt worden. Im Oktober hatte eine Absage des Dessauer Bauhauses für heftige Kontroversen gesorgt.
Standortentscheidung für die Halle 7 in der Baumwollspinnerei soll jetzt endgültig aufgehoben werden
Das sanierungsreife Haus an der Lortzingstraße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSeit August ist alles zum Stillstand gekommen. Das Kulturdezernat war erschrocken. Unverhofft waren die Plankosten für das neue Naturkundemuseum in der Spinnerei von 10 Millionen Euro auf 37 Millionen Euro hochgeschnellt. Das Kulturdezernat zog die Reißleine. So viel Geld würde man in das Museum an diesem Standort nicht stecken können.
Medienwochen „Courage leben“ vom 26. November bis 07. Dezember 2018
Courage Leben, Quelle: Landesfilmdienst Sachsen für Jugend- und Erwachsenenbildung e.V.

Quelle: Landesfilmdienst Sachsen für Jugend- und Erwachsenenbildung e.V.

Die Medienwoche „Courage leben“ bietet seit über 15 Jahren eine Plattform zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Phänomenen und den damit verbundenen Herausforderungen für das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht die Kritik verschiedener Diskriminierungsformen, von Rassismus und Antisemitismus aus aktueller wie historischer Perspektive.
Verein Neue Ufer wirbt für eine kluge Lösung für das ganze Stadtquartier am Naundörfchen
So könnte es hinter der Hauptfeuerwache mit geöffnetem Pleißemühlgraben aussehen. Visualisierung: Neue Ufer e.V.

Visualisierung: Neue Ufer e.V.

Für alle LeserAm Mittwoch, 14. November, als Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal die Gründe erläuterte, warum sein Dezernat die Öffnung des Pleißemühlgrabens am Goerdelerring bevorzugt, verteilte der Verein Neue Ufer einen eigenen Folder an die Ratsfraktionen, um seine Gründe noch einmal zu erläutern, warum man für die Öffnung des Grabens im historischen Verlauf hinter der Hauptfeuerwache ist.
Damario – 10 Jahre acoustic Soul’n’Blues im Tonelli’s
Maria Schüritz PR

Maria Schüritz PR

Seit 10 Jahren ist das acoustic Soul'n'Blues-Duo DAMARIO nun in Leipzig und Umgebung unterwegs und spielt soulige Coversongs (von Goldeneye bis Black or White) und eigene Stücke in Akustikversion - gern mit Felix Kaduk am Kontrabass. Verblüffend funky mit fast traumwandlerischem Zusammenspiel, gerne mit spontanen Änderungen.
Ausstellung vom 15. November – 22. Dezember – Toni Minge „IMMANENZ“
Quelle: CHARTER –Projektgalerie

Quelle: CHARTER –Projektgalerie

Neue Arbeiten von Toni Minge zeigt die CHARTER-Projektgalerie in der aktuellen Ausstellung „IMMANENZ“. Zu sehen sind Malereien, die sich mit dem Verbleiben in einem vorgegebenen Bereich befassen, ohne eine Überschreitung von Grenzen. Toni Minge ist ein aufstrebender Künstler, der bereits in seiner Abiturzeit die Grundlagen der bildenden Kunst im Burg-Gymnasium Wettin erlernte.
Allein die Sanierungspläne der Hauptfeuerwache bedingen den Kostenunterschied von 18 und 30 Millionen Euro für den Pleißemühlgraben
Pleißemühlgrabenöffnung am Goerdelerring. Visualisierung: Stadt Leipzig

Visualisierung: Stadt Leipzig

Für alle LeserHat Leipzigs Stadtverwaltung die Bürger nur gelinkt? Hat sie die Bürgerbeteiligung zur Öffnung des Pleißemühlgrabens an der Hauptfeuerwache nur vorgegaukelt und die Beteiligten über etwas abstimmen lassen, was sowieso längst feststand? So ganz schlüssig konnte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal das in der Pressekonferenz zur jetzigen Stadtratsvorlage nicht entkräften.
Umweltverbände schlagen bei den Planungen für die Bahnbrücken in der Elsteraue Alarm
Die alte - viel zu enge - Brücke über die Nahle. Foto: Heiko Rudolf

Foto: Heiko Rudolf

Für alle LeserSie mahnen, sie warnen, sie machen Vorschläge. Und das seit 2016, seit bekannt ist, dass die Bahn ihre Brücken durch die Leipziger Elsteraue ab 2019 neu bauen will. Doch die Stadt Leipzig reagierte nicht, nahm nicht mal die Gesprächsangebote der Bahn an. Aber das Amt für Denkmalschutz meldete sich und sorgte erst recht dafür, dass sich die Brückenpläne für Leipzigs Nordwestaue zur Katastrophe entwickeln.
Klaus Auerswalds Buch „Sonst kommst du nach Schwedt!“ neu aufgelegt
Klaus Auerswald: Sonst kommst du nach Schwedt! Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDieses Buch ist seit 2010 schon zweimal in verschiedenen Verlagen aufgelegt worden – und jedes Mal war es vergriffen. Nun hat es der Sax Verlag ins Programm aufgenommen. Und es liest sich so beklemmend wie 2010. Und der Ortsname hat sich eh bei vielen Männern im Osten tief eingebrannt. Schwedt war eine Drohung für alle, die in der NVA zum Gehorsam gedrillt wurden.
Ticketverlosung zum Highlight-Spiel der Wölfe in Leipzig – Der deutsche Meister kommt
Foto: MBC

Foto: 2 LIONS

VerlosungAm Wochenende wird Leipzig wieder zum Schauplatz eines absoluten Basketball-Spektakels. Denn der Mitteldeutsche Basketball Club empfängt am 18. November um 18:00 Uhr den FC Bayern München in der Arena Leipzig. Beim ersten Care for Climate Game des Jahres erwartet die Zuschauer an diesem sechsten Spieltag der easyCredit BBL nicht nur sportliche Leistung auf höchstem Niveau, sondern auch ein vielfältiges Rahmenprogramm für Jung und Alt in der Messestadt. Leserclub-Mitglieder haben die Möglichkeit, hier 3x2 Tickets zu ergattern.
Weihnachtsmarkt im Barockschloss Hohenprießnitz
Goldengelchen, verschmitzt.Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Längst ist er kein Geheimtipp mehr, der Weihnachtsmarkt im Barockschloss Hohenprießnitz. Auch in diesem Jahr sind Gäste am 8./9. Dezember sowie am 15./16. Dezember eingeladen, in weihnachtlich-romantischer Atmosphäre im und um das Schloss zu bummeln, Freunde zu treffen und das vielseitige Angebot zu bestaunen.
Laibach – The Sound Of Music live im Schauspiel Leipzig + Video
Laibach. Quelle: Bernd Aust Kulturmanagement GmbH

Quelle: Bernd Aust Kulturmanagement GmbH

Seit ihrer Gründung 1980 in der Bergarbeiterstadt Trbovlje im damals noch kommunistischen Jugoslawien haben Laibach immer wieder Konventionen gebrochen und Barrieren überschritten. Das Künstlerkollektiv "Neue Slowenische Kunst" (NSK), als Teil dessen sich Laibach verstehen, erhebt das Spiel mit der Ideologie zur höchsten Kunst und eckt dementsprechend oft an. Die einerseits affirmative, andererseits aber auch zutiefst ironische Ästhetik der NSK prägt das Künstlerkollektiv bis heute.
Stadt Leipzig startet Winternotprogramm für Wohnungslose – Hilfebus und weitere Maßnahmen geplant
Blick über Leipzig.Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie zunehmende Wohnungsknappheit in einer wachsenden Stadt wie Leipzig hat viele Gesichter. Zu den dramatischsten Auswirkungen zählen Obdach- und Wohnungslosigkeit. Die Stadt Leipzig startet nun ihr jährliches Winternotprogramm und plant zudem zusätzliche Maßnahmen, unter anderem einen Hilfebus. Ein Überblick über alle Angebote für Bedürftige findet sich am Ende des Artikels.
Kandidatenzeit (4): Der Wahlkreis 29 – Starke Linkspartei trifft auf AfD in Grünau
Adam Bednarsky (Die Linke) wird versuchen, im Wahlkreis 29 ein linkes Direktmandat zu holen. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserIm Wahlkreis 29 um den Kernbezirk Grünau (29) wird es CDU-Landtagsabgeordneter Andreas Nowak wohl mit Stadtrat Adam Bednarsky (Linke, noch nicht nominiert), Waltra Heinke (SPD) und Friedrich Vosberg (FDP) zu tun bekommen. Das Ergebnis der Bundestagswahl hier zeigt jedoch, wie schwer es für Nowak werden dürfte, sein 2014 mit gerade noch 300 Stimmen vor Dietmar Pellmann (Linke, verstorben) errungenes Direktmandat zu verteidigen. Denn in Grünau und Umgebung gab es zur Bundestagswahl 2017 ein regelrechtes Fanal der Polarisierung. Quasi als Alleinstellungsmerkmal fand sich hier die mit Abstand höchste Ballung an AfD-Wählern in Leipzig.
Wo bleiben die praktischen Schritte aus den Ergebnissen des Sachsen-Monitors?
Sachsen-Fahne im Himmelsblau. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWas bringt eigentlich der nun zum dritten Mal vorgelegte Sachsen-Monitor? Macht er uns klüger in Bezug auf die menschenfeindlichen Einstellungen der Sachsen? Erschreckt er nur? Oder enthält er tatsächlich Lösungsansätze für das zerrissene Sachsen? Drei Parteien mit völlig unterschiedlichen Sichten auf diese Befragung des landläufigen Sachsen.